Dezember 2022

Yutnori

Eine der Neuheiten, die der Frechverlag auf der SPIEL `22 vorgestellt hat, ist Yutnori. Wobei das Wort „Neuheit“ hier wohl relativ ist, denn es handelt sich dabei um einen gut 2000 Jahre alten Spieleklassiker aus Korea, den man hier nun in zeitgemäßem Gewand auf dem europäischen Markt herausgebracht hat. Sehr minimalistisch, aber trotzdem edel und ansprechend präsentiert sich dann auch die quadratische Box, in der das Spiel in den Handel kommt. In ihrem Inneren finden wir den Spielplan und in einem Tiefziehteil sicher verstaut die 4 Yut-Stäbe und 12 Spielsteine, sowie noch die Regelfaltblätter.

Die Yut-Stäbe sind gefallen! Sie entscheiden darüber, wer auf dem Spielfeld vorankommt und wer nicht. Denn am Ende kann nur eine Mannschaft siegreich vom Feld gehen.

Yutnori bedarf keiner großen Vorbereitungen. Der Spielplan wird in die Tischmitte gelegt, die Yut-Stäbe griffbereit daneben, 2 Teams gebildet, die ihre Spielsteine erhalten und schließlich noch ermittelt, wer beginnt, und die Partie kann starten. Das aktive Team wirft in seinem Zug die 4 Yut-Stäbe. Je nachdem, wie diese auf dem Tisch landen, kann das Team nun einen seiner Spielsteine ins Spiel bringen oder seine Spielsteine auf dem Spielfeld vorwärtsbewegen. Hierbei kann es eigene Spielsteine zu Grüppchen zusammenfassen, oder Grüppchen wieder auflösen und falls der Spielstein auf einem Feld mit gegnerischen Steinen landet, diese aus dem Spiel werfen, so dass sie wieder von vorne anfangen müssen. Es gewinnt am Ende das Team, dem es als Erstes gelingt, alle seine Spielsteine ins Ziel zu bringen.

Die Spielidee von Yutnori kommt einem irgendwie bekannt vor? Richtig! Wir haben hier wohl den Urahn von „Mensch ärger Dich nicht“ vor uns, denn die grundlegenden Spielprinzipien sind nahezu identisch. Von daher bieten die Regeln auch keine Tücken. Einzig das „Würfeln“ mit den Yut-Stäben ist anfangs doch etwas gewöhnungsbedürftig und je nach Spieltisch auch recht laut, aber man hat es dann nach ein paar Runden eigentlich recht schnell drin, welches Ergebnis auf dem Tisch liegt und wie viele Felder man sich vorwärtsbewegen darf. Ob man dann dabei aggressiv versucht, die Gegner immer wieder rauszuwerfen, oder eher darauf setzt, die eigenen Steine sicher ins Ziel zu bringen, muss jedes Team für sich entscheiden. Bei uns ist die anfängliche Skepsis jedenfalls schnell gewichen, denn Yutnori macht wirklich Spaß, wenn man sich denn einmal auf das Spiel einlässt. Zudem ist es mit seinem wenn auch minimalistischen Spielmaterial, das aber hochwertig verarbeitet ist, ein echter Hingucker. Einzig die Regelblätter sind etwas schlecht lesbar. Eine durchgehende weiße Schrift auf dem schwarzen Untergrund wäre hier besser gewesen.

Titel: Yutnori
Autor: k.A.
Verlag: Frechverlag

Fish Tank

Fish Tank des Albi Verlages war eine der Neuheiten, die uns während der SPIEL `22 in Essen sofort am Stand der Prager Spieleschmiede ins Auge gefallen ist. Autor des Titels, der in einer kleinen Rechteckbox mit den namensgebenden Fischen auf dem Cover geliefert wird, ist Michal Peichl. Das Spielmaterial besteht aus einem Wertungsblock, 108 Karten, die dank eines Pappeinlegers wirklich bombenfest in der Box untergebracht sind, und Regelfaltblättern in 4 Sprachen.

Aquaristik ist ein anspruchsvolles Hobby. Denn die bunten Aquariumsbewohner haben durchaus ihre Ansprüche, die es zu erfüllen gilt, damit sie sich wohlfühlen und gedeihen.

Vor dem Spielstart werden zunächst die 99 Karten mit den Wasserbewohnern gemischt und an jeden Spieler 8 verdeckt ausgeteilt. Nachdem jeder auch noch eine Übersichtskarte erhalten hat, kann es auch schon losgehen. Die Spieler wählen alle verdeckt eine ihrer Handkarten aus und reichen die übrigen an den linken Nachbarn weiter. Dann decken alle ihre gewählte Karte auf und platzieren diese vor sich. Dieses Drafting erfolgt reihum so lange bis alle 8 Karten vor den Spielern in einem 4×4-Raster liegen. Dann werden wieder 8 Karten an die Spieler verteilt und es wird erneut gedraftet, nun aber gegen den Uhrzeigersinn, bis das 4×4-Raster komplett mit Karten belegt ist. Nun erfolgt eine Wertung und der Spieler mit den meisten Punkten gewinnt.

Fish Tank ist ein klassisches Legespiel für Familien, das den ebenso klassischen Drafting-Mechanismus als Spielprinzip nutzt. Von daher bieten die Grundregeln keinerlei Tücken und es ist somit auch, wie auf der Box angegeben, schon mit Kindern ab 7 Jahren problemlos spielbar. Trotzdem ist Fish Tank durchaus auch ein anspruchsvolles Spiel, denn es gilt sehr genau zu überlegen, wo man die Wasserbewohner in seinem 4×4-Raster platziert, damit diese am Ende auch die meisten Punkte liefern. Denn jeder von ihnen hat bestimmte Ansprüche daran, wie viele Artgenossen in seiner Nachbarschaft sein sollten und wo genau er sich im Aquarium am wohlsten fühlt. Was zudem gefällt, sind die wirklich schön gestalteten Karten mit lebensechten Grafiken der verschiedenen Fische und sonstigen Bewohnern des Aquariums.

Titel: Fish Tank
Autor: Michal Peichl
Verlag: Albi

Weihnachten

Wir wünschen all unseren Lesern, denen wir für ihre Treue danken möchten, konnten wir doch dieses Jahr im November das 5-jährige Jubiläum für diesen Blog feiern, schöne und erholsame Feiertage und alles Gute für 2023.

Distant Suns

Eine der Herbstneuheiten 2022 im Vertriebsprogramm von Hutter ist die deutsche Version des Choose`n Write Distant Suns des französischen Iello-Verlages. Schöpfer dieses Spieles ist das Autorenduo Gary Kim und Yeon-Min Jung, während Vincent Dutrait das Artwork entworfen hat. Dieses stimmt uns dann auch gleich mit der Covergrafik der Box auf die Weltraumthematik ein, die dem Spiel zugrunde liegt. Öffnen wir die Box, so finden wir darin die zweiteilige Missionstafel, 25 Plättchen, 4 Stifte, 11 Schablonen, einen Block mit Spielbögen und das Regelheft.

Die unendlichen Weiten des Weltraums wollen erforscht werden. Mache Dein Schiff startklar und begib Dich auf eine Reise, die Dich zu schwarzen Löchern und außerirdischen Zivilisationen führen wird.

Bevor eine Partie Distant Suns starten kann, muss zunächst die Missionstafel in die Tischmitte gelegt und gemäß Anleitung mit Erkundungs- und Missionsplättchen bestückt werden. Anschließend werden die Modulplättchen in aufsteigender Zahlenreihenfolge gestapelt und ebenso wie die Schablonen griffbereit daneben gelegt. Zuletzt erhält jeder Spieler noch einen Kosmosbogen vom Block und einen Stift, dann kann die Erforschung des Weltraums auch schon starten. Distant Suns wird über insgesamt 3 Durchgänge gespielt. In jedem Durchgang nimmt der jeweils aktive Spieler das oberste Modulplättchen und legt dieses an den Rand der Missionstafel an. Er gibt dadurch vor, welche Erkundungszonen er und seine Mitspieler auf ihren Kosmosbögen einzeichnen müssen. Hierbei ist zu beachten, dass die neu eingezeichneten Zonen an bereits eingezeichnete Zonen angrenzen müssen, das Startfeld bzw. die Schatz- oder Außenweltfelder aber nicht überdecken dürfen. Überdeckt ein Spieler mit einer eingezeichneten Zone ein Upgrade-Feld, kann er ein Upgrade auf seinem Kosmosbogen ankreuzen, das er in einem der nächsten Züge nutzen kann, um ein Sechseck in der vorgegebenen Form der Erkundungszone zu ignorieren. Erreicht ein Spieler mit der eingezeichneten Zone ein Feld, das an eine Außenwelt angrenzt, erhält er den entsprechenden Bonus. Kann ein Spieler kein Modulplättchen mehr anlegen, endet der aktuelle Durchgang. Die Modulplättchen, werden wieder sortiert aufgestapelt und der nächste Durchgang startet. Nach dem dritten Durchgang erfolgt eine Endwertung. Wer die meisten Punkte hat, gewinnt.

Distant Suns ist ein anspruchsvolles, sehr gut gemacht Choose`n Write. Die Grundregeln an sich sind dabei einfach und leicht verständlich. Wirklich knifflig wird das Spiel, wenn man sich überlegen muss, wie man eine vorgegebene Erkundungszone am geschicktesten auf seinem Kosmosbogen einträgt, damit sie am Ende die meisten Punkte bringt, bzw. wenn man selbst am Zug ist, das Modulplättchen zu legen, welche Erkundungszone man für sich selbst und welche man für die Mitspieler wählt. Trotz allem bleibt es hier bis zuletzt spannend, wer denn nun die Partie gewinnt, denn Zusatzpunkte oder Mali können am Ende das Ergebnis nochmal völlig drehen. Von daher bietet Distant Suns sehr viel Spielspaß und das bei einem sehr hohen Wiederspielwert.

Titel: Distant Suns
Autoren: Gary Kim, Yeon-Min Jung
Verlag: Iello / Hutter

Links Rechts Dilemma

Unter den Herbstneuheiten des Jahrgangs 2022, die Asmodee vorgestellt hatte, fand sich auch das kooperative Partyspiel Links Rechts Dilemma des belgischen Cojones-Verlages, das vom Autorenduo Ken Gruhl und Jeremy Posner entwickelt wurde. Geliefert wird es in einer unschuldig weißen, kompakten Rechteckbox, in der sich 200 Karten, eine dreiteilige Spielleiste, 6 Drehscheiben und das Regelheftchen befinden, womit auch schon das komplette Spielmaterial aufgezählt wäre.

Du meinst, Du kennst Deine Freunde und Deine Freunde kennen Dich? Dann stelle Dich absurden Dilemmas, um herauszufinden, wie gut ihr euch wirklich kennt!

Eine Partie Links Rechts Dilemma ist schnell vorbereitet. Jeder Spieler erhält eine Drehscheibe, die Spielleiste wird zusammengesteckt und in die Tischmitte gelegt und zuletzt noch 6 Karten gemäß Anleitung darüber platziert und dann kann es auch schon losgehen. In jeder Runde ist einer der Spieler der Skifahrer, der sich gedanklich 3 Dilemmas stellt und dann verdeckt auf seiner Drehscheibe einstellt, in welcher der 6 Hütten er seine virtuelle Abfahrt beendet. Parallel überlegen seine Mitspieler, wie er sich wohl entschieden hat und stellen ebenfalls verdeckt auf ihren Drehscheiben ein, in welcher Hütte sie ihn vermuten. Dann decken alle bis auf den Skifahrer ihre Drehscheiben auf und diskutieren, welches wohl die richtige Hütte ist. Haben sie sich entschieden, deckt der Skifahrer seine Drehscheibe auf. Falls die Gruppe richtig lag, erhält sie einen Punkt. Nun werden die Karten getauscht und der nächste Spieler im Uhrzeigersinn wird zum Skifahrer. Nach 6 Runden erfolgt die Auswertung, wie viele Punkte die Gruppe erzielt hat und wie gut oder schlecht das Ergebnis damit ist.

Das Links Rechts Dilemma wird seinem Anspruch als kooperatives Partyspiel vollauf gerecht. Gerade in einer großen Runde mit den maximal 6 Mitspielern entwickelt dieses Spiel seinen vollen Reiz und sorgt für jede Menge Spielspaß bei hohem Wiederspielwert. Allerdings muss die Gruppe auch offen für teilweise schwarzen Humor und bisweilen etwas schlüpfrige Dilemmas sein. Von daher gilt es, sich im Vorfeld Gedanken zu machen, wer sich als Mitspieler für eine Partie eignet und wer eher nicht. Hat man die passende Gruppe beisammen, dann sind die Lacher hier vorprogrammiert.

Titel: Links Rechts Dilemma
Autoren: Ken Gruhl, Jeremy Posner
Verlag: Cojones / Asmodee

Caverna

Das von Lookout Spiele verlegte und von Asmodee vertriebene Agricola des Erfolgsautors Uwe Rosenberg war hier ja schon des Öfteren Thema von Beiträgen. Was lag also näher, als nun auch einmal Caverna von Uwe Rosenberg, das sozusagen eine Art Spin Off von Agricola ist, genauer unter die Lupe zu nehmen, zumal es 2014 von der Wiener Spiele Akademie mit dem Titel Spiele Hit für Experten ausgezeichnet wurde? Die Box von Caverna weist ein ansprechend gestaltetes Cover auf und entpuppt sich trotz kompakter Abmessungen als recht gewichtig. Das ist auch kaum verwunderlich, denn in ihr verbirgt sich das wirklich mehr als umfangreiche Spielmaterial aus 16 Spielplänen, über 400 Spielsteinen und -figuren, über 200 Markern, 29 Karten, über 200 Plättchen, einem Schreibblock und dem Regelheft.

Der Alltag eines Zwerges ist nicht leicht. Er lebt zurückgezogen in seiner Höhle, die er einrichten und ausbauen und in der er nach Erz- und Rubinvorkommen graben muss. Doch auch außerhalb der Höhle wartet Arbeit auf ihn. Wälder wollen gerodet werden, um Ackerbau und Viehzucht betreiben zu können und so das Überleben der eigenen Familie zu sichern. Nur wer hierbei geschickt wirtschaftet, häuft am Ende den meisten Wohlstand an und wird zum erfolgreichsten unter den Zwergen.

Caverna ist für maximal 7 Mitspieler ausgelegt, die zu Beginn einer Partie einen Heimatplan und ihr Spielmaterial erhalten. Der Aufbau der Heimat- und sonstigen Spielpläne erfolgt anschließend gemäß Anleitung, was vor allem beim ersten Mal einiges an Zeit erfordert. Danach läuft die Partie über 12 Runden, die jeweils aus 5 Abschnitten bestehen. Als erstes wird ein neues Aktionsfeld aufgedeckt, in Schritt 2 werden die so genannten Anhäufungsfelder wieder aufgefüllt, im 3. Abschnitt der Arbeitszeit setzen die Spieler im Uhrzeigersinn je einen ihrer Zwerge auf ein freies Aktionsfeld und führen die Aktion sofort aus. Dies erfolgt so lange, bis alle Spieler alle ihre Zwerge eingesetzt haben. In Abschnitt 4, der Heimkehrzeit, werden die Zwerge der Spieler wieder zurück in die jeweiligen Wohnhöhlen gestellt, bevor dann in der abschließenden Erntezeit Gemüse und Getreide geerntet, die eigenen Zwerge ernährt und Tiere vermehrt werden. Nach Ende der 12. Runde erfolgt die Endabrechnung und der Spieler mit den meisten Punkten gewinnt.

Der Spielablauf von Caverna klingt auf den ersten Blick recht simpel, haben wir es hier doch mit einem klassischen Worker Placement Prinzip zu tun. Doch wie schon bei Agricola steckt auch diesmal wieder der Teufel im Detail. Die Höhle will ausgebaut werden, um mehr Siegpunkt zu haben, die Familie vergrößern zu können und Erz und Rubine zu fördern. Gleichzeitig muss aber auch draußen der Wald gerodet werden, um Ackerflächen zu schaffen und Platz für Viehherden, denn Nahrung ist immer knapp. Dass dann auch noch bis zu 6 andere Zwerge identische Ziele verfolgen und natürlich immer genau die Aktionsplättchen besetzen, die man selbst gerade dringend bräuchte, bleibt dabei nicht aus. Von daher ist Caverna ein komplexes und sehr anspruchsvolles Strategiespiel, das aber gleichzeitig jede Menge Spielspaß bietet.

Titel: Caverna
Autor: Uwe Rosenberg
Verlag: Lookout Spiele / Asmodee

Exploration

Während der SPIEL `22 in Essen sind wir über das Weltraum-Strategiespiel Exploration des noch jungen polnischen Verlages Ply Games gestolpert, das aus einer erfolgreichen Kickstarter-Kampagne hervorgegangen ist. Entwickelt wurde es von Damian Korus und einer ganzen Gruppe von Mitstreitern, die sich nicht zuletzt auch um das Artwork und das Design der Miniaturen gekümmert haben. Das Ergebnis kann sich sehen lassen, denn schon das Cover der quadratischen Standardbox präsentiert sich mit einem stimmungsvoll edlen Design. Öffnen wir die Box, finden wir darin das Spielmaterial bestehend aus dem doppelseitigen Hauptspielplan, 3 Zusatzspielplänen, 143 Karten, einem Würfel, Tokens, 20 Standfüßen, 40 Raumschiffminiaturen, 50 Spielsteinen, 9 Hexplättchen und dem Regelheft, das dank einer Papp- und einer Kunststofftiefzieheinlage, sicher und sauber sortiert untergebracht ist.

Wir schreiben das Jahr 2063. Mond und Mars sind längst von der Menschheit kolonisiert, als neue, privat finanzierte Expeditionen starten, um unsere Nachbarplaneten auf der Jagd nach Ressourcen zu erforschen. Wer wird aus diesem Wettrennen wohl am Ende als derjenige hervorgehen, der das Tor in ein neues Weltraumzeitalter aufgestoßen hat?

Bevor eine Partie Exploration starten kann, muss sich die Spielerunde zunächst entscheiden, ob sie eine lange Partie mit 13 oder eine kurze mit nur 8 Runden spielen will und dann den Spielplan mit der entsprechenden Seite in der Tischmitte platzieren. Ebenso muss entschieden werden, ob ohne oder mit und wenn ja, mit welchen der Zusatzspielpläne gespielt werden soll. Dann werden die Raumschiff-, Gefahren-, Hauptmissions- und Nebenmissionskarten gemischt und verdeckt bereitgelegt. Auch die Manöver- und Entwicklungskarten werden gemischt. Von den Manöverkarten werden dann 5 gezogen und offen ausgelegt, die restlichen wandern zurück in die Box. Auch von den Entwicklungskarten werden 5 gezogen und offen ausgelegt, die restlichen werden daneben als verdeckter Nachziehstapel platziert. Zuletzt werden noch die Tokens, Raumschiffminiaturen und der Würfel bereitgelegt. Nun wählen die Spieler eine der Raumfahrtzentrumskarten und erhalten die zugehörigen Standfüße und Spielsteine in ihrer Farbe, sowie das auf den Raumfahrtzentrumskarten angegebene Startkapital, sowie ggf. angegebene Boni. Nachdem jeder Spieler noch 3 Nebenmissionskarten und 2 Hauptmissionskarten gezogen hat, wobei von letzteren eine ausgewählt und die andere wieder abgeworfen wird, kann die Partie starten. Exploration wird in 8 bzw. 13 Runden gespielt. In jeder Runde führt der jeweils aktive Spieler, wobei die Reihenfolge durch die Geschwindigkeit des jeweils schnellsten Raumschiffes der Spieler vorgegeben ist, eine Reihe von Aktionen durch. Diese gliedern sich in Vorbereitungs- und Erkundungsaktionen. In den Vorbereitungsaktionen erhält der aktive Spieler zunächst 5 Münzen von der Bank, er kann dann mit seinem Geld Technologiepunkte erwerben, um sein Technologielevel zu steigern. Anschließend kann er eine der ausliegenden Entwicklungskarten kaufen, die seinem aktuellen Technologielevel entspricht und erhält die entsprechenden Boni. Nun zieht er 3 Raumschiffkarten, von denen er eine kaufen kann, sofern er das zugehörige Technologielevel hat. Die Vorbereitungsaktionen enden mit dem optionalen Kauf von Manöverkarten, die den Raumschiffen in den folgenden Erkundungsaktionen zusätzliche Manövriermöglichkeiten geben, und dem Bau von Modulen, mit denen die Raumschiffe, die noch nicht gestartet sind oder sich im Erdorbit neben dem Startfeld des Spielers befinden, ausgestattet werden können. Dann beginnen die Erkundungsaktionen. Hier bewegt der aktive Spieler seine Raumschiffe in ihrem Orbit, wobei er durch den Einsatz von Energie die Flugrichtung, Geschwindigkeit und den Orbit verändern kann. Zieht ein Raumschiff dabei über ein Feld mit Geld-Symbol hinweg, erhält der Spieler eine Münze aus der Bank, beendet er seinen Zug auf einem Feld mit Erfahrungssymbol erhält er einen Erfahrungspunkt, auf einem Feld mit Gefahrensymbol muss er stattdessen eine Gefahrenkarte ziehen und deren Effekte anwenden. Beendet das Raumschiff seinen Zug auf einem Feld im Orbit eines Planeten mit Verbindung zu einem Spezialfeld auf dessen Oberfläche, kann der Spieler nun versuchen, eines seiner Module dort abzusetzen, was ihm Siegpunkte und Münzen einbringt. In den Erkundungsaktionen ist es auch möglich, gegnerische Raumschiffe anzugreifen und diese ggf. zu zerstören, was Zerstörungstokens bringt. Nachdem der aktive Spieler so alle seine Raumschiffe bewegt hat, ist der nächste Spieler am Zug. Nach 8 bzw. 13 Runden erfolgt dann eine Endwertung, in die neben den erfolgreich abgesetzten Modulen auch die erzielte Erfahrung, Geldvorräte und Zerstörungstokens einfließen. Wer die meisten Siegpunkte hat, gewinnt.

Exploration ist ein wirklich gut gemachtes und sehr anspruchsvolles Strategiespiel, das einen ziemlich großen Spieltisch voraussetzt, vor allem, wenn man mit den Zusatzspielplänen spielen will. Und man sollte auch gerade für die erste Partie viel Zeit einplanen. Die Regeln an sich bieten zwar keine Tücken, aber es dauert, bis man sich in diese eingearbeitet und sie verstanden hat, so dass eine kleine Testrunde, um sich mit den grundlegenden Spielmechaniken vertraut zu machen, nicht schaden kann. Dies gilt umso mehr, weil die deutsche Übersetzung der Regeln an einigen Stellen etwas schwammig formuliert ist. Doch ließen sich hier die Unklarheiten durch einen Abgleich mit den aktualisierten englischen Regeln, die auf der Homepage des Verlages zum Download bereitstehen, schnell beseitigen. Nachdem diese Klippen umschifft waren, hat sich uns Exploration jedenfalls als spannendes Spiel präsentiert, wobei wir an dieser Stelle nicht verschweigen wollen, dass die Downtime für inaktive Spieler teils recht beträchtlich ist und in unserer Testrunde irgendwann die Münzen ausgingen, was aber den positiven Gesamteindruck nicht geschmälert hat.

Titel: Exploration
Autor: Damian Korus
Verlag: Ply Games

Land & Meer

Während der B-Rex-Days im September 2022 hatten wir erstmals die Gelegenheit, das Legespiel Land & Meer des Kobold Spieleverlages, das im englischen Original bereits 2021 bei Good Games Publishing erschienen ist, zu testen. Nun wollen wir uns den Titel, der vom Autor Jon-Paul Jacques entwickelt wurde, einmal etwas genauer anschauen. Nehmen wir den schön gestalteten Deckel von der quadratischen Box, die Teil des Spielmaterials ist, so finden wir in ihrem Inneren 60 Plättchen, 2 Übersichtskarten, 7 Holzscheiben und das Regelheft, womit auch schon alles aufgezählt wäre, um Land & Meer spielen zu können.

Unbekannte Meere und Inseln wollen erforscht werden. Was wird die wagemutigen Entdecker wohl erwarten und wer von ihnen wird der Erfolgreichste sein?

Land & Meer spielt man am besten zu zweit oder in 2 Zweierteams wobei auch eine Variante für 3 Spieler möglich ist. Zu Beginn wird das Startplättchen in der Tischmitte platziert. Die übrigen Plättchen werden als 2 gleich große Nachziehstapel ebenso wie das Vulkan-/Strudelplättchen bereitgelegt. Zuletzt werden noch je eine Land- und eine Meer-Scheibe auf das Startfeld der Punkteleiste gelegt und die Spieler ziehen abwechselnd jeweils 2 Plättchen von den Nachziehstapeln. Nun kann die Partie starten. Beginnend mit dem Spieler des Teams Land legen die Spieler abwechselnd ein Plättchen aus ihrer Hand passend an die bereits liegenden Plättchen an und ziehen dann wieder auf 2 Plättchen in ihrer Hand auf. Immer wenn auf diese Weise ein Land- oder Meer-Gebiet abgeschlossen wird, wird dieses sofort gewertet. Hierbei zählt jedes Plättchen des Gebietes einen Punkt, die Bonuspunkte in einem Gebiet erhält man allerdings nur, wenn man dieses als gegnerischer Spieler abschließt. Die Partie endet, wenn das letzte Plättchen gelegt wurde. Es gewinnt, wer die meisten Punkte hat.

Land & Meer hat uns schon während der B-Rex-Days sehr gut gefallen und daran hat sich jetzt nichts geändert. Die Grundregeln dieses Legespiels sind einfach und leicht verständlich, trotz allem ist es ein Spiel, das sehr viel Nachdenken und Vorausplanung erfordert, die allerdings durch das Glücksmoment, dass man nie weiß, welche Plättchen man auf die Hand bekommt, ständig angepasst werden muss. Was auch sehr schön ist, ist die Tatsache, dass bei Land & Meer der Spielausgang eigentlich bis zuletzt offen ist, weil auch jemand, der eigentlich weit hinten liegt, durch wenige, geschickt gelegte Plättchen noch massig Punkte holen kann. Dadurch, durch zusätzliche Wertungsoptionen und die Tatsache, dass man die Plättchen immer wieder neu kombinieren kann, ist hier ein hoher Wiederspielwert bei gleichbleibend hohem Spielspaß gegeben.

Titel: Land & Meer
Autor: Jon-Paul Jacques
Verlag: Good Games Publishing / Kobold Spieleverlag

Zockende Zauberer

Das Bietspiel Zockende Zauberer des LuPri Verlages stammt zwar schon aus dem Jahr 2018, aber da es für bis zu 8 Spieler geeignet ist, ist es uns auf der SPIEL `22 trotzdem ins Auge gestochen und wir wollen es uns heute mal etwas näher anschauen. Geliefert wird der Titel des Autors Lutz Stepponat in einer kompakten, rechteckigen Box mit zur Zauberthematik passender Covergestaltung. In der Box finden wir 32 Plättchen, 32 Marker, 45 Karten und das Regelfaltblatt, womit auch schon das gesamte Spielmaterial aufgezählt wäre.

Zauberbücher und magische Artefakte sind das, wonach jeder Zauberer giert. Doch gibt es diese nur selten irgendwo zu kaufen und so muss man manchmal magische Bietrituale anwenden, um sie sich gegenseitig abzuluchsen.

Zur Spielvorbereitung werden zunächst an jeden Spieler 2 Kleinode mit einer Perle und eines mit einem Imp, sowie 3 Phiolen verteilt. Die übrigen Kleinode, Phiolen und Zauberbuchmarker kommen als allgemeiner Vorrat in die Tischmitte. Nun werden noch die Zauberkarten gemischt, an jeden Spieler 2 als Handkarten verteilt und die übrigen als verdeckter Nachziehstapel ebenfalls in die Tischmitte gelegt, so dass die Partie starten kann. Beginnend mit dem Startspieler legen die Spieler reihum eines ihrer Kleinode verdeckt vor sich ab. Ab sofort können sie nun auch Zauberkarten von ihrer Hand ausspielen. Ist der Startspieler wieder an der Reihe, kann er ein weiteres Kleinod hinzufügen und der nächste Spieler ist am Zug oder bieten. Entscheidet sich ein Spieler für das Bieten, sagt er an, wie viele Kleinode eines Typs er auf dem Tisch vermutet. Der nächste Spieler kann dieses Gebot nun erhöhen und dabei auch den Typ der Kleinode ändern, oder passen. Haben reihum alle Spieler gepasst, muss der Höchstbietende nun sein Gebot bestätigen. Dafür deckt er nacheinander beliebige Kleinode auf. Erreicht er so die angesagt Zahl, erhält er ein Zauberbuch. Deckt er ein falsches Kleinod auf, hat er verloren und muss eine seiner Phiolen abgeben. Verliert ein Spieler alle seine Phiolen scheidet er sofort aus. Es gewinnt, wer als Erster 2 Zauberbücher hat.

Zockende Zauberer ist ein schön gemachtes, kleines Bietspiel, das seine volle Wirkung vor allem in einer großen Spielerunde entfaltet. Denn je mehr Mitspieler vorhanden sind, desto höher gehen auch die Gebote, aber auch das Risiko danebenzuliegen steigt. Die Regeln des Spiels sind einfach und leicht verständlich geschrieben, so dass sie keine Tücken bieten. Ebenso sind auch die Effekte der Zauberkarten selbsterklärend. Wer Bietspiele liebt, wird hier seine Freude haben, aber auch sonst bieten die Zockenden Zauberer jede Menge Spielspaß.

Titel: Zockende Zauberer
Autor: Lutz Stepponat
Verlag: LuPri