Juli 2021

Frantic – Supercharge

Wie schon einmal erwähnt, gehört das Kartenspiel Frantic mittlerweile zum Standardprogramm bei unseren Spielerunden. Von daher war die Freude natürlich groß, dass der schweizer Spieleverlag Gamefactory, der in Deutschland von Carletto vertrieben wird, auf der Spielwarenmesse in Nürnberg 2020 eine neue Erweiterung angekündigt hatte. Frantic – Supercharge stammt wiederum von dem Autorenvierergespann Fabian Engeler, Pascal Frick, Stefan Weisskopf und Pierre Lippuner und kommt diesmal in einer kleinen gelben Box daher, in der sich neben dem Regelfaltblatt insgesamt 48 neue Karten befinden.

Um Frantic – Supercharge nutzen zu können, ist natürlich ein Grundspiel nötig, in dessen Kartendeck die neuen Spiel- und Ereigniskarten hineingemischt werden müssen. Die Powerkarten werden dagegen getrennt gemischt und jeder Spieler erhält 2 von ihnen verdeckt. Eine Partie an sich läuft dann wie aus dem Grundspiel bekannt ab. Ein Spieler kann lediglich in seinem Zug zusätzlich auch noch eine seiner Powerkarten aktivieren.

Mit den Powerkarten kommt ein komplett neues Spielelement in Frantic hinein, das mit seinen Karteneffekten einer Partie wieder eine vollkommen neue Wendung geben kann. Es bieten sich somit also noch mehr Möglichkeiten, seinen Mitspielern das Leben schwer zu machen und sich selbst Vorteile zu verschaffen. Zudem bringen auch die neuen Ereigniskarten wieder diverse „Nettigkeiten“. Erfreulich ist desweiteren, dass Supercharge flexibel auch noch mit der Troublemaker Erweiterung kombiniert werden kann.

Titel: Frantic – Supercharge
Autoren: Fabian Engeler, Pascal Frick, Stefan Weisskopf, Pierre Lippuner
Verlag: Gamefactory

Micro Macro – Crime City

Eher zufällig sind wir damals während des Pressetages von Pegasus über das Spiel Micro Macro – Crime City des Autors Johannes sich gestolpert, das von Edition Spielwiese herausgegeben wurde und sich im Pegasus-Vertriebsprogramm findet. Es kommt in einer flachen, rechteckigen, kompakten Box daher, die die sympathischen Illustrationen zieren, welche sich auch auf dem Wimmelbild, das den Spielplan bildet, wiederfinden. Daneben gehören noch 120 Karten, 16 Umschläge und eine Lupe zum Spielmaterial.

Crime City ist alles andere als der beschauliche Ort, als der es auf den ersten Blick erscheint. Hier lauert hinter jeder Ecke das Verbrechen und nur eine ganze Gruppe von Detektiven, die all ihren Spürsinn und ihre Kombinationsgabe zusammennehmen, wird all diese Verbrechen aufklären können.

Vor der ersten Partie Crime City müssen zunächst die Fall-Karten der 16 Kriminalfälle auf die 16 Umschläge verteilt, ohne dabei natürlich bereits die Auflösung auf der Rückseite anzuschauen, und die Lupe mit dem zugehörigen Sticker beklebt werden. Danach wird der Spielplan auf einem ausreichend großen und vor allem gut ausgeleuchteten Tisch platziert, der Umschlag mit dem ersten Fall bereitgelegt und ein Spieler zum Kommissar bestimmt. Dieser liest dann die Rückseite der ersten Karte vor, die einen kurzen Überblick über den aktuellen Fall gibt, bevor sich das Team der Frage, die auf der schwarzen Oberseite der nächsten Karte steht, widmen kann. Die Lösung ist dabei immer eine bestimmte Szene auf dem Spielplan, die es zu finden gilt. Meint das Team einstimmig, die richtige Lösung gefunden zu haben, dreht der Kommissar die Karte um, und überprüft die Lösung. Liegt das Team richtig, geht es mit der nächsten Karte entsprechend weiter, liegt es falsch, muss weiter ermittelt werden. Sobald alle Aufgaben eines Falles auf diese Weise gelöst wurden, ist dieser abgeschlossen und es kann der nächste Fall durchermittelt werden.

Micro Macro – Crime City nutzt auf sehr gelungene Weise das klassische Wimmelbild als Spielmaterial und wird seinem Anspruch als kooperatives Spiel vollauf gerecht. Bei den wirklich großen Dimensionen des Spielplans kommt man nämlich umso besser der Lösung eines Falls näher, je mehr Augen an der Suche teilnehmen. Der Schwierigkeitsgrad der Fälle steigt dabei kontinuierlich an, so dass keine Langweile aufkommt, sondern eher der Ehrgeiz geweckt wird, den nächsten Fall doch auch noch zu lösen. Die Anleitung gibt zwar ein Maximum von 4 Spielern an, doch lässt sich Micro Macro problemlos auch in größeren Gruppen spielen, was es auch zu einem idealen Spiel für Partys macht, das zudem das Potential hat, selbst Leute, die sonst mit Brettspielen nichts am Hut haben, zu fesseln. Von daher mag es kaum verwundern, daß Micro Macro nun zum Spiel des Jahres 2021 gewählt wurde. Der einzige Wermutstropfen ist, dass nach 16 Fällen schon Schluss ist, doch haben Edition Spielwiese und Pegasus hier bereits Nachschub in Form einer neuen Edition angekündigt, die im Laufe des August in den Handel kommen soll.

Titel: Micro Macro
Autor: Johannes Sich
Verlag: Edition Spielwiese / Pegasus

Columbus Egg

Ganz neu auf dem Markt ist das Multilevel-Logikspiel Columbus Egg des Autorenduos Timo Jokitalo und Vesa Timonen, das von Hutter vertrieben wird. In einer recht großen, länglichen Umverpackung, deren Cover eine zur Thematik passende Columbus-Grafik ziert, finden wir das Spielmaterial, das aus der Spielbox mit abnehmbarem Deckel, 20 Aufgabenkarten, 16 Eiern und dem Anleitungs- und Lösungsheft besteht.

Mit dem so genannten „Ei des Kolumbus“ beschreibt man umgangssprachlich gerne eine verblüffend einfache Lösung für ein scheinbar schwierig zu lösendes Problem. Und so ist auch hier die Lösung oft recht einfach, wenn man denn nur die Hinweise richtig zu deuten vermag.

Um Columbus Egg zu spielen, muss man zunächst die farbigen Eier bereitlegen und dann eine der Aufgabenkarten in die Spielbox stecken. Die Karte gibt vor, wie viele Eier welcher Farbe in einer Reihe bzw. Spalte sein sollen. Der Rest ist dann eigentlich nur noch Knobeln und am Ende der Abgleich der eigenen Lösung mit der im Lösungsheft. So kann man sich nacheinander durch insgesamt 40 Rätsel mit stetig steigendem Schwierigkeitsgrad durcharbeiten.

Columbus Egg ist ein klassisches Logikspiel mit recht einfachen Regeln, das in erster Linie als Solospiel konzipiert ist. Die Logikrätsel, die es zu lösen gilt, sind auf den ersten Stufen noch extrem simpel, werden dann aber von Stufe zu Stufe schwerer. Somit haben hier wirklich alle Altersstufen Rätselnüsse, die sie knacken können. Die große Verpackung ist eigentlich nur der Tatsache geschuldet, dass die Eier an Gussrähmchen geliefert werden. Hat man sie einmal aus diesen herausgelöst, passen sie – wie auch das komplette übrige Spielmaterial – in die Spielbox, die so kompakt ist, dass man sie auch in die Jackentasche stecken könnte. Columbus Egg ist damit ideal als schnelles Spiel für Zwischendurch oder auch auf Reisen mit der Bahn oder im Flieger.

Titel: Columbus Egg
Autoren: Timo Jokitalo, Vesa Timonen
Verlag: Hutter

Spiel des Jahres 2021 – Die Gewinner

Seit dem gestrigen Montag, den 19. Juli stehen nun auch die Gewinner der Spielepreise Spiel des Jahres und Kennerspiel des Jahres fest. Zum Spiel des Jahres 2021 hat die Fachjury Micro Marco: Crime City des Autors Johannes Sich gewählt, das bei Edition Spielwiese erschienen ist und sich im Vertriebsprogramm von Pegasus findet.

© Foto Pegasus

© Foto Thomas Ecke / Spiel des Jahres

Als Kennerspiel des Jahres 2021 wurde dagegen Paleo von Peter Rustemeyer gekürt. Es ist bei Hans im Glück erschienen und wird von Asmodee vertrieben.

© Foto Asmodee

© Foto Thomas Ecke / Spiel des Jahres

Die Preisverleihung fand am gestrigen Montag in Berlin statt, wobei sie corona-bedingt dieses Jahr wieder nur in kleinem Rahmen abgehalten werden konnte.

© Foto Thomas Ecke / Spiel des Jahres

Tuppfehler

Unter den Herbstneuheiten des Jahrgangs 2020 des Moses Verlages sind wir über des kreative Wortspiel Tuppfehler des Autors Martin Ebel gestolpert. Es kommt in einer kompakten kleinen Box daher, die als Schuberverpackung ausgeführt ist, wodurch das Spielmaterial wirklich bombensicher verpackt ist. Dieses umfasst 110 Kärtchen, einen Block und das Regelfaltblatt.

Wer kennt es nicht? Man schreibt schnell einen Text am Computer und der Tippfehlerteufel schlägt zu. Dies ist mehr als ärgerlich. Kommt es dagegen zu einem Tuppfehler, kann man hier ordentlich Punkte scheffeln, indem man einen Buchstaben verändert und ein neues gültiges Wort bildet.

Vor dem Spielstart werden zunächst die 10 Zahlenplättchen, die Tuppfehlerplättchen und der Block bereitgelegt. Der Startspieler dreht die oberste Karte des Tuppfehlerstapels um, welches das Wort vorgibt, um das in dieser Runde gespielt wird. Ist er der Meinung, durch Veränderung eines Buchstabens (Austauschen, Hinzufügen oder Weglassen) ein neues, gültiges Wort bilden zu können, nimmt er das niedrigste, ausliegende Zahlenplättchen. Reihum entscheiden nun alle Spieler ebenso, was so lange fortgeführt wird, bis alle Spieler gepasst haben. Beginnend mit dem Spieler, der die „1“ vor sich liegen hat, sagen die Spieler nun reihum ihre Lösungen, wobei kein Wort doppelt vorkommen darf. Ist es ein gültiges Wort, gewinnt der Spieler das Zahlenplättchen, andernfalls verliert er es. Am Ende der Runde rechnen die Spieler die Werte ihrer gewonnenen Zahlenplättchen zusammen und notieren die Gesamtwerte. Nachdem so viele Runden gespielt wurden, wie Spieler teilnehmen, werden die Wertungen der einzelnen Runden addiert. Der Spieler mit dem höchsten Ergebnis gewinnt.

Das Spielprinzip von Tuppfehler ist wirklich extrem einfach, aber deswegen trotz allem nicht simpel. Auf den ersten Blick erscheint es ja keine große Sache zu sein, durch Veränderung eines Buchstabens ein neues Wort zu bilden, doch wenn man dann noch im Auge haben muss, dass man ja potentiell immer mehr Worte im Kopf haben sollte, als Mitspieler am Tisch sitzen, wenn man sein Zahlenplättchen auch wirklich gewinnen will, wird das bisweilen ganz schön knifflig. Von daher bietet Tuppfehler jede Menge Spielspaß und kann durchaus auch Leute, die mit diesem Spieletyp sonst nichts anfangen können, begeistern.

Titel: Tuppfehler
Autor: Martin Ebel
Verlag: Moses

SPIEL `21 – Vorbericht

Nachdem die SPIEL letztes Jahr ja corona-bedingt nur digital stattfinden konnte, laufen momentan die Vorbereitungen für die SPIEL `21 als Präsenzmesse auf Hochtouren. Wie die Geschäftsführerin des veranstaltenden Friedhelm Merz Verlages, Dominique Metzler, in der aktuellen Pressemitteilung zur SPIEL `21 ausgeführt hat, haben sich mehr als 500 Aussteller aus mehr als 41 Nationen für die Messe angemeldet. Und das obwohl der Anmeldeschluss noch mitten im Lockdown lag, als also noch niemand wissen konnte, ob die SPIEL `21 überhaupt wie geplant vom 14. – 17. Oktober stattfinden kann.

Aufgrund der Coronaschutzregeln des Landes NRW hat der Merz Verlag für die SPIEL `21 ein Hygienekonzept erarbeitet, das deutlich verbreiterte Gänge in den Hallen vorsieht. Alle Aussteller und auch Besucher können zudem das Messegelände nur betreten, wenn sie getestet, geimpft oder genesen sind. Und natürlich gelten in den Hallen die mittlerweile ja nun wohl allseits bekannten und akzeptierten Hygiene- und Abstandsregeln, sowie die Pflicht zum Tragen eines medizinischen Mund-Nasen-Schutzes.

Flankiert wird die Präsenzmesse in den Essener Gruga-Hallen von der Messeplattform SPIEL.digital, die letztes Jahr fast 150.000 Besucher verzeichnen konnte.

Der Vorverkauf der personalisierten Eintrittskarten für die SPIEL `21 startet im August und wird ausschließlich online unter

https://www.spiel-messe.com

erfolgen.

Adventures Games – Die Vulkaninsel

Nach dem erfolgreichen Start der kooperativen Event-Spiel Reihe Adventure Games hatte der Kosmos Verlag zur SPIEL 19 nachgelegt und den nächsten Titel der Serie in Form von „Die Vulkaninsel“ herausgebracht. Auch dieses Abenteuer, das diesmal bereits schon ab 12 Jahren spielbar ist, stammt wiederaus der Feder der Autoren Phil Walker-Harding und Matthew Dunstan, welche hier mit Chihiro Mori einen dritten Mann ins Team geholt haben. Das Spielmaterial, das aus 260 Karten, 38 Plättchen, 4 Spielfiguren und dem Abenteuerbuch besteht, ist in der bekannten kompakten Box untergebracht, die eine zur Story passende Covergestaltung aufweist.

Eigentlich wollten die 4 Studenten Ayane, Catayana, Jerome und Sato nur einen gemütlichen Ausflug zur Vulkaninsel machen. Doch bald geraten sie in einen Strudel von Ereignissen und müssen herausfinden, welche Geheimnisse die mysteriöse Vulkaninsel birgt. Ein Unterfangen, das nicht ohne Risiken ist. Und so wird sich erst noch zeigen, ob dieser Ausflug zu einem guten Ende kommt.

Für eine Partie „Die Vulkaninsel“ werden die Orts- und Abenteuerkarten gemäß den Angaben im Regelheft auf dem Tisch platziert und jeder Spieler erhält seine Spielerfigur nebst zugehöriger Charakterkarte. In seinem Spielzug durchläuft ein Spieler mehrere Abenteuer-Phasen. So muss er seine Spielfigur entweder innerhalb der Ortskarte, auf der sie sich befindet, oder auf eine andere Ortskarte bewegen. Ist diese noch nicht aufgedeckt, wird sie nun aufgedeckt und der entsprechende Eintrag im Abenteuerbuch vorgelesen. Danach muss er eine Aktion ausführen. Er kann dabei entweder einen Ort untersuchen oder 2 Abenteuerkarten miteinander kombinieren oder eine Abenteuerkarte mit einem Ort kombinieren, wobei das Abenteuerbuch für die so kreierten Zahlenkombinationen Einträge und ggf. Anweisungen liefert. Desweiteren kann der aktive Spieler jederzeit in seinem Zug Abenteuerkarten mit seinen Mitspielern tauschen. Danach folgt im Uhrzeigersinn der nächste Spieler. Nachdem so alle 4 Kapitel des Abenteuers durchgespielt sind, erfolgt eine Wertung.

Mit „Die Vulkaninsel“ hat die Adventure Games Reihe von Kosmos eine gelungene und spannende Erweiterung erhalten. Bei einer Gesamtspieldauer von über 5 h für alle 4 Kapitel bietet sie lang anhaltenden Spielspaß und kann praktischerweise jederzeit auch unterbrochen werden, indem man den aktuellen Spielstand dokumentiert. Wie schon bei den anderen Abenteuern der Reihe bleibt das Problem, dass sie nur für 4 Spieler ausgelegt sind und daher von größeren Gruppen nur spielbar sind, wenn man in Teams miteinander versucht, die Rätsel zu lösen.

Titel: Adventure Games – Die Vulkaninsel
Autor: Phil Walker-Harding, Matthew Dunstan, Chihiro Mori
Verlag: Kosmos

Inspektor Nase

Unter den 2021er Frühjahrsneuheiten des Nürnberger Spielkarten-Verlages findet sich auch das kooperative Familien-Rätselspiel Inspektor Nase des Autors Reinhard Staupe, das von Oliver Freudenreich illustriert wurde. Er hat denn auch den namensgebenden Inspektor witzig auf das Cover der kleinen rechteckigen Box gezaubert, in der das Spiel daherkommt. In ihr finden wir dank eines Einlegers sicher verstaut 60 Karten, 8 Würfel und das Regelblatt.

Jedes Ermittlerteam ist nur zusammen stark. Und so gilt es, gemeinsam die verschiedenen Hinweise, die Inspektor Nase zu dem Verbrechen gibt, das aufgeklärt werden muss, auszuwerten und mit ihnen den Fall am Ende zu lösen.

Zur Spielvorbereitung wird die Hinweiskarte in die Tischmitte gelegt und neben ihr 5 zufällig gezogene Bildkarten platziert. Der Spieler, der die Rolle des Inspektor Nase übernimmt, zieht nun aus den 5 Zahlenkarten verdeckt eine und schaut sie sich an. Die Zahl gibt für ihn vor, nach welchem der ausliegenden Gegenstände gesucht wird. Anschließend nimmt der Inspektor Nase-Spieler zufällig 5 der Würfel, würfelt mit ihnen und sucht sich einen aus, dessen Symbol seiner Meinung nach am besten auf die gesuchte Karte hinweist. Die übrigen Spieler beraten dann, welche Karte gemeint sein könnte und entscheiden, welche der anderen Karten sie aus der Auswahl entfernen wollen. Haben sie richtig aussortiert, würfelt der Inspektor Nase-Spieler erneut und gibt den nächsten Hinweis, was so lange wiederholt wird, bis nur noch die gesuchte Karte übrig bleibt und die Runde regulär endet. Sortiert die Gruppe versehentlich die gesuchte Karte aus, endet die Runde sofort. Nach 5 Runden, in denen immer ein anderer Spieler die Rolle des Inspektor Nase übernimmt, werden die aussortierten Karten gezählt und anhand des Regelheftes ermittelt, wie gut das Ermittlerteam war.

Inspektor Nase ist in erster Linie als Familienspiel konzipiert, das dazu dienen soll, Kinder – aber nicht nur diese – an das Geben und vor allem auch Deuten von Hinweisen und somit daran, auch einmal um die Ecke herum zu denken, heranzuführen. Diesem Anspruch wird es vollauf gerecht und es macht wirklich Spaß, gemeinschaftlich auszuknobeln, was der Inspektor Nase-Spieler einem denn nun für einen Hinweis geben will.

Titel: Inspektor Nase
Autor: Reinhard Staupe
Verlag: Nürnberger Spielkarten-Verlag

Dominion – Hinterland

Als damals 5. Erweiterung von Dominion erschien 2011 Hinterland erstmals. Nachdem sich Rio Grande dann aber von seinem damaligen Deutschland Partner Hans im Glück trennte, war diese Edition lange nur noch antiquarisch zu bekommen. Daher war es nur logisch, dass Rio Grande und sein deutscher Vertriebspartner ASS sich einer Neuauflage annahmen, die 2019 auf den Markt kam und 300 Karten umfasst.

Wichtigste Neuerung in Hinterland sind die neuen kombinierten Königreichkarten. Diese Karten sind hier erstmals sowohl klassische Geld- bzw. Punktekarten, als auch Reaktionskarten. Werden sie als letztere genutzt, gelten dabei die Anweisungen unterhalb der Trennlinie auf der Karte.  Desweiteren haben diverse Geldkarten zusätzliche Anweisungen, die es zu berücksichtigen gilt, wenn man sie einsetzt.

Eine weitere Neuerung betrifft die Kaufphase. Hier müssen Geldkarten nun einzeln und vor dem ersten Kauf gespielt werden, um sie nutzen zu können. Sofern keine Karten anderes erlauben, können nach dem ersten Kauf dann keine weiteren Geldkarten mehr ausgespielt werden.

Last but not least wird die neue Regel eingeführt, dass, sollten durch Karteneffekte ausgelöst mehrere Dinge gleichzeitig passieren, der jeweilige Spieler entscheidet, in welcher Reihenfolge die Ereignisse abgehandelt werden. Betreffen diese mehrere Spieler, werden sie in Spielreihenfolge, beginnend mit dem aktiven Spieler durchgeführt.

Die Neuerungen, die Hinterland einführt, sind überschaubar und wie auch die neuen Regeln wenig spektakulär. Von daher bringt diese Edition eigentlich in erster Linie nur weitere Möglichkeiten des Deck Buildings aber wenig bis gar nichts an neuen Strategievarianten für das eigentliche Spiel.

Titel: Dominion – Hinterland
Autor: Donald X. Vaccarino
Verlag: Rio Grande Games

Forgotten Waters

Forgotten Waters ist ein Titel aus der Crossroad Games-Reihe von Plaid Hat Games, die in Deutschland von Asmodee vertrieben werden. Bei dieser Spielereihe haben die Entscheidungen der Spieler direkte Auswirkungen auf den Spielverlauf. Die kreativen Köpfe hinter Forgotten Waters sind die Autoren Isaac Vega, J. Arthur Ellis und Mr. Bistro, während das Artwork von Anton Fadeev und Nadezhda Tikhomirova geschaffen wurde. Ganz zur Piratenthematik passend präsentiert sich denn auch die voluminöse, rechteckige Box, deren Gewicht schon auf ein recht umfangreiches Spielmaterial schließen lässt. Dieses umfasst nämlich 7 Würfel, 1 Spielplan, 5 Tableaus, über 200 Karten, über 100 Plättchen, 11 Marker, 8 Aufsteller mit Standfüßen, 2 Blöcke, das Ortsbuch und die Anleitung.

Landratten, seid ihr bereit auf dem Schiff des verrückten Piratencaptains anzuheuern? Als ranghöchste Crewmitglieder brecht ihr zusammen auf, um die Weltmeere zu bereisen, unbekannte Inseln zu entdecken, Schiffe zu überfallen, eure erbeuteten Schätze zu vergraben und dem Captain zu helfen, Aufträge zu erfüllen. Euch erwarten dabei jede Menge Abenteuer und nur das Schicksal wird am Ende entscheiden, wie die Reise für euch ausgeht.

Zur Vorbereitung einer Partie Forgotten Waters muss sich die Spielerunde zunächst auf eines der möglichen Abenteuer, die in der App zur Verfügung stehen, einigen. Die Schaltfläche Szenarioaufbau in der App gibt dann den genauen Aufbau und die Verteilung der Spielmaterialien vor. Anschließend wählt jeder Spieler seine Spielerfigur und erhält den entsprechenden Aufsteller, Würfel, Schatztruhenkarte und Rufmaker, sowie einen Spielerbogen, den er ausfüllt. Danach werden noch die Positionen auf dem Schiff verteilt und die Spieler erhalten die zugehörigen Spielmaterialien. Eine Runde Forgotten Waters gliedert sich grob in die Planungs- und die Aktionsphase. In der Planungsphase entscheiden alle Spieler in der Reihenfolge ihres Rufes, welche Aktion sie durchführen wollen, wobei hier ein Zeitlimit, das die App vorgibt, zu beachten ist. In der anschließenden Aktionsphase werden die einzelnen Aktionen nacheinander abgehandelt. Hier geben die Anweisungen im Ortsbuch vor, was zu tun ist und welche Auswirkungen dies haben kann. Sind so alle Aktionen abgehandelt, sind noch die Anweisungen zum Rundenende im Ortsbuch zu beachten, bevor die nächste Runde starten kann. Auf diese Weise arbeitet man sich gemeinsam langsam durch das gewählte Szenario durch. Hierbei kann man am Ende jedes Teils eines Szenarios den Spielstand auf dem Logbuchbogen abspeichern und die Partie zu einem späteren Zeitpunkt fortsetzen. Sollte im Laufe eines Szenarios das Schiff kentern, eine Meuterei ausbrechen oder das letzte Bedrohungsereignis erreicht werden, hat man die Partie verloren.

Forgotten Waters ist eines der Spiele, das wir hier schon länger auf dem Tisch liegen hatten, aber wegen der Einschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie nicht testen konnten, weil wir es gleich in der großen Redaktionsrunde spielen wollten. Nachdem die Kontaktbeschränkungen ja nun endlich gelockert wurden und auch schon die ersten Redaktionsmitglieder komplett geimpft sind, haben wir diesen Test nun endlich nachgeholt. Um es vorweg zu nehmen, wir waren bei der Spielvorbereitung zunächst etwas skeptisch, weil der Spielaufbau recht zeitraubend ist. Doch Forgotten Waters hat uns alle extrem positiv überrascht. Das Spiel bietet zwar keine ausgeklügelten Spieltechniken, ist es doch letztlich ein reines Würfelspiel mit entsprechendem Glückfaktor, aber die ganze Konzeption, bei der nach und nach ein Piratenabenteuer gemeinsam durchlebt wird, in dem sich auch die einzelnen Charaktere und ihre Fähigkeiten wie in einem Rollenspiel weiterentwickeln, ist extrem gut gemacht und sorgt für jede Menge Spielspaß, der auch nach Stunden nicht weniger wird. Zudem ist das Spiel auch nicht völlig kooperativ, muss man doch hin und wieder auch mal knallhart seine eigenen Interessen durchsetzen. Allerdings muss man auch bereit sein, sich als Gruppe auf dieses Spielkonzept einzulassen und einen Sinn für schwarzen Humor haben. Einen kleinen Kritikpunkt bildet die App, die leider nur im Onlinemodus funktioniert. Aber hier wird bereits über ein PDF als Ergänzung für die App nachgedacht.

Titel: Forgotten Waters
Autoren: Isaac Vega, J. Arthur Ellis, Mr. Bistro
Verlag: Plaid Hat Games / Asmodee