Mittwochsspecial

Click! The Great Wall

In knapp einer Woche startet die SPIEL `22 in Essen und rechtzeitig vor Messestart ist bereits eine der Neuheiten von Jolly Dutch bei uns auf den Redaktionstisch geflattert. Es handelt sich dabei um das Kartenspiel Click! The Great Wall von Vicky Trouerbach, das in einer sympathisch gestalteten, kompakten Pocketbox daherkommt. In dieser finden sich 110 Karten und die Regelfaltblätter in englischer und holländischer Sprache.

Die Große Mauer in China ist eines der touristischen Highlights des Reichs der Mitte, das wohl schon zigtausende Urlauber fotografisch verewigt haben. Doch versuchen sich Hobbyfotografen hier bei der Suche nach DEM perfekten Motiv immer wieder aufs Neue. Wird es Dir gelingen, das beste Foto zu schießen?

Zur Spielvorbereitung müssen zunächst die Mauer-, Rikscha-, Kompositions- und Action-Karten getrennt werden. Mauer-, Kompositions- und Action-Karten werden dann getrennt gemischt und verdeckt bereitgelegt. Von den Kompositions-Karten erhält jeder Spieler 2 auf die Hand, 3 weitere werden offen neben den verdeckten Kompositions-Kartenstapel in die Tischmitte gelegt. Von den Action-Karten erhalten die Spieler jeweils 3 auf die Hand, die restlichen werden als verdeckter Nachziehstapel ebenfalls in die Tischmitte gelegt. Zuletzt werden von den Mauerkarten noch 4 als Start-Mauerstück offen ausgelegt, dann die Rickscha-Karten zu den übrigen Mauer-Karten gemischt, der Stapel verdeckt auch in die Tischmitte gelegt und die obersten 3 Karten als offene Auslage daneben platziert. Nun kann die Partie starten. Der jeweils aktive Spieler hat 4 Aktionen. Liegt eine Rikscha auf der Mauer, muss er diese eine Karte nach rechts bewegen. Dann muss er eine der offen ausliegenden Mauer-Karten oder die oberste verdeckte Karte vom Mauer-Kartenstapel nehmen und diese links oder rechts an die Mauer anlegen und die Auslage dann ggf. wieder auffüllen. Je nach Anzahl der Spieler spielt er nun bis zu 3, mindestens jedoch eine seiner Action-Karten aus und führt deren Aktionen durch. Hierdurch verändert sich die Anordnung der Mauer-Karten. Alle Spieler müssen nun so schnell wie möglich prüfen, ob diese neue Anordnung den Vorgaben auf einer ihrer Kompositions-Karten entspricht, wobei nur der aktive Spieler auch die offen ausliegenden Kompositions-Karten nutzen kann, und dann so schnell wie möglich „Click!“ rufen. Wem dies gelingt, kann dann die betreffende Kompositionskarte vor sich ablegen und die zugehörigen Mauerstücke kommen auf den Abwurfstapel. Der erfolgreiche Fotograf füllt dann vom Nachziehstapel seine Kompositions-Karten wieder auf 2 auf, während die offene Auslage nicht wieder aufgefüllt wird. Zuletzt zieht der aktive Spieler wieder auf 3 Action-Karten auf und der Nächste ist an der Reihe. Das Spiel endet, sobald mit der letzten offenen Kompositions-Karte ein Foto geschossen wurde oder der Nachziehstapel der Kompositions-Karten aufgebraucht ist. Alle Spieler addieren nun die Werte ihrer Fotos. Der Spieler mit den meisten Punkten gewinnt.

Click! The Great Wall ist ein schnelles, kleines Kartenspiel mit einfachen, leicht erlernbaren Regeln, bei dem das Taktikelement definitiv nicht zu kurz kommt. Hier muss man nämlich sehr genau überlegen, welche Karten man wo an die Mauer anlegt und welche Aktionen man anschließend durchführt, um dann im Idealfall gleich im eigenen Zug das Foto schießen zu können. Schnelligkeit ist hierbei auch das Gebot der Stunde, denn man weiß natürlich nie, ob nicht ein Mitspieler eine ähnliche oder identische Kompositions-Karte auf der Hand hat und dann schneller „Click!“ ruft. Von daher hat man hier sehr kurzweiligen Spielspaß, der durch die wirklich putzigen Kartengrafiken der Mauer-Karten noch gesteigert wird.

Titel: Click! The Great Wall
Autor: Vicky Trouerbach
Verlag: Jolly Dutch

Troyes

Das Strategiespiel Troyes mit seinen Workerplacement-Elementen ist 2010 erstmals erschienen. Um den Titel, der vom Autorentrio Sébastien Dujardin, Xavier Georges und Alain Orbain entwickelt wurde, war es in den letzten Jahren etwas still geworden. Umso erfreulicher war es, dass Hutter Anfang 2022 bekanntgegeben hat, eine deutsche Neuauflage des Klassikers herauszubringen. Dieser ist nun mittlerweile im Handel erhältlich und präsentiert sich in einer rechteckigen Standardbox mit zur Mittelalterthematik passender Covergestaltung aus der Feder von Alexandre Roche. Öffnen wir sie, so finden wir darin das Spielmaterial, welches den Spielplan, Münzen, 54 Plättchen, 24 Würfel, 56 Figuren, 90 Klötzchen, 8 Scheiben, 36 Karten, die Spielanleitung und eine Seite Anhang mit Kartenbeschreibungen umfasst.

Wir befinden uns im Jahr 1200 und in Troyes beginnt der Bau einer Kathedrale. Die aufstrebende Stadt in der Champagne wird beherrscht von einigen einflussreichen Familien, die Adel, Klerus und Bürgertum geschickt für ihre eigenen Zwecke einzusetzen versuchen, um so am Ende den eigenen Ruhm zu maximieren.

Zu Beginn einer Partie Troyes wird als erstes der Spielplan in die Tischmitte gelegt und gemäß Anleitung mit dem benötigten Spielmaterial bestückt. Würfel, Geld, Siegpunkte, die Nachziehstapel der Ereigniskarten und ein allgemeiner Vorrat an Gefolgsleuten wird daneben platziert. Dann wählt jeder Spieler eine Farbe und erhält 4 Gefolgsleute und 2 Spielerscheiben seiner Farbe, verdeckt eine Persönlichkeitskarte, sowie 10 Denare. Die Spielerscheiben platziert er sodann auf dem Startfeld auf der Einflussskala bzw. einem der grauen Felder im Stadtkern auf dem Spielplan, das ihm am nächsten liegt. Beginnend mit dem Startspieler stellen die Spieler nun reihum einen ihrer Gefolgsleute in ein freies Feld im Palast, Bischofssitz oder dem Rathaus, bis alle ihre Gefolgsleute aufgebraucht sind. Noch freie Plätze werden durch graue Gefolgsleute aus dem allgemeinen Vorrat aufgefüllt. Nun kann es losgehen. In den ersten 3 Runden startet jede Runde damit, dass für jede der 3 Bevölkerungsgruppen die neue Aktionskarte auf dem Spielplan aufgedeckt wird. Dieser Schritt entfällt dann in den weiteren 3 Runden. Danach erhalten alle Spieler 10 Denare Einkommen und müssen die Löhne ihrer Gefolgsleute in Bischofssitz und Palast bezahlen. In Phase 2 erhalten die Spieler für ihre Gefolgsleute in den 3 Hauptgebäuden die entsprechenden farbigen Würfel, die sie würfeln und in ihren Stadtteil legen. Für die grauen Gefolgsleute würfelt der Startspieler die Würfel und legt sie in den zugehörigen Stadtteil. Nun wird in Phase 3 eine rote Ereigniskarte aufgedeckt, die vorgibt, ob noch eine gelbe oder weiße Ereigniskarte aufgedeckt werden muss. Beide werden in die entsprechende Leiste auf dem Spielplan gelegt und dann nacheinander abgehandelt. In der vierten Phase können die Spieler Aktionen durchführen. Dies kann das Aktivieren von Aktionskarten, die Mithilfe am Bau der Kathedrale, das Kämpfen gegen Ereignisse, das Platzieren neuer Gefolgsleute in den Hauptgebäuden oder das Betreiben von Landwirtschaft bedeuten. Hierfür nutzt er eigene oder auch fremde Würfel, welche er dem Besitzer dann abkaufen muss, und erhält je nach Aktion Denare, Siegpunkte oder Einflusspunkte. Passt ein Spieler, scheidet er aus der aktuellen Runde aus und legt 2 Denare aus der Bank in seinen Stadtteil. Solange seine Mitspieler die Runde noch weiterspielen, legt er jedes Mal, wenn er am Zug wäre, einen weiteren Denar in seinen Stadtteil. Passen alle Spieler in einer Runde oder sind keine Würfel mehr vorhanden, endet die Runde. Die Spieler sammeln Gefolgsleute, die auf den Abbildungen der Gebäude liegen und die ev. vorhandenen Münzen in ihrem Stadtteil ein, die Startspielerkarte wandert nach links weiter und die nächste Runde startet. Nach Ende der sechsten Runde erfolgt eine Endwertung. Wer die meisten Siegpunkte hat, gewinnt.

Trotz seines Alters hat Troyes auch heute nichts von seinem Reiz verloren, weshalb man dieses Spiel mit Fug und Recht als Klassiker bezeichnen kann. Die Regeln dieses Strategiespiels, das mit dem Workerplacement-Prinzip arbeitet, sind komplex, weshalb man sich für deren Studium Zeit nehmen sollte. Auch eine kleine Proberunde, um sich mit den grundlegenden Spielmechanismen vertraut zu machen, kann nicht schaden, denn sonst läuft dieses Spiel schnell komplett an einem vorbei. Des Weiteren sollte man den Anhang mit den Kartenbeschreibungen immer griffbereit haben, um nachschauen zu können, welche Effekte die einzelnen Karten haben, sind sie doch ein nicht zu unterschätzendes Element, um Siegpunkte zu generieren. Wer Spaß an anspruchsvollen Strategiespielen hat, wird hier voll auf seine Kosten kommen.

Titel: Troyes
Autoren: Sébastien Dujardin, Xavier Georges, Alain Orbain
Verlag: Pearl Games / Hutter

Tiny Epic Dinosaurs

Angeregt durch einen Blockbuster in den Kinos, haben wir ein Spiel mit Dinos von 2020 auf dem Tisch, das während der Pandemie etwas kurz kam. Die Rede ist von Tiny Epic Dinosaurs von Scott Almes, das vor zwei Jahres bei Gamelyn Games erschienen ist.

Das Spiel ist ein Worker Placer für ein bis vier Personen, die versuchen müssen, die Farm mit der erfolgreichsten Dinosaurierzucht zu führen. Durch Platzieren ihrer Rancher können die Spieler ihre Farm aufbauen, Nahrung für die Tiere beschaffen, Dinosaurier züchten, Forschung betreiben oder lukrative Verträge an Land ziehen. Heiß begehrt sind hier natürlich die einzigartigen Dinosaurier. Doch es ist auch Vorsicht geboten. Die Dinos können ihre Wärter angreifen oder Zäune einreißen und ihre Artgenossen verspeisen, falls sie nicht genügend Futter bekommen.

Das Spiel hat mir sehr gut gefallen, da es hält, was es verspricht. Wie bei allen Tiny Epic Games bekommt man bei einer Box dieser Größe viel auf den Tisch. Da sich die Farm nach und nach vergrößert, hat man etwas Zeit, sich mit den verschiedenen Optionen zu befassen, die das Spiel einem bietet. Der Glücksfaktor wird auf einen Würfel reduziert und lässt viel Raum für Strategie. Beim Würfeln ist dann auch der einzige Moment, an dem die kurze „Downtime“ (Wartezeit) zwischen den einzelnen Zügen der Spieler durch längeres Grübeln in die Länge gezogen werden kann. Durch die verschiedenen Inseln, Verträge und die Forschung bietet das Spiel Abwechslung und hat auf jeden Fall einen Wiederspielwert.

Das Spielmaterial ist für mich definitiv ein Pluspunkt, da die kleinen Dinos aus Holz einfach Spaß machen. Und die Illustration von Nikoletta Vaszi setzen zudem das eine oder andere Highlight. Bei den einzigartigen Dinosauriern muss man zwar manchmal etwas suchen, bis man den richtigen findet, aber das hat uns kein bisschen gestört. Aus der Reihe der Tiny Epic Games, würde ich mir von diesem Spiel sofort eine Version in normaler Größe dazu kaufen, falls mein Flehen erhört wird, dies auf den Markt zu bringen.

Titel: Tiny Epic Dinosaurs
Autor: Scott Almes
Illustraation: Nikoletta Vaszi
Grafik: Benjamin Shulman
Verlag: Gamelyn Games

B-Rex Days 2022

Auch dieses Jahr haben wir uns am ersten September-Wochenende wieder auf eine kleine Reise nach Merseburg begeben, wo wir für gut 2 Tage unser Quartier aufgeschlagen haben. Denn auch 2022 fanden in der Bischofsburg Liebenau in Schkopau die B-Rex Days statt, in deren Rahmen wir die Neuheiten von Corax Games, Kobold, Giant Roc, Grimspire, Fun Bot und Mirakulus unter die Lupe nehmen und zusammen mit Kollegen und guten Freunden unter fachkundiger Erläuterung von Erklärern testen konnten.

Bei der Fülle an neuen Spielen, die die 6 Verlage vorgestellt haben, müssen wir uns bei der Aufzählung wieder auf die Titel für 5 und mehr Spieler beschränken, da sie sonst den Rahmen dieses Beitrages sprengen würden. Alle Neuheiten und Erweiterungen zusammengenommen kommen wir nämlich auf weit mehr als 60 Titel! Da wir aber während der B-Rex Days 2022 auch einige mehr als interessante Spiele für 4 oder weniger Spieler zumindest angetestet haben, werden wir das eine oder andere davon sicherlich in Zukunft noch hier im Blog vorstellen. Doch genug der einleitenden Worte, hier kommen die Neuheiten:

Bei Fun Bot werden mit Trophies und Wirre Worte zwei Partyspiele erscheinen, die sich auch in wirklich großer Runde spielen lassen und beide im weitesten Sinne um das Thema Wortfindung kreisen. Während die Spieler bei Trophies Worte zu einer bestimmten Kategorie und mit einem vorgegebenen Anfangsbuchstaben finden müssen, geht es bei Wirre Worte darum, aus Hinweisen gemeinschaftlich wunderliche Wortpaare zu ermitteln. Beim Legespiel Hennen hingegen steigt man in die Rolle eines Hühnerzüchters, während Muse Renaissance eine neue Version des bekannten Spieles Muse mit neuen Meisterwerken und einem neuen Wertungssystem ist. Last but not least wäre da noch das Kartenspiel GAP, das zusammen mit Drebo – einem Würfelspiel, bei dem nicht gewürfelt wird – als Überraschungsneuheit präsentiert wurde, die wir hier im Blog bald noch ausführlich besprechen werden.

Weiter geht es mit Kobold, wo wir uns auf eine Erweiterung für Furnace freuen dürfen, die nicht nur neues Spielmaterial für das Grundspiel sondern auch Material für einen fünften Spieler bringen wird. Beim Roll`n Write Riverside gehen wir mit Ausflugsschiffen auf eine Rundreise entlang eines Eisflusses und müssen versuchen, unseren Reisegästen möglichst spannende Landgänge anzubieten. Wer schon immer einen nachhaltigen Bauernhof betreiben wollte, für den ist Farm Club das richtige Spiel, und Fans von anspruchsvollen Taktikspielen werden bei Kobold in Form von Buru fündig werden, das uns in die Zeit des Majapahit-Reiches in Indonesien zurückversetzt.

Lediglich einen neuen Titel für 5 und mehr Spieler bringt Grimspire heraus und zwar das kooperative Deduktions- und Abenteuerspiel Mortum, in dem mittelalterliche Technologie auf magische Kräfte und okkultes Wissen trifft.

Hochprozentigen Spielspass verspricht das Strategiespiel Destilled von Giant Roc, bei dem die Spieler in jeder Runde eine von 15 einzigartigen Spirituosen herstellen, die sie entweder sofort verkaufen oder in ihrem Fasskeller einlagern und reifen lassen können, um ihren Wert zu steigern. Des Weiteren werden bei Giant Roc noch eine Erweiterung zu Venedig, das wir hier ja schon vorgestellt hatten, und das neue Area-Control-Spiel Florenz erscheinen, welches uns als Oberhäupter mächtiger Adelsfamilien in die Renaissance entführt, als die Medici über die Stadt am Arno herrschten.

Bei Corax Games ist der Engine-Builder Belaad angekündigt. Hier gilt es, je nachdem welche Fraktion man verkörpert, möglichst viele Gelehrte anzuwerben oder zu ermorden. In Unfair bauen die Spieler dagegen Freizeitparks auf und wetteifern darum, am Ende den besten Freizeitpark Australiens zu haben, was die Konkurrenten natürlich verhindern wollen. Im interaktiven Kartenwahl- und Kartenmanagementspiel Red Rising, das auf der Romanreihe von Pierce Brown basiert, versuchen die Spieler schließlich, als Vertreter mächtiger Häuser in einer fernen Zukunft ihren Einfluss zu vergrößern, wobei sie entscheiden müssen, ob sie das herrschende System unterstützen oder im Untergrund an dessen Umsturz arbeiten wollen.

Abschließen wollen wir unseren kleinen Neuheiten-Überblick mit den Titeln für 5 und mehr Spieler von Mirakulus. Hier wäre einmal das Familienspiel Drachenhort zu nennen, bei dem wagemutige Helden versuchen, einem Drachen seine Schätze zu stehlen, bevor dieser erwacht. In Arcana Rising messen sich hingegen bis zu 6 Magier in einem Kampf um Wissen und Macht. Und dann hätten wir da noch Steampunk Ralley Fusion, einem eigenständigen Spiel aus der Steampunk-Welt, bei dem berühmte Erfinder Rennmaschinen bauen und dann gegeneinander in einem waghalsigen Rennen antreten.

Wie letztes Jahr auch warteten zudem in weiteren Räumen der Schlossanlage noch Prototypen zukünftiger Spiele darauf, ausprobiert zu werden, über die wir hier natürlich nicht mehr verraten können. Von daher war unser Ausflug nach Schkopau wieder mehr als gelungen und es sei an dieser Stelle den Veranstaltern noch einmal recht herzlich für das perfekt organisierte Event gedankt.

Plutocracy

Unlängst sind wir eher zufällig über einen Zeitungsbericht zu einem neuen Spiel des noch jungen Freiburger Verlages Doppeldenkspiele gestolpert. Plutocracy des Autors Claudio Bierig ist aus einer erfolgreichen Kickstarter-Kampagne hervorgegangen und befindet sich aktuell in der Auslieferung. Eines der Spiele ist freundlicherweise auf unseren Redaktionstisch geflattert, so dass wir es heute einmal genauer unter die Lupe nehmen können. Plutocracy nimmt uns mit in die Weiten des Weltraums in einer fernen Zukunft, weshalb die rechteckige Box hauptsächlich in schwarz gehalten ist, was ihr eine sehr edle Optik verleiht. In ihr finden wir 7 Spielbretter, 34 Scheiben, 27 Marker, 65 Cubes, 4 Tableaus, 92 Oktagone, einen Würfel und das Regelheft in deutscher und englischer Sprache.

Vier große Handelskonzerne beherrschen den interplanetaren Handel und beliefern die Planeten mit den benötigten Ressourcen. Doch mit ihrem Geld beeinflussen sie auch die Politik auf den Planeten und der höchsten Autorität im Sonnensystem, dem Plutokratischen Rat…

Um eine Partie Plutocracy vorzubereiten, müssen zunächst das Spielbrett, die Planeten- und das Erdenbrett in der Tischmitte platziert und dann gemäß Anleitung mit Spielmaterial bestückt werden. Je nach Wunsch der Runde kann dies nach Standardaufbau oder als zufälliger Aufbau erfolgen. Dann wählen die Spieler ihre Spielerfarbe und erhalten das zugehörige Spielertableau und ihr persönliches Spielmaterial. Sobald alle auch noch ihr Startkapital haben, kann es losgehen. In Plutocracy ist immer derjenige der aktive Spieler, dessen Zeitscheibe auf der Zeitleiste am weitesten hinten liegt. In seinem Zug kann er Ressourcen auf dem Planeten, auf dem er sich befindet, kaufen und verkaufen, wodurch sich die Preise für Angebot und Nachfrage auf dem Planeten ändern, Sitze im dortigen Parlament kaufen, wenn er auf dem Asteroiden ist, einen Alien dort retten, sowie, wenn er auf der Erde ist, einer der dortigen Societies beitreten, sofern er deren Aufnahmebedingungen erfüllt. Diese 5 Aktionen sind optional. Als sechste und letzte Aktion muss er entweder mit seinem Raumschiff zu einem Hexfeld fliegen, auf dem ein anderer Planet oder der Asteroid bereits ist oder sich durch Rotation hinbewegen wird, und dann seine Spielerscheibe auf der Zeitleiste entsprechend nach vorne bewegen oder er muss passen, womit er bis zum Spielende keine Aktionen mehr durchführt. Auf der Zeitleiste sind zudem noch Marker verteilt. Diese werden wie Spieler behandelt, d.h. wenn sie an letzter Position auf der Zeitleiste sind, werden sie aktiviert und ihre Effekte abgehandelt. So bewegen sich beim Marker Rotate die Planeten und der Asteroid auf ihren Bahnen zur nächsten Position, beim Marker Prices werden die Preise für Angebot und Nachfrage auf allen Planeten modifiziert, beim Marker Elect halten die Parlamente auf den Planeten Wahlen ab und entsenden Vertreter in den Plutokratischen Rat und mit dem Marker The End endet die Partie. Wer nun die meisten Abgeordneten im Plutokratischen Rat hat, gewinnt das Spiel.

Plutocracy ist ein wirklich gut gemachtes Strategiespiel mit einfachen, leicht verständlichen Regeln und einer wirklich sehr gut geschriebenen Anleitung, das aber trotzdem anspruchsvoll ist. Eine direkte Interaktion zwischen den Spielern findet zwar nicht statt, aber indirekt beeinflussen die Entscheidungen der Mitspieler natürlich die eigenen Möglichkeiten und somit die persönliche Strategie. Daher muss man hier immer sehr genau im Auge haben, was die anderen so treiben, um den richtigen Moment für eigene Aktionen nicht zu verpassen. Durch die Möglichkeit, die Startsituation variabel zu gestalten, und durch mitgeliefertes, zusätzliches Spielmaterial, mit dem weitere Modifikationen des Spielablaufes möglich werden, ist zudem gesichert, dass auch bei mehreren Partien keine Langeweile aufkommt und ein hoher Wiederspielwert garantiert ist. Wer jetzt neugierig geworden ist, der hat in wenigen Wochen auf der SPIEL `22 in Essen die Gelegenheit, Plutocracy einmal in natura in Augenschein zu nehmen. Doppeldenkspiele wird nämlich in der Halle 5 mit einem eigenen Stand (Nummer 5L112) vertreten sein.

Titel: Plutocracy
Autor: Claudio Bierig
Verlag: Doppeldenkspiele

Télos

Eine weitere Neuheit, die Jolly Dutch auf der SPIEL `21 vorgestellt hatte, ist das Stichspiel Télos von Adrie Drent, das sich in einer kompakten, rechteckigen Box mit zur themengebenden, griechischen Mythologie passender Covergestaltung präsentiert. Das Spielmaterial besteht, wie bei einem Kartenspiel kaum anders zu erwarten, aus Karten und zwar 110 an der Zahl, sowie einem Regelfaltblatt.

Wem werden die Götter wohl diesmal gewogen sein? Lass Dich auf ein Kartenspiel mit Zeus und seinen Mitgöttern ein, doch pass auf, dass Du in diesem Spiel nicht den letzten Stich machst!

Zur Spielvorbereitung werden zunächst die 104 farbigen Karten nach Farben in Sets sortiert und dann je nach Spielerzahl die in der Anleitung vorgegebene Zahl Sets mit der vorgegebenen Zahl an zufällig gewählten Zeuskarten zusammengemischt. Die übrigen Karten gehen zurück in die Box. Danach werden an jeden Spieler 7 Karten ausgeteilt, die restlichen werden beiseite gelegt. Der Spieler links vom Geber eröffnet den ersten Stich. Alle anderen Spieler müssen nun eine Karte, deren Wert gleich oder höher als die höchste Karte auf dem Tisch ist, ausspielen, wobei eine Zeuskarte als Joker immer den höchsten Wert hat. Können sie dies nicht, müssen sie ihre niedrigste Karte ausspielen. Der Spieler, der als letzter die höchste Karte ausgespielt hat, gewinnt den Stich und eröffnet den nächsten Stich. Außer beim ersten und letzten Stich kann der Spieler, der den Stich eröffnet, sich auch entscheiden, 2 Karten mit identischem Wert auszuspielen, die entsprechend der bekannten Regeln bedient werden müssen. Der Spieler, der den letzten Stich gewinnt, legt die Karte, mit der er den Stich gewonnen hat als Punktekarte beiseite. Er mischt nun alle übrigen Karten wieder und verteilt an seine Mitspieler so viele Karte, wie der Punktewert seiner Punktekarte beträgt, jedoch mindestens 7 Karten. Sobald ein Spieler auf diese Weise 32 oder mehr Punkte erzielt hat, endet die Partie. Dieser Spieler verliert und die anderen gewinnen.

Wer klassische Stichspiele kennt und liebt, muss hier komplett umdenken, denn es geht bei Télos in erster Linie darum, möglichst keinen Stich zu machen und vor allem eben nicht den letzten Stich. Jolly Dutch hat hier einen Klassiker komplett neu interpretiert und das sehr gekonnt. Télos ist extrem kurzweilig, schnell gespielt und bringt vor allem jede Menge Spaß, wozu nicht zuletzt auch die witzig gestalteten Kartenmotive beitragen.

Titel: Télos
Autor: Adrie Drent
Verlag: Jolly Dutch

The Deadlies

Der französische Verlag Iello hat 2022 das Kartenspiel The Deadlies herausgebracht, dessen deutsche Version sich im Vertriebsprogramm von Hutter findet. Autor des Spieles, das in einer kleinen Box mit witziger Covergestaltung daherkommt, ist Paul Saxberg, während Lea Fuhrmann für das Artwork verantwortlich zeichnet. In der Box finden wir, dank eines Pappeinlegers sicher verstaut, 52 Spielkarten, 6 Sündenscheiben und das Regelheftchen.

Sind wir nicht alle hin und wieder kleine Sünder? Doch wer will sich schon nachsagen lassen, eine der Todsünden begangen zu haben? Daher sollte man zusehen, diese so schnell wie möglich loszuwerden und sie jemand anderem zuzuschustern. Doch Deine Gegner haben genau dasselbe im Sinn…

Zu Spielbeginn wird die Heiligenschein-Karte in die Tischmitte gelegt, die übrigen Karten verdeckt gemischt und als Nachzielstapel daneben platziert. Nun wählt sich jeder Spieler eine Sündenscheibe, stellt sie auf den Wert 6, zieht entsprechend 6 Karten vom Nachziehstapel auf die Hand und dann kann die Partie starten. In seinem Zug kann der aktive Spieler eine beliebige Zahl Karten von seiner Hand ausspielen. Dies können entweder Karten derselben Farbe oder mit identischem Zahlenwert oder mit aufeinanderfolgenden, aufsteigenden Zahlenwerten sein. Die Anweisungen der Karte, die dabei zuoberst liegt, werden nun abgehandelt, danach landen die Karten auf dem Ablagestapel. Hat ein Spieler nun keine Karten mehr, dreht er seinen Sündenstatus auf der Sündenscheibe um eins herunter und nimmt dann die Anzahl Karten, die die Sündenscheibe anzeigt, vom Nachziehstapel wieder auf die Hand. Sobald die Sündenscheibe eines Spielers 0 anzeigt, hat er gewonnen.

The Deadlies ist ein gemeines, kleines Kartenspiel, bei dem man seinen Mitspielern nach Lust und Laune so richtig eine reindrücken kann, wenn man die entsprechenden Karten auf sie ausspielt. Von daher sollte man sich hier vorher genau überlegen, mit wem man The Deadlies spielt und ob die betreffenden Mitspieler genug Humor haben. Ist dies gegeben, steht einer kurzweiligen Kartenspielrunde nichts im Wege, wozu auch das witzige Artwork der Karten beiträgt. Ob das Spiel angesichts der Thematik dann wirklich schon ab 8 Jahren geeignet ist, lassen wir an dieser Stelle allerdings dahingestellt.

Titel: The Deadlies
Autor: Paul Saxberg
Verlag: Iello / Hutter

Eine wundervolle Welt

Ein Spiel, das wir während der B-Rex Tage wahrscheinlich übersehen hätten, wenn uns ein Kollege nicht davon vorgeschwärmt und uns zu einer Proberunde eingeladen hätte, ist Eine wundervolle Welt des Autors Frédéric Guérard, das in der deutschen Version beim Kobold Spieleverlag erschienen ist. Da uns das Spiel bei der Testrunde in Schkopau sehr gut gefallen hat, haben wir uns zwischenzeitlich ein Exemplar besorgt, um es hier nun etwas ausführlicher vorzustellen. Da das Spielmaterial recht umfangreich ist, wird es in einer großen quadratischen Box mit Einleger geliefert. In dieser finden wir den 5-teiligen Spielplan, 155 Karten, 170 Würfel, 80 Plättchen, einen Rundenzähler, den Wertungsblock und das Anleitungsheft.

Aufstrebende Imperien wetteifern miteinander um die Vorherrschaft. Doch nur wer am Ende genügend Ressourcen produziert und sie am geschicktesten einsetzt, wird sich schneller zur führenden Macht entwickeln als die Konkurrenten.

Zur Vorbereitung einer Partie muss zunächst der Spielplan zusammengebaut und mit Ressourcenwürfeln und Personenplättchen bestückt werden. Dann zieht jeder Spieler zufällig eine Imperiumskarte, die er wahlweise mit der A- oder B-Seite vor sich ablegt. Sobald auch noch die Entwicklungskarten gemischt und der Rundenzähler bereitgelegt wurden, kann es losgehen. Eine wundervolle Welt wird über 4 Runden gespielt, die aus jeweils 3 Phasen bestehen, die alle Spieler gleichzeitig abhandeln. Die erste Phase ist die Draftphase. Hier erhält jeder Spieler verdeckt 7 Entwicklungskarten auf die Hand, wählt eine aus, die er offen in seinen Draftbereich legt, und reicht die restlichen weiter. Dies wird so oft wiederholt, bis jeder Spieler 7 Karten in seinem Draftbereich hat. In der nun anschließenden Planungsphase entscheiden die Spieler, welche der Karten sie in ihren Baubereich ziehen und welche sie gegen Rohstoffe recyceln wollen. In der abschließenden Produktionsphase nehmen sich die Spieler die Rohstoffe, die die Karten in ihrem Imperiumsbereich liefern, und nutzen diese, um Karten im Baubereich zu bauen und so dem Imperiumsbereich hinzuzufügen. Nach dem Ende der vierten Runde erfolgt eine Wertung, bei der alle gesammelten Siegpunkte zusammengezählt werden. Wer die meisten Punkte hat, gewinnt.

Trotz des wirklich üppigen Spielmaterials ist Eine wundervolle Welt ein wirklich einfaches, schnell erlernbares Draftinggame, das sich sehr flüssig und ohne lange Wartezeiten spielt. Genaue Planung ist hier das A und O, um am Ende Erfolg zu haben. Denn oftmals ist es sinnvoller, eine scheinbar wertvolle Entwicklungskarte für Rohstoffe zu opfern, da man so andere Karten bauen kann, die einem letztlich mehr Punkte bringen. Für uns bietet dieses Spiel jede Menge Spielspaß und das bei einem sehr hohen Wiederspielwert, da so viele Entwicklungskarten vorhanden sind, dass man selbst bei mehreren Partien nacheinander nur selten identische Karten auf die Hand bekommt und somit jedes Mal seine Strategie wieder neu überdenken muss.

Titel: Eine wundervolle Welt
Autor: Frédéric Guérard
Verlag: La Boîte de Jeu / Ori Games / Kobold Spieleverlag

Bossin Space

Ein weiteres Spiel des tschechischen Verlages Albi, das uns auf der SPIEL `21 in Essen aufgefallen war, war das kooperative Spiel Bossin Space, das auch in einer Soloversion spielbar ist. Entwickelt wurde es vom Autorenduo Petr Vojtěchn und Jindřich Pavlasek und präsentiert sich in einer quadratischen Box mit der Albi-typischen Cover-Optik, in der wir das Spielbrett, die Ausrüstungstafel, 128 Karten, 24 Marker, 5 Boss-Aufsteller, einen Boss-Halter, sowie Regelhefte und Kurzanleitungen in mehreren Sprachen finden.

Im Weltall lauern überall Gefahren. Eine mutige Crew durchquert mit ihrem Raumschiff die unendlichen Weiten und stößt dabei immer wieder auf neue, gefährliche Aliens, denen sie sich stellen muss.

Vor dem Spielstart werden Spielbrett und Ausrüstungstafel in der Tischmitte platziert und gemäß Anleitung mit Markern bestückt. Danach werden die verschiedenen Kartendecks je nach Spielerzahl zusammengestellt und neben dem Spielplan bereitgelegt. Anschließend werden die Mannschaftskarten gemischt und an jeden Spieler eine verteilt. Zusätzlich erhalten die Spieler Karten vom Kommando-Deck als Handkarten. Sobald der Kapitän bestimmt ist, kann die Partie starten. In jeder Runde werden zunächst 4 Gefahrenkarten aufgedeckt und als Zeitleiste bereitgelegt. Die Spieler suchen nun eine ihrer Handkarten aus und legen diese verdeckt in die Tischmitte. Der Kapitän deckt dann die Kommandokarten auf und die Gruppe bespricht sich, wie sie die Karten nutzen will. Ist Einigkeit erzielt, wird jeweils eine der Kommandokarten an eine der Gefahrenkarten der Zeitleiste angelegt. Nun werden die Effekte der Kommando- und Gefahrenkarten nacheinander abgehandelt, was die Bewegung des Raumschiffs oder der Aliens, Angriffsaktionen, Regenerierung von Lebenspunkten und ähnliches bedeuten kann. Durch das Abschießen von Aliens können zudem Erfahrungspunkte gesammelt werden, welche genutzt werden können, um das Raumschiff zu verbessern. Die Partie endet mit einer Niederlage, wenn alle Lebenspunkte verbraucht sind oder das Raumschiff überhitzt, oder mit dem Sieg, wenn der Alien-Boss besiegt wird.

War da nicht mal was? Richtig! Es gab einmal einen Computer- und Konsolenspieleklassiker namens Space Invaders. Bossin Space ist in gewisser Weise die Brettspielumsetzung davon. Von daher wird hier manch einer beim Spielen wohl nostalgische Gefühle entwickeln. Die Umsetzung von Space Invaders ins Brettspielformat ist dabei recht gut gelungen und die Idee, das Spiel bei der Gelegenheit gleich zu einem kooperativen Spiel umzubauen, sicherlich nicht schlecht. Aber wie schon das klassische Space Invaders so spielt sich Bossin Space eigentlich alleine am besten.

Titel: Bossin Space
Autoren: Petr Vojtěch, Jindřich Pavlasek
Verlag: Albi

Crash Octopus

Auf den B-Rex Days letztes Jahr im September hatten wir die Gelegenheit, das Schnipsspiel Crash Octopus des Autors Naotaka Shimamoto erstmals zu testen. Mittlerweile ist die in einigen Details nochmal überarbeitete deutsche Version bei Funbot erschienen, so dass wir sie nun nochmal in Ruhe etwas genauer unter die Lupe nehmen wollen. Geliefert wird das Spiel in einer quadratischen Box, auf deren Cover uns dann auch gleich der namensgebende Octopus anblickt. In der Box finden wir einen Würfel, eine Krabbe, den Octopus (Kopf und 8 Tentakel), einen Timer, 8 Flaggen, 4 Schiffe, 4 Anker, 20 Schätze, Erweiterungsmaterial und das Regelheft.

Im Meer treiben zahlreiche Schätze, die geborgen werden wollen. Doch ein gigantischer Octopus bewacht diese Schätze eifersüchtig und dann gibt es da noch andere wagemutige Kapitäne, die euch die Beute streitig machen wollen. Wer wird wohl als Erster von euch mit seinen Schätzen sicher wieder heimkehren?

Zur Spielvorbereitung wird die Schnur mit Perlen, die den Timer bildet, kreisförmig als Spielfeldbegrenzung in die Tischmitte gelegt und die Krabbenminiatur hinter die letzte blaue Perle auf die Schnur gesetzt. Dann werden der Kopf des Octopus in der Mitte des Spielfeldes und die Tentakel kreisförmig darum platziert. Anschließend stellen alle Spieler ihr Schiff zusammen mit ihrem Anker ins Spielfeld und nehmen ihre Flaggen. Zuletzt werden noch die Schätze zufällig im Spielfeld verteilt, indem sie ein Spieler aus seinen Händen auf den Kopf des Octopus fallen lässt, und der Würfel bereitgelegt und es kann losgehen. Der aktive Spieler schnipst entweder in seinem Zug mit seiner Flagge einen der Schätze, oder navigiert sein Schiff. Trifft er beim Schnipsen sein Schiff, darf er den Schatz auf dieses aufladen. Beim Schnipsen muss er allerdings beachten, dass er Schätze, die schon auf seinem Schiff liegen, und den Schatz, der seinem Schiff am nächsten liegt, nicht schnipsen darf. Ebenso darf er Schätze, die beim Schnipsen von seinem Schiff fallen, nicht wieder aufladen. Danach rückt er die Krabbe eine Perle vor, was einen Angriff des Octopus auslösen kann. Hierzu lassen reihum alle Spieler den Würfel auf den Octopus-Kopf fallen. Trifft er ein Schiff und Schätze fallen herunter, dürfen diese nicht wieder aufgeladen werden, bleibt er auf der schwarzen Seite liegen, kann der Spieler ein Tentakel an die Stelle bewegen, bei der rosa Seite hingegen den Octopus-Kopf. Will der Spieler sein Schiff navigieren, schnipst er den Anker und stellt sein Schiff dann an die neue Position. Die Partie endet, sobald ein Spieler 5 unterschiedliche Schätze auf seinem Schiff hat, mit seinem Sieg oder wenn die Krabbe über die letzte Perle bewegt wird. Hierbei gewinnt, wer die meisten Schätze auf seinem Schiff hat und bei Gleichstand, wer die wertvolleren Schätze hat.

Crash Octopus ist kein Spiel, das sich durch außergewöhnlich komplizierte Spielregeln auszeichnet. Diese sind einfach und schnell erlernt. Vielmehr steht hier der pure Spielspaß im Vordergrund, der aber nur aufkommt, wenn man es mit der passenden Spielergruppe spielt, die sich auf dieses wirklich simple Schnipsspiel einlässt. Hier geht es nämlich nicht darum, eine geniale Taktik zu entwickeln, sondern nur darum, geschickt genug die benötigten Schätze so gegen sein Schiff zu schnipsen, dass die schon verladenen nicht unter dem hämischen Gelächter der Mitspieler wieder herunterfallen. Sprich, am Ende entscheidet nur der Zufall und das persönliche Glück, ob man Erfolg hat oder nicht. Wer sich daran nicht stört, hat hier ein schön gemachtes Spiel, das einem nicht zuletzt auch durch das nahezu komplett aus Holz gefertigte Spielmaterial, lange Freude bereiten wird.

Titel: Crash Octopus
Autor: Naotaka Shimamoto
Verlag: Itten / Fun Bot