Mittwochsspecial

Avignon

Unter den Spielen von Frosted Games, die von Pegasus vertrieben werden, findet sich auch das Micro-Game Avignon, das für 2 Spieler ausgelegt ist. Autor des Spieles, das in einer überaus kompakten Box Platz findet, ist John du Bois. Bei den Abmessungen der Box ist es dann auch kaum verwunderlich, dass das Spielmaterial recht überschaubar bleibt. So besteht es gerade einmal aus 25 Karten und der Anleitung, wobei auch noch eine Minierweiterung zum Lieferumfang gehört.

Im Jahr 1378 kämpfen 2 Päpste um den Anspruch, die Christenheit zu führen. Der eine sitzt dabei in Rom auf dem Stuhl Petri, während der andere in Avignon seinen Palast hat. Und so entwickelt sich zwischen beiden ein Zweikampf um Macht und Einfluss, um sich am Ende als der einzig legitime Papst den Thron zu sichern.

Zur Spielvorbereitung werden zunächst die 5 Landkarten gemäß Regel ausgelegt und die 12 Personenkarten gemischt. 5 von ihnen werden anschließend offen unter der Genua-Karte ausgelegt, während die übrigen den verdeckten Nachziehstapel bilden. Ist ein Spieler am Zug, kann er 2 von 4 möglichen Aktionen wählen. Dies kann das Anflehen sein, bei dem er eine der offen ausliegenden Personenkarten um eine Landkarte zu sich heranzieht. Eine andere Aktion ist das Züchtigen. Hier schiebt er eine Personenkarte um eine Landkarte von sich weg. Beim Exkommunizieren tauscht er eine Personenkarte der Auslage gegen eine vom Nachziehstapel. Und bei der Bittschrift nutzt er schließlich die Bittschrift-Fähigkeit einer Personenkarte. Die Partie endet, sobald ein Spieler 3 Personenkarten in seine Kirchengemeinde gezogen hat oder er die Siegbedingungen einer Personenkarte erfüllt.

Frosted Games nennt diese Reihe nicht umsonst Micro-Game Reihe. Wie die anderen Vertreter ist auch Avignon ein mehr als kompaktes, kleines Spiel, das mit erfreulich knappen und leicht verständlichen Regeln sowie wenig Spielmaterial auskommt. Getreu dem Motto „klein aber oho“ ist es aber alles andere als simpel. Hier muss man sich wirklich jeden Spielzug genau überlegen und dabei im Auge behalten, welche Karten der Gegner und auch man selbst schon in seiner Kirchengemeinde hat und welche Personen bereits exkommuniziert wurden. Wer Spaß an schnellen Taktikspielen hat, wird hier voll auf seine Kosten kommen. Ein weiterer Pluspunkt ist zudem die Tatsache, dass auch gleich noch 6 Karten der Mini-Erweiterung „Ablass“ mitgeliefert werden, die zusätzliche Abwechslung in den Spielablauf bringen.

Titel: Avignon
Autor: John du Bois
Verlag: Frosted Games / Pegasus

B-Rex Days 2021

Wir hatten uns ja mittlerweile irgendwie schon daran gewöhnt, dass Spieleverlage ihre Neuheiten nur noch virtuell in Online-Events vorstellen. Umso erfreuter waren wir daher, als wir vor einiger Zeit eine Einladung zu den B-Rex Days 2021 erhielten, die als Real-Event auf der Bischofsburg Liebenau in Schkopau stattfinden sollten. Deshalb haben wir auch sofort unsere Teilnahme zugesagt und ein Hotel in Merseburg, der nächst größeren Stadt neben Schkopau, gebucht. Nachdem sich die Coronazahlen ja seit August wieder steil nach oben bewegten, hatten wir zwar zunächst noch Bedenken, ob uns die Pandemie im letzten Moment nicht doch noch einen Strich durch die Rechnung machen könnte, doch war diese Sorge unbegründet. Und so konnten wir dann ab Freitag, 3. September für gut 2 Tage in der mittelalterlichen Bischofsburg, die den beeindruckenden Rahmen für das Event bot, die Neuheiten von Corax Games, Kobold, Giant Roc, Grimspire, Fun Bot und Mirakulus unter die Lupe nehmen und nach Herzenslust mit Kollegen und guten Freunden, die wir teils auch schon seit über einem Jahr nicht mehr gesehen hatten, unter fachkundiger Erläuterung von Erklärern testen.

Alle Neuheiten hier aufzuzählen, würde den Rahmen sprengen, denn zusammen genommen kommen wir, Erweiterungen bekannter Spiele mit eingerechnet, auf über 60! Von daher wollen wir uns hier auf die Neuheiten für 5 und mehr Spieler beschränken, die ja auch im Hauptfokus unseres Blogs liegen. Wobei wir sicherlich auch den einen oder anderen interessanten Titel für 4 oder weniger Spieler hier in der Zukunft noch vorstellen werden, den wir in diesen beiden Tagen ausprobiert haben.

Von Corax Games darf man sich auf das rundenbasierte Stichspiel Shamans freuen, das Deduktions-Elemente bietet und auch optisch eine echte Augenweide ist. Eher als Partyspiel ist dagegen Revelations ausgelegt, bei dem es darum geht, seine Mitspieler richtig einzuschätzen.

Unsere Stadt soll schöner werden, ist das Thema des Kartenspiels Village Green von Kobold, das auf den ersten Blick simpel erscheint, aber dann doch recht knifflig daherkommt. Ein wirklich toll gemachtes Drafting- und Tableauspiel ist Eine Wundervolle Welt vom selben Verlag, bei dem es gilt, eine geschickte Strategie zur Optimierung der eigenen Ressourcenproduktion zu entwickeln.

Das Strategiespiel Venedig von Giant Roc hatten wir hier ja schon vor einiger Zeit vorgestellt, ansonsten gab es nur Neuheiten für 4 und weniger Spieler, von denen einige aber auch mehr als interessant waren.

Neu im Programm von Grimspire ist das Roll`n Write Paper Dungeons, das wir unlängst schon getestet haben und demnächst hier im Blog noch ausführlich vorstellen werden. Ebenfalls bei Grimspire erscheint das semikooperative Spiel Deranged, bei dem jeder Spieler ein geheimes eigenes Spielziel hat.

Unter den Neuheiten von Mirakulus finden wir das Deduktionsspiel Grimms Maskerade, das einen in die Märchenwelt der Gebrüder Grimm entführt, während sich in König aller Barden bis zu 6 Sänger einen Wettstreit in den Kneipen der Stadt liefern.

Bei Fun Bot schließlich geht es im Geschicklichkeitsspiel Crash Octopus darum, möglichst schnell, möglichst viel Fracht auf das eigene Schiff zu bringen, während im Partyspiel Muse: Das Erwachen Spieler ihrem Team Hinweise geben müssen, hinter welcher Karte sich ihr Meisterwerk verbirgt.

Doch war hier noch lange nicht Schluss. In einem weiteren Raum der Schlossanlage warteten Prototypen zukünftiger Spiele darauf, ausprobiert zu werden. Logischerweise können wir an dieser Stelle nicht mehr verraten, aber hier werden in den nächsten Jahren definitiv noch einige sehr interessante Spiele auf uns zukommen.

Von daher war unser Ausflug nach Schkopau mehr als gelungen und es sei an dieser Stelle den Veranstaltern noch einmal recht herzlich für dieses tolle Event gedankt. Wir freuen uns jedenfalls schon auf ein Wiedersehen im Jahr 2022!

Stop the Train!

Über das Deduction Game Stop the Train! des Autors Brendan Mills, das bei Escape Plan Games erschienen ist, sind wir eher zufällig gestolpert. Da das Setting ganz vielversprechend klang, haben wir uns dann ein Exemplar beim Spielehändler unseres Vertrauens bestellt. Die große, quadratische Box macht jedenfalls schon einmal einen guten Eindruck. In Ihr finden wir das Spielmaterial, das zwar nicht wirklich umfangreich ist, aber aufgrund der Größe einiger Teile in keine kleinere Box gepasst hätte. Es umfasst 16 Schienenstücke, 2 Figuren, 2 Tokens, 139 Karten, 2 Fahrkarten, 1 Kartenablage und das Regelheft auf englisch.

Ein Saboteur hat sich mit einer Bombe an Bord des 19:05h-Zuges nach Paris geschlichen. Wird es Dir und Deinen Mitreisenden gelingen, ihn zu enttarnen und aus dem Zug zu werfen, bevor dieser in Paris ankommt und die Bombe explodiert?

Zur Spielvorbereitung müssen zunächst die Schienenstücke zusammengesteckt und die Kartenablage bereitgelegt werden. Danach werden die Charakter-, Effekt- und Interventionskarten gemischt und verdeckt ebenfalls bereitgelegt. Jeder Spieler erhält nun verdeckt eine Charakterkarte und eine Charakter-Referenz-Karte, 3 Stimm-Karten, sowie verdeckt 3 Interventions-Karten, von denen er sich 2 auswählt. Sobald nun noch die Eisenbahnfigur auf das Startfeld gestellt wurde, kann es losgehen. Der aktive Spieler zieht in seiner Runde 3 Effektkarten vom Nachziehstapel. Eine davon legt er ab und reicht die verbliebenen 2 an seinen linken Nachbarn weiter. Dieser wählt eine davon aus, die er offen auf die Kartenablage legt. Sobald die Anweisungen der Karte wie z.B. die Steigerung der Zuggeschwindigkeit abgehandelt sind, beginnt die nächste Runde. Das Spiel endet, wenn entweder keine Effektkarten mehr im Nachziehstapel sind oder der Zug in den Pariser Bahnhof kracht. Die Siegbedingungen der einzelnen Spielercharaktere geben dabei ihre jeweiligen Charakterkarten vor.

Fangen wir mal mit den positiven Seiten von Stop the Train! an. Die Spielregeln sind wirklich einfach und leicht verständlich und die Spielidee an sich ist gut mit ziemlich viel Potential. Leider schöpft das Spiel dieses aber nicht aus. Wir haben selten ein so wirklich spannungsfreies Spiel erlebt, das wir einfach nur runtergespielt haben, wie Stop the Train!. Auch beim Spielmaterial an sich, gab es deutliche Kritikpunkte. Eigentlich ist es ja schön gestaltet, aber zumindest bei unserem Exemplar waren die Schienenteile dermaßen verdruckt, dass da keine Freude beim Anblick aufkommen wollte. Von daher müssen wir hier zum ersten Mal in den fast 5 Jahren, den wir diesen Blog betreiben, von einem Spiel sagen: „Einmal und nie wieder!“

Titel: Stop the Train!
Autor: Brendan Mills
Verlag: Escape Plan Board Games

Coup

Erstmals erschien Coup 2013 im Vertrieb des Heidelberger Spieleverlages, um dann in das Vertriebsprogramm von Asmodee zu wechseln. Mittlerweile hat nun Indie Boards & Cards den Vertrieb dieses kleinen Kartenspiels, das in der Welt der Die Widerstand-Reihe des Autors Don Eskridge angesiedelt ist, selbst übernommen. 18 Spielkarten, 6 Übersichtskarten, 50 Münzmarker und die Anleitung bilden das gesamte Spielmaterial, das in einer kleinen, stabilen Box untergebracht ist.

Multinationale Großkonzerne regieren die Welt der Zukunft. Während die breite Masse in Armut lebt, bilden die Führer dieser Unternehmen die neue Oberschicht. Doch es regt sich Widerstand. Mit Hilfe skrupelloser Mitstreiter aus der Untergrundbewegung versuchst Du, Dich selbst an die Spitze der Macht zu katapultieren und Deine Gegner ins Exil zu drängen.

Zu Spielbeginn wird entschieden, ob mit den Botschafter- oder Inquistor-Karten gespielt wird. Die nicht benutzten Karten werden aus dem Spiel genommen, die übrigen gemischt und an jeden der maximal 6 Spieler 2 als Handkarten ausgeteilt. Die verbliebenen Karten bilden den verdeckten, so genannten Hofstaat-Stapel. Zudem erhält jeder Spieler 2 Münzen. Ist ein Spieler an der Reihe, entscheidet er sich für eine Aktion, die er durchführen will. Er kann dabei die Fähigkeit einer Charakterkarte nutzen, wobei er diese nicht wirklich auf der Hand haben muss. Fechtet ein Mitspieler eine solche Charakteraktion an und der betreffende Spieler hat die Charakterkarte nicht auf der Hand, verliert er eine seiner Handkarten. Hat ein Spieler zu Rundenbeginn 10 oder mehr Münzen muss er einen Coup starten, d.h. er gibt 7 Münzen ab und ein Mitspieler verliert eine Handkarte. Sobald nur noch ein Spieler übrig ist, endet das Spiel.

Coup hat uns ehrlich gesagt etwas ratlos hinterlassen. Die Spielidee, mit Bluff und Intrigen seine Gegner zu täuschen, um so die Macht an sich zu reißen, klang interessant. Das Spielmaterial ist schön gestaltet und mit nicht mal 10,– ist das Spiel zudem sehr günstig. So richtig Spielspaß hat sich aber nie eingestellt. Zu schnell ist klar, wer am Ende die Partie gewinnt, so dass es nicht recht Sinn macht, weiterzuspielen.

Titel: Coup
Autor: Rikki Tahta
Verlag: Indie Boards & Cards

Afternova

Ein nicht weit entferntes Sonnensytem wurde von einer Supernova ausgelöscht. Die Überreste der Planeten des Systems sind instabil und gefährlich, aber in ihnen gibt es immer noch wertvolle Ressourcen. Wer diese bergen will, muss ein geeignetes Team aus den „Hired Paws“ zusammenstellen, um den Job zu erledigen.

Afternova ist ein Spiel für 3 – 6 Spieler von Andrew Nerger und Jeffrey Chin und erschien 2010 bei Road to Infamy Games. Die Spieler versuchen hier möglichst schnell, genügend Ressourcen abzubauen und mit diesen 6 Baupläne zu vollenden.
Zu Beginn des Spiels erhalten die Spieler ein Raumschiff, Baupläne und Crewkarten.
Die Raumschiffe unterscheiden sich während des Spiels nicht, jedoch geben sie in der Wertung am Ende unterschiedliche Bonuspunkte.

Jeder Spieler hat für seinen Zug 2 Optionen: Er kann entweder die Ressourcen von einem Planeten abbauen, wenn sein Team die nötigen Voraussetzungen erfüllt, oder auf dem Markt neue Baupläne oder Crewkarten ziehen.

Auf jedem Planeten sind die Anforderungen an die Fähigkeiten der Crew angegeben, die erfüllt werden müssen, um die Fragmente zu bergen. Crewkarten, die hierfür zum Einsatz kommen, werden abgelegt. Kann ein Spieler mit den Karten auf seiner Hand die Anforderungen für einen Planeten nicht alleine erfüllen, kann er sich mit einem anderen Spieler zusammenschließen und danach die Beute teilen. Mit den Fragmenten, die von einem Planeten geborgen werden, können die Spieler ihre Baupläne vollenden, die zum einen Punkte bringen und zum anderen das Raumschiff verbessern. Hat ein Spieler 6 Baupläne vollendet, wird die Runde zu Ende gespielt und der Spieler mit den meisten Punkten gewinnt das Spiel.

Afternova hat eine kurze Spieldauer, wenn die Spieler zusammenarbeiten und die „Hired Paws“ haben mir durch die Namen und das Artwork viel Spaß gemacht. Die Raumschiffe bringen durch ihre unterschiedlichen Boni bei der Punktewertung Abwechslung ins Spiel und geben den Spielern eine ungefähre Richtung für ihr Spiel vor.

Titel: Afternova
Autoren: Andrew Nerger, Jeffrey Chin
Verlag: Road to Infamy Games

Railroad Ink Challenge

Vor einiger Zeit hatten wir hier ja bereits das Roll`n Write Railroad Ink der beiden Autoren Hjalmar Hach und Lorenzo Silva vorgestellt, das bei Horrible Guild erschienen ist und in der deutschen Version von HeidelBär Games vertrieben wird. Mittlerweile ist nun in Form von Railroad Ink Challenge der nächste Vertreter dieser Reihe erschienen, den es in den Editionen Sonnengelb und Blattgrün gibt, welche man wie gehabt auch miteinander kombinieren kann, um das Spiel mit maximal 8 statt nur 4 Personen spielen zu können. An der Verpackung hat sich praktisch nichts geändert, besteht sie doch wieder aus kompakten, quadratischen Klappdeckelboxen mit Magnetverschluss. In diesen verbergen sich jeweils 4 Tafeln, 4 Stifte, 4 Streckenwürfel, 4 Editionswürfel, 12 Aufgabenkarten sowie das Regelheft.

Wieder einmal sind die Verkehrsplaner in Aktion, um ein funktionierendes Eisenbahn- und Straßennetz aufzubauen. Und auch diesmal müssen sie klug entscheiden, wie sie das Streckennetz anlegen und wo Bahnhöfe gebaut werden sollen. Zudem gilt es nun auch noch, andere Gebäude an das Netz anzuschließen, um Boni zu ergattern.

An den Spielvorbereitungen für eine Partie Railroad Ink Challenge ändert sich gegenüber Railroad Ink kaum etwas. So erhalten auch hier alle Mitspieler eine Tafel und einen Stift und die 4 Streckenwürfel müssen bereitgelegt werden. Zusätzlich werden nun lediglich auch noch 3 zufällig gezogene Aufgabenkarten in die Tischmitte gelegt, die den Spielern Zusatzpunkte liefern, wenn sie die Siegbedingungen auf ihnen erfüllen. Ansonsten spielt sich auch Railroad Ink Challenge wie gehabt über 7 Runden, in denen ein Spieler jeweils die Streckenwürfel würfelt und alle Spieler dann versuchen, die 4 gewürfelten Streckenstücke auf ihren Tafeln passend einzuzeichnen. Nach dem Ende der 7. Runde erfolgt eine Wertung. Der Spieler mit den meisten Punkten gewinnt.

Railroad Ink Challenge ist eine gelungene Weiterentwicklung von Railroad Ink, bei der es nun zu einer direkten Interaktion zwischen den Spielern kommt. Durch die Aufgabenkarten wird es nämlich wichtig, genau zu beobachten, was die Konkurrenz macht. Denn nur der jeweils erste Spieler, der die Siegbedingungen einer Aufgabenkarte erfüllt, erhält den vollen Bonus. Spieler, die die Aufgabe in einer späteren Runde der Partie erfüllen, dagegen nur noch einen reduzierten. Von daher ist diese neue Version des Klassikers sowohl für Neueinsteiger als auch für Kenner der alten Editionen mehr als empfehlenswert.

Titel: Railroad Ink Challenge
Autoren: Hjalmar Hach, Lorenzo Silva
Verlag: Horrible Guild / HeidelBär Games

Dominion – Renaissance

Im August 2018 kündigte Rio Grande damals die Erweiterung Renaissance an, die dann ein Jahr später im Vertrieb von ASS auch auf dem deutschen Markt herauskam. Sie beinhaltet nicht nur 300 neue Karten, sondern auch noch 35 Marker, 6 Tableaus und 12 Holzsteine.

Als komplett neues Spielmaterial in Renaissance fallen einem natürlich sofort die Spielertableaus, die Marker aus Metall, die sowohl als Taler als auch als Dorfbewohner genutzt werden, und die Holzspielsteine ins Auge. Wobei manch einer hier wohl ein Déjà-vu hat, denn Tableaus und Münzen kennen wir auch schon aus der Gilden Erweiterung. Ähnlich wie dort können die Taler als Geldersatz bei Kaufaktionen genutzt werden, während man sich mit diesen Markern, wenn sie Dorfbewohner darstellen, zusätzliche Aktionen in seinem Spielzug kaufen kann.

2 neue Kartentypen bietet diese Edition natürlich auch wieder einmal und zwar die Projekte und die Artefakte. Kauft sich ein Spieler ein Projekt, was er dadurch anzeigt, dass er einen seiner Holzmarker auf der Karte platziert, sichert er sich für das Spiel die speziellen Fähigkeiten dieser Karte. Wobei beliebig viele Spieler gleichzeitig die Fähigkeiten eines Projektes nutzen können.

Artefakte hingegen sind Fähigkeiten, die Spieler nur so lange haben, wie sie die Anforderungen auf der Karte erfüllen, was diese Karte zu einer Art „Wanderpokal“ während des Spieles macht, da sie des Öfteren ihren Besitzer wechseln können.

Wie auch schon in Seaside und Abenteurer bringt Renaissance nicht zuletzt dann auch noch in Form von Frachtschiff und Forscherin 2 neue Dauerkarten, deren Anweisungen erst in späteren Zügen umgesetzt und die daher in der Aufräumphase nicht grundsätzlich abgelegt werden.

Gerade die Taler bzw. Dorfbewohner bringen eine neue Dynamik ins Spiel, da durch sie oftmals die gerade noch dringend nötige Zusatz-Aktion oder ein Kauf möglich werden. Genauso können die Artefakte und auch die Projekte dem Spielverlauf eine vollkommen neue Richtung geben, so dass Renaissance neben den üblichen neuen Deck Building Optionen wirklich wieder für neue Spielelemente in einer Partie Dominion sorgt.

Titel: Dominion – Renaissance
Autor: Donald X. Vaccarino
Verlag: Rio Grande Games

Frantic – Supercharge

Wie schon einmal erwähnt, gehört das Kartenspiel Frantic mittlerweile zum Standardprogramm bei unseren Spielerunden. Von daher war die Freude natürlich groß, dass der schweizer Spieleverlag Gamefactory, der in Deutschland von Carletto vertrieben wird, auf der Spielwarenmesse in Nürnberg 2020 eine neue Erweiterung angekündigt hatte. Frantic – Supercharge stammt wiederum von dem Autorenvierergespann Fabian Engeler, Pascal Frick, Stefan Weisskopf und Pierre Lippuner und kommt diesmal in einer kleinen gelben Box daher, in der sich neben dem Regelfaltblatt insgesamt 48 neue Karten befinden.

Um Frantic – Supercharge nutzen zu können, ist natürlich ein Grundspiel nötig, in dessen Kartendeck die neuen Spiel- und Ereigniskarten hineingemischt werden müssen. Die Powerkarten werden dagegen getrennt gemischt und jeder Spieler erhält 2 von ihnen verdeckt. Eine Partie an sich läuft dann wie aus dem Grundspiel bekannt ab. Ein Spieler kann lediglich in seinem Zug zusätzlich auch noch eine seiner Powerkarten aktivieren.

Mit den Powerkarten kommt ein komplett neues Spielelement in Frantic hinein, das mit seinen Karteneffekten einer Partie wieder eine vollkommen neue Wendung geben kann. Es bieten sich somit also noch mehr Möglichkeiten, seinen Mitspielern das Leben schwer zu machen und sich selbst Vorteile zu verschaffen. Zudem bringen auch die neuen Ereigniskarten wieder diverse „Nettigkeiten“. Erfreulich ist desweiteren, dass Supercharge flexibel auch noch mit der Troublemaker Erweiterung kombiniert werden kann.

Titel: Frantic – Supercharge
Autoren: Fabian Engeler, Pascal Frick, Stefan Weisskopf, Pierre Lippuner
Verlag: Gamefactory

Columbus Egg

Ganz neu auf dem Markt ist das Multilevel-Logikspiel Columbus Egg des Autorenduos Timo Jokitalo und Vesa Timonen, das von Hutter vertrieben wird. In einer recht großen, länglichen Umverpackung, deren Cover eine zur Thematik passende Columbus-Grafik ziert, finden wir das Spielmaterial, das aus der Spielbox mit abnehmbarem Deckel, 20 Aufgabenkarten, 16 Eiern und dem Anleitungs- und Lösungsheft besteht.

Mit dem so genannten „Ei des Kolumbus“ beschreibt man umgangssprachlich gerne eine verblüffend einfache Lösung für ein scheinbar schwierig zu lösendes Problem. Und so ist auch hier die Lösung oft recht einfach, wenn man denn nur die Hinweise richtig zu deuten vermag.

Um Columbus Egg zu spielen, muss man zunächst die farbigen Eier bereitlegen und dann eine der Aufgabenkarten in die Spielbox stecken. Die Karte gibt vor, wie viele Eier welcher Farbe in einer Reihe bzw. Spalte sein sollen. Der Rest ist dann eigentlich nur noch Knobeln und am Ende der Abgleich der eigenen Lösung mit der im Lösungsheft. So kann man sich nacheinander durch insgesamt 40 Rätsel mit stetig steigendem Schwierigkeitsgrad durcharbeiten.

Columbus Egg ist ein klassisches Logikspiel mit recht einfachen Regeln, das in erster Linie als Solospiel konzipiert ist. Die Logikrätsel, die es zu lösen gilt, sind auf den ersten Stufen noch extrem simpel, werden dann aber von Stufe zu Stufe schwerer. Somit haben hier wirklich alle Altersstufen Rätselnüsse, die sie knacken können. Die große Verpackung ist eigentlich nur der Tatsache geschuldet, dass die Eier an Gussrähmchen geliefert werden. Hat man sie einmal aus diesen herausgelöst, passen sie – wie auch das komplette übrige Spielmaterial – in die Spielbox, die so kompakt ist, dass man sie auch in die Jackentasche stecken könnte. Columbus Egg ist damit ideal als schnelles Spiel für Zwischendurch oder auch auf Reisen mit der Bahn oder im Flieger.

Titel: Columbus Egg
Autoren: Timo Jokitalo, Vesa Timonen
Verlag: Hutter

Adventures Games – Die Vulkaninsel

Nach dem erfolgreichen Start der kooperativen Event-Spiel Reihe Adventure Games hatte der Kosmos Verlag zur SPIEL 19 nachgelegt und den nächsten Titel der Serie in Form von „Die Vulkaninsel“ herausgebracht. Auch dieses Abenteuer, das diesmal bereits schon ab 12 Jahren spielbar ist, stammt wiederaus der Feder der Autoren Phil Walker-Harding und Matthew Dunstan, welche hier mit Chihiro Mori einen dritten Mann ins Team geholt haben. Das Spielmaterial, das aus 260 Karten, 38 Plättchen, 4 Spielfiguren und dem Abenteuerbuch besteht, ist in der bekannten kompakten Box untergebracht, die eine zur Story passende Covergestaltung aufweist.

Eigentlich wollten die 4 Studenten Ayane, Catayana, Jerome und Sato nur einen gemütlichen Ausflug zur Vulkaninsel machen. Doch bald geraten sie in einen Strudel von Ereignissen und müssen herausfinden, welche Geheimnisse die mysteriöse Vulkaninsel birgt. Ein Unterfangen, das nicht ohne Risiken ist. Und so wird sich erst noch zeigen, ob dieser Ausflug zu einem guten Ende kommt.

Für eine Partie „Die Vulkaninsel“ werden die Orts- und Abenteuerkarten gemäß den Angaben im Regelheft auf dem Tisch platziert und jeder Spieler erhält seine Spielerfigur nebst zugehöriger Charakterkarte. In seinem Spielzug durchläuft ein Spieler mehrere Abenteuer-Phasen. So muss er seine Spielfigur entweder innerhalb der Ortskarte, auf der sie sich befindet, oder auf eine andere Ortskarte bewegen. Ist diese noch nicht aufgedeckt, wird sie nun aufgedeckt und der entsprechende Eintrag im Abenteuerbuch vorgelesen. Danach muss er eine Aktion ausführen. Er kann dabei entweder einen Ort untersuchen oder 2 Abenteuerkarten miteinander kombinieren oder eine Abenteuerkarte mit einem Ort kombinieren, wobei das Abenteuerbuch für die so kreierten Zahlenkombinationen Einträge und ggf. Anweisungen liefert. Desweiteren kann der aktive Spieler jederzeit in seinem Zug Abenteuerkarten mit seinen Mitspielern tauschen. Danach folgt im Uhrzeigersinn der nächste Spieler. Nachdem so alle 4 Kapitel des Abenteuers durchgespielt sind, erfolgt eine Wertung.

Mit „Die Vulkaninsel“ hat die Adventure Games Reihe von Kosmos eine gelungene und spannende Erweiterung erhalten. Bei einer Gesamtspieldauer von über 5 h für alle 4 Kapitel bietet sie lang anhaltenden Spielspaß und kann praktischerweise jederzeit auch unterbrochen werden, indem man den aktuellen Spielstand dokumentiert. Wie schon bei den anderen Abenteuern der Reihe bleibt das Problem, dass sie nur für 4 Spieler ausgelegt sind und daher von größeren Gruppen nur spielbar sind, wenn man in Teams miteinander versucht, die Rätsel zu lösen.

Titel: Adventure Games – Die Vulkaninsel
Autor: Phil Walker-Harding, Matthew Dunstan, Chihiro Mori
Verlag: Kosmos