April 2021

Kitara

Eigentlich hätte das Area-Control-Spiel Kitara des Autors Eric B. Vogel schon letztes Jahr erscheinen sollen. Durch die Corona-Pandemie hat sich der Verkaufsstart der deutschen Version auf 2021 verschoben. Herausgeber ist der französische Iello Verlag, wobei den Deutschlandvertrieb wie gewohnt Hutter übernimmt. Kitara kommt mit einer sehr stimmungsvoll gestalteten, quadratischen Box daher, für deren Illustrationen Miguel Coimbra verantwortlich zeichnet. Das Spielmaterial besteht aus 2 Spielplänen, 80 Spielsteinen, 72 Karten, 40 Markern, 4 Tafeln und dem Regelheft. Dies alles ist in einem passenden Tiefziehteil sauber sortiert und sicher untergebracht.

Das Kitara-Imperium ist schon vor vielen Jahrhunderten untergegangen und nur noch Ruinen erinnern an seine einstige Macht und Größe. An seine Stelle sind zahlreiche kleine Königreiche getreten, die alle davon träumen, das Reich Kitara wieder zu vereinen. Doch am Ende kann nur einer der neue Herrscher Kitaras werden.

Je nach Anzahl der teilnehmenden Spieler wird der zugehörige Spielplan in der Tischmitte platziert. Jeder Spieler erhält alle Spielsteine, die Königreichtafel in seiner Spielerfarbe und eine Start-Königreichkarte. Sobald sich die Gruppe entschieden hat, mit welchem Königreichkarten-Deck sie spielen will, werden dessen Karten nach Zeitaltern getrennt gemischt und in aufsteigender Reihenfolge als verdeckter Nachziehstapel über dem Spielplan abgelegt. Die obersten 6 Karten werden offen daneben platziert. Beginnend mit dem Startspieler setzt dann jeder Spieler 3 Kriegerfiguren auf ein freies Startfeld seiner Wahl und legt seinen Wohlstandspunktanzeiger auf den Wert 0 der Anzeige auf dem Spielplan. Sobald auch noch der Beutel mit den Heldenmarkern bereitgelegt ist, kann es losgehen. In jeder Runde durchläuft der aktive Spieler jeweils 5 Phasen. In Phase 1 – Nehmen – nimmt er sich eine der offen ausliegenden Königreichkarten, wobei die Anzahl der Kartensymbole in seiner eigenen Königreichauslage vorgibt, aus wie vielen der ausliegenden Karten – von links gezählt – er auswählen darf. Die verbliebenen Karten der Auslage werden dann nach links geschoben und rechts durch die oberste Karte vom Nachziehstapel ergänzt. Rekrutieren bildet die Phase 2. Hier stellt der Spieler die Anzahl an neuen Spielfiguren, die seine gewählte und in seiner eigenen Königreichauslage ganz rechts platzierte Karte vorgibt, auf ein bereits von ihm besetztes Feld auf dem Spielplan. In Phase 3 – Bewegung – führt er mit seinen Figuren so viele Bewegungen durch, wie seine Königreichauslage vorgibt. Bewegt er sich dabei in ein Feld mit fremden Figuren, was nur erlaubt ist, wenn er dieses mit mehr Figuren, als dort stehen, betritt, kommt es zum Angriff und der Gegner muss seine Figuren in das nächstgelegene, eigene Feld zurückziehen. Erfolgt der Angriff mit einem Helden, erhält der Angreifer einen Heldenmarker, den er blind aus dem Beutel zieht. Zieht er in seiner Runde so mehrere Heldenmarker muss er am Ende von Phase 3 einen davon auswählen und verdeckt auf seine Königreichtafel legen. Die übrigen gehen zurück in den Beutel. In der anschließenden Wertungsphase erhält der Spieler für jedes Ruinenfeld, auf dem ein eigenes Herrschertier steht, und für Wohlstandssymbole auf den Königreichkarten Wohlstandspunkte und bewegt seinen Anzeiger auf der Skala nach vorne. Phase 5 – Verwalten – bildet den Abschluss der Runde des aktiven Spielers. Hier muss überprüft werden, ob der Spieler so viele Savannenfelder besetzt hält, wie er Königreichkarten hat. Ist dies nicht der Fall, muss er Königreichkarten abwerfen. Sobald ein Spieler eine Königreichkarte des 5. Zeitalters aufdeckt, startet die Endphase. Die aktuelle Runde wird zunächst fertig gespielt. Danach folgt noch eine Runde und dann die Endwertung, in der nun auch die Werte der Heldenmarker zum Wohlstand dazuaddiert werden. Der Spieler, der am Ende den höchsten Wohlstandswert hat, gewinnt.

Die lange Wartezeit auf Kitara hat sich mehr als gelohnt. Wir haben hier ein wirklich gut gemachtes, schnelles Strategiespiel mit dem Area-Control-Spielprinzip. Die Regeln sind einfach und leicht verständlich und durch die Bewegung und damit verbundene Kämpfe ist stets Interaktion zwischen dem aktiven Spieler und seinen Mitspielern vorhanden. Zudem ist der Spielaufbau extrem variabel, da jeder die Zusammenstellung seiner Königreichauslage nach seinen Wünschen gestalten kann, wobei natürlich die Kartenauswahl durch das, was einem die Mitspieler übrig lassen, limitiert ist. Was zudem gefällt, ist das schön gestaltete Spielmaterial mit hölzernen Spielfiguren. Einziger Wermutstropfen ist die Tatsache, dass Kitara nur mit maximal 4 Spielern spielbar ist.

Titel: Kitara
Autor: Eric B. Vogel
Verlag: Iello / Hutter

Fiesta de los Muertos

Bei der Pressevorstellung der Spieleneuheiten von Game Factory ist uns das Partyspiel Fiesta de los Muertos des Autors Antonin Boccara besonders ins Auge gestochen. Ursprünglich bei Blackrock Games erschienen und 2020 in Cannes mit dem As d`Or – dem wichtigsten Spielepreis Frankreichs ausgezeichnet – hat Game Factory nun die deutsche Version herausgebracht. Ganz dem Thema entsprechend zeigt sich dabei schon die Covergrafik der quadratischen Box. In ihr finden wir insgesamt 16 Tafeln, 150 Karten, 8 abwischbare Stifte, 16 Knochenmarker und das Regelheft.

Der 2. November ist der Tag der Toten in Mexiko. Hier kommen die Toten zurück und feiern mit den Lebenden ein ausgelassenes Fest, die Fiesta de los Muertos. Doch nur die Toten, an die sich die Lebenden noch erinnern, finden dabei den Weg zurück aus dem Jenseits…

Maximal 8 Spieler können an einer Partie Fiesta de los Muertos teilnehmen. Sie erhalten vor Spielstart jeder eine Totenkopftafel, eine Antworttafel und einen abwischbaren Stift. Danach werden die Personenkarten gemischt und an jeden Spieler 2 verdeckt ausgeteilt. Von diesen wählen die Spieler eine aus, schreiben den Namen geheim in den aufgeklappten Totenkopf, klappen diesen wieder zu und legen die Karte verdeckt vor sich ab. Jeder Spieler überlegt sich nun ein Wort, das die Person am besten charakterisieren könnte, schreibt dieses geheim in den Kiefer des Totenkopfes und malt einen der 4 Zähne aus. Danach geben die Spieler ihre Totenkopftafel verdeckt an ihren linken Nachbarn weiter. Dieser liest sich das Wort im Kiefer durch, wischt es weg und ersetzt es geheim durch ein anderes Wort, das eine Assoziation zum weggewischten sein sollte. Es wird wiederum ein Zahn ausgemalt und die Totenkopftafel verdeckt an den linken Nachbarn weitergereicht. Dies geschieht, bis alle 4 Zähne ausgemalt sind. Alle Spieler legen nun ihre Totenkopftafeln und Personenkarten verdeckt in die Tischmitte. Die Tafeln werden gemischt und offen ausgelegt, wobei über ihnen Zahlenkarten in aufsteigender Reihenfolge platziert werden. Zu den Personenkarten werden vom Personenkartenstapel verdeckt noch so viele dazugezogen, bis insgesamt 8 vorhanden sind. Diese werden ebenfalls gemischt und offen unterhalb der Totenkopftafeln ausgelegt. Nun raten die Spieler, welcher der Namen zu den Totenköpfen passen könnte und tragen dies auf ihren Antworttafeln ein. Sind damit alle fertig, erfolgt die Auswertung. Die Totenköpfe werden aufgeklappt und für jeden Totenkopf ermittelt, wie viele Spieler den Namen richtig erraten haben. Für jede richtige Antwort wird eines der Antwortkästchen auf dem Totenkopf abgestrichen. Sind alle Antwortkästchen rechts vom Startkästchen durchgestrichen, ist die Person besänftigt. Bleiben Kästchen frei, ist es eine ruhelose Person, die beim Spiel mit 5 oder mehr Spielern aber noch durch einen Gedächtnisknochen besänftigt werden kann. Ziel ist es, gemeinsam möglichst alle Personen zu besänftigen.

Fiesta de los Muertos ist ein Partyspiel par excellence, bei dem der Spaßfaktor extrem hoch ist. Denn sobald die Totenkopftafel weitergereicht wird, beginnt beim neuen Besitzer das Rätselraten, wen der vorherige Besitzer mit dem aufgeschriebenen Begriff denn nun meinen könnte und welchen anderen Begriff man stattdessen auf die Tafel schreiben kann. Bedingt durch die Corona-Einschränkungen konnten wir das Spiel leider nur zu viert testen, wodurch man am Ende wieder seine eigene Tafel zurückbekommt. Den wirklich vollen Spielspaß entfaltet Fiesta de los Muertos aber erst mit mehr Spielern, wenn die Tafeln nicht die komplette Runde um den Tisch zurück zum Erstbesitzer machen.

Titel: Fiesta de los Muertos
Autor: Antonin Boccara
Verlag: Game Factory

11:59

Wie es der Titel schon verrät, ist es in 11:59 nicht fünf vor 12 sondern nur noch eine Minute, bevor das Inferno losbricht. Wir haben Defcon 1 und zwei Generäle stehen sich gegenüber, bereit die Welt in den Krieg zu stürzen.

11:59 ist ein Spiel von Chris Rossetti, das 2019 bei Rampage Games LLC erschienen ist. Jeder Spieler erhält zu Beginn zwei Würfel, zwei VIPs, zwei Bunker und eine Nuklear-Rakete. In der Mitte des Spielfeldes werden die Diplomatie-Marker platziert.

Die Spieler würfeln gleichzeitig ihre Würfel und führen gleichzeitig ihre Aktion aus.
Bei einer 7 darf sich der Spieler einen Diplomatie-Marker nehmen oder einen seiner Diplomatie-Marker entfernen, um einen Bunker zu erhalten. Bei einem Pasch darf der Spieler seine Rakete startbereit machen, eine Rakete abfeuern, die bereit ist, oder einen Diplomatie-Marker des Gegners entfernen. Gewonnen hat der Spieler, dem es gelingt, als erstes 5 Diplomatie-Marker zu bekommen, oder mit der Rakete zuerst alle Bunker und danach die VIPs des Gegners zu eliminieren. Der Sieger einer Runde erhält einen Punkt. Wer zuerst sieben Punkte erreicht, gewinnt das Spiel. In der Defcon-Edition kommt noch der Fallout-Token dazu. Würfelt man einen 1er-Pasch, darf man sich den Fallout-Token aus der Mitte des Spielfeldes nehmen, oder den Fallout-Token vom Gegner zurück in die Mitte des Spielfeldes legen. Dieser bringt seinem Besitzer am Ende des Spiels einen zusätzlichen Punkt, egal ob man Gewinner oder Verlierer der Runde ist, oder kann von ihm bei einem 1er-Pasch wahlweise als zwei 7er oder zwei Pasch eingesetzt werden und kommt danach wieder in die Mitte vom Spielfeld.

11:59 ist ein einfaches Spiel für unterwegs und zählt zu den Mint Tin Spielen, da es von der Größe her in eine Dose für Pfefferminz Drops passt. Die Regeln sind dementsprechend so kurz, dass sie auf einer einzelnen Karte Platz finden und sind auch schnell erklärt. Da das Spiel auf Würfeln basiert, hat es einen hohen Glücksfaktor, so dass erfahrene Spieler gegenüber Anfängern nicht wirklich im Vorteil sind.

Titel: 11:59
Autor: Chris Rossetti
Verlag: Rampage Games LLC

Kyoto

Im Vertrieb von Pegasus finden sich auch die Spiele des noch jungen Hamburger Verlages Deep Print Games. Dieser hat Ende 2020 das Klimaspiel Kyoto des Autorenduos Sabine Harrer und Johannes Krenner herausgebracht. Zum Thema passend ist denn auch das Cover der recht kompakten, quadratischen Box gestaltet, in der das umweltgerecht plastikfreie Spielmaterial sehr platzsparend untergebracht ist. Dieses besteht aus einem Spielplan, 52 Karten, 23 Markern, 63 Geldscheinen, 6 zusammensteckbaren Haltern, einem ebenfalls zusammensteckbaren Pult, sowie dem Regelheft.

Es ist 5 vor 12 auf der Weltklimakonferenz! Die Studien, die den Teilnehmern vorliegen, sind mehr als besorgniserregend und nur wenn alle zusammenarbeiten, lässt sich die globale Klimakatastrophe noch abwenden. Doch werden alle Länder bereit sein, auf einen Teil ihres Wohlstandes zu verzichten? Und wie werden die Lobbyverbände im Hintergrund die einzelnen Nationen beeinflussen?

Zur Spielvorbereitung wird zunächst der Spielplan in die Tischmitte gelegt und gemäß Anleitung mit Tier-, Thermometer- und Wolken-Markern bestückt. Jeder Spieler wählt sich die Flagge des Landes, das er spielen möchte, steckt sie in den Halter und stellt diesen vor sich auf. Danach wird das Geld bis auf 3 Scheine, die den Umweltfonds bilden, unter den Spielern aufgeteilt, die Wohlstandskarten gemischt und an jeden Spieler die in den Regeln angegebene Anzahl ausgeteilt. Auch die Agendakarten werden gemischt. Von ihnen erhält jeder Spieler 3, von denen er 2 als seine geheimen Ziele auswählt. Zuletzt werden noch die Studienkarten gemischt und neben der Zentralkarte platziert und ein Vorsitzender ausgewählt, der die Vorsitzkarte und das Rednerpult erhält. Kyoto besteht aus 12 Verhandlungsrunden mit jeweils 4 Phasen. In der Vergütungsphase nimmt der Vorsitzende 2 Millionen aus dem Umweltfonds und alle Spieler, die noch Wohlstandskarten unter ihrem Flaggenhalter liegen haben, nehmen diese zurück auf die Hand. Danach folgt in Phase 2 die Studienverlesung. Hier zieht der Vorsitzende 2 Karten vom Studienstapel, liest sie sich durch, wählt eine aus und steckt diese so ins Rednerpult, dass die verborgenen Schäden für seine Mitspieler nicht sichtbar sind. Diese Karte gibt für die aktuelle Runde ein Klima- und ein Finanzierungsziel vor, sowie die Schäden, die entstehen, wenn es verfehlt wird. In der Aushandlungsphase kann jeder Spieler bis zu 2 Wohlstandskarten von seiner Hand, sowie beliebig viel Geld aus seiner Staatskasse beisteuern, um die Ziele der aktuellen Studie zu erreichen. Er kann auch Geld aus seiner Staatskasse nutzen, um andere Spieler zu bestechen, ausgespielte Wohlstandskarten zurückzunehmen oder noch zusätzliche auszuspielen. Dies alles muss innerhalb von 90 Sekunden geschehen. In der 4. Phase folgt dann die Auswertung. Sind die Ziele der aktuellen Studie erreicht, entscheidet der Vorsitzende, welche der ausliegenden Wohlstandskarten und Geldscheine er zur Erfüllung der Ziele verwendet. Überschüssige Karten und Geldscheine gehen an die betreffenden Spieler zurück. Sind die Ziele nicht erreicht, nehmen alle Spieler ihre Karten und Geldscheine zurück und der Vorsitzende führt alle angegebenen Schadensaktionen der Agendakarte durch. Dann geht der Vorsitz an seinen linken Nachbarn und die nächste Runde beginnt. Die Partie endet sofort, wenn eine Art von Umweltschaden ihren kritischen Wert erreicht hat oder nach 12 Verhandlungsrunden. In beiden Fällen erfolgt eine Endwertung, wobei im ersten Fall das Land mit den meisten Punkten verliert, im zweiten Fall dagegen gewinnt.

Dass die Bekämpfung des Klimawandels früher oder später auch als Brettspiel thematisiert wird, war klar, so drängend wie dieses Problem ist. Deep Print Games ist es mit Kyoto gelungen, diese Thematik mehr als gekonnt in ein wirklich kurzweiliges, gut spielbares, kleines Brettspiel zu verpacken, das uns extrem viel Spaß bereitet hat. Wie im wirklichen politischen Leben auch sind gerade die Verhandlungsrunden, um die Agendaziele zu erreichen, ein zähes Hin und Her, weil jeder letztlich doch seine eigenen Interessen nicht gänzlich aufgeben will. Und so bleibt es immer spannend, ob nach Ende der 90 Sekunden wirklich genug Geld und Wohlstandskarten zusammengekommen sind, um die Ziele zu erfüllen.

Titel: Kyoto
Autoren: Sabine Harrer, Johannes Krenner
Verlag: Deep Print Games / Pegasus