Zockende Zauberer

Das Bietspiel Zockende Zauberer des LuPri Verlages stammt zwar schon aus dem Jahr 2018, aber da es für bis zu 8 Spieler geeignet ist, ist es uns auf der SPIEL `22 trotzdem ins Auge gestochen und wir wollen es uns heute mal etwas näher anschauen. Geliefert wird der Titel des Autors Lutz Stepponat in einer kompakten, rechteckigen Box mit zur Zauberthematik passender Covergestaltung. In der Box finden wir 32 Plättchen, 32 Marker, 45 Karten und das Regelfaltblatt, womit auch schon das gesamte Spielmaterial aufgezählt wäre.

Zauberbücher und magische Artefakte sind das, wonach jeder Zauberer giert. Doch gibt es diese nur selten irgendwo zu kaufen und so muss man manchmal magische Bietrituale anwenden, um sie sich gegenseitig abzuluchsen.

Zur Spielvorbereitung werden zunächst an jeden Spieler 2 Kleinode mit einer Perle und eines mit einem Imp, sowie 3 Phiolen verteilt. Die übrigen Kleinode, Phiolen und Zauberbuchmarker kommen als allgemeiner Vorrat in die Tischmitte. Nun werden noch die Zauberkarten gemischt, an jeden Spieler 2 als Handkarten verteilt und die übrigen als verdeckter Nachziehstapel ebenfalls in die Tischmitte gelegt, so dass die Partie starten kann. Beginnend mit dem Startspieler legen die Spieler reihum eines ihrer Kleinode verdeckt vor sich ab. Ab sofort können sie nun auch Zauberkarten von ihrer Hand ausspielen. Ist der Startspieler wieder an der Reihe, kann er ein weiteres Kleinod hinzufügen und der nächste Spieler ist am Zug oder bieten. Entscheidet sich ein Spieler für das Bieten, sagt er an, wie viele Kleinode eines Typs er auf dem Tisch vermutet. Der nächste Spieler kann dieses Gebot nun erhöhen und dabei auch den Typ der Kleinode ändern, oder passen. Haben reihum alle Spieler gepasst, muss der Höchstbietende nun sein Gebot bestätigen. Dafür deckt er nacheinander beliebige Kleinode auf. Erreicht er so die angesagt Zahl, erhält er ein Zauberbuch. Deckt er ein falsches Kleinod auf, hat er verloren und muss eine seiner Phiolen abgeben. Verliert ein Spieler alle seine Phiolen scheidet er sofort aus. Es gewinnt, wer als Erster 2 Zauberbücher hat.

Zockende Zauberer ist ein schön gemachtes, kleines Bietspiel, das seine volle Wirkung vor allem in einer großen Spielerunde entfaltet. Denn je mehr Mitspieler vorhanden sind, desto höher gehen auch die Gebote, aber auch das Risiko danebenzuliegen steigt. Die Regeln des Spiels sind einfach und leicht verständlich geschrieben, so dass sie keine Tücken bieten. Ebenso sind auch die Effekte der Zauberkarten selbsterklärend. Wer Bietspiele liebt, wird hier seine Freude haben, aber auch sonst bieten die Zockenden Zauberer jede Menge Spielspaß.

Titel: Zockende Zauberer
Autor: Lutz Stepponat
Verlag: LuPri

Cleopatra and the Society of Architects

Auf der SPIEL `22 in Essen sind wir über den Erstling des jungen Verlages Mojito Studios gestolpert. Cleopatra and the Society of Architects ist dabei eine Neuauflage eines vom bekannten Autor Bruno Cathala zusammen mit Ludovic Maublanc entwickelten Spiel, das bereits 2006 erstmals auf den Markt gekommen ist. Das Artwork, das auch das Cover der mehr als voluminösen Box ziert, stammt dagegen von Miguel Coimbra. Öffnen wir die Box, finden wir darin das recht umfangreiche Spielmaterial, das aus 104 Karten, 5 Plättchen, 190 Markern, 4 Pyramiden, 9 Figuren, 4 Übersichtsbögen, einem Spielbrett und den Bauteilen des Palastes, sowie dem Regelheft besteht. Dies alles ist in ineinander geschachtelten Tiefziehteilen sicher verstaut.

Cleopatra hat den Auftrag zum Bau eines neuen Palastes gegeben und so machen sich die besten Architekten des Landes daran, das Bauwerk zu vollenden. Doch nicht jeder von ihnen arbeitet dabei mit sauberen Methoden…

Zur Spielvorbereitung werden zunächst die Grundstruktur des Palastes gemäß Anleitung aufgebaut und seine Bauteile bereitgelegt. Dann wird das Spielbrett mit den 5 Plättchen der Anbeter von Sobeck bestückt, die Karten gemischt und an jeden Spieler 3 als Handkarten ausgegeben. Die verbliebenen Karten werden wie in der Anleitung beschrieben erneut gemischt und als Nachziehstapel bei dem die Karten teils offen, teils verdeckt angeordnet sind, bereitgelegt. Von diesem werden dann die obersten 3 Karten an das Spielbrett angelegt. Sobald jeder Spieler seine Anubisfiguren, seine Pyramide und sein Startkapital hat und die Skarabäen- und Amulett-Marker bereitliegen, kann es losgehen. In seinem Zug muss der aktive Spieler eine von 2 möglichen Aktionen durchführen. Entweder er besucht den Markt, was bedeutet, dass er alle Karten einer der 3 Reihen nimmt und dann alle 3 Reihen wieder mit einer neuen Karte vom Nachziehstapel bestückt. Oder er baut am Palast, wozu er die entsprechende Kartenkombination für das Element, das er bauen will, ablegt. Danach erhält er die entsprechende Belohnung für das gebaute Element und muss, je nach ausgespielten Karten, ggf. noch Amulette aufnehmen und in seine Pyramide werfen. Während seines Zuges kann ein Spieler jederzeit auch einen der Anbeter von Sobek aktivieren, indem er die entsprechenden Kosten zahlt, d.h. im Regelfall Amulette aufnimmt. Die Anbeter verschaffen dem Spieler zusätzliche Spielzüge oder senken Baukosten. Sobald ein Spieler in seinem Zug das letzte Element einer Gruppe baut, wird die Cleopatra-Figur ein Feld auf der Sphinx-Plaza nach vorne bewegt. Sobald sie von Feld 3 auf Feld 4 rückt, müssen alle Spieler geheim eine frei gewählte Summe Skarabäen in die Hand nehmen und gleichzeitig aufdecken. Der Spieler, der den höchsten Betrag opfert, darf 3 Amulette aus seiner Pyramide entfernen, alle andere Spieler erhalten je nach Rang Amulette dazu. Kommt Cleopatra auf Feld 5 an, endet die Partie. Die Spieler werfen alle Handkarten ab. Sind darunter noch verfluchte Karten, erhalten sie pro Karte ein weiteres Amulett, das sie zu denen aus ihrer Pyramide hinzufügen. Haben sie im Palastgarten ein Heiligtum, können sie pro Feld ein Amulett dort ablegen. Die verbliebenen Amulette werden gezählt. Wer die wenigsten hat, kann diese abwerfen, alle anderen Spieler dürfen dieselbe Zahl ebenfalls abwerfen. Wer jetzt noch 8 oder mehr Amulette hat, scheidet sofort aus. Alle anderen müssen versuchen, ihre Amulette gegen Zahlung von Skarabäen zu eliminieren. Wer am Ende der reichste Spieler ist, gewinnt.

Cleopatra and the Society of Architects erinnert mit den ganzen Bauteilen für den Palast optisch ein wenig an MB Spiele aus den 1970er- und 1980er-Jahren. Aber dann enden die Ähnlichkeiten auch schon. Wir haben hier ein solide gemachtes Spiel vor uns, das regeltechnisch allerdings wenig Raffinessen bietet, um auch schon für Kinder ab 10 Jahren problemlos spielbar zu sein. Trotz allem kommt der Strategiefaktor nicht zu kurz, denn die Spieler müssen sich in jedem Zug sehr genau überlegen, ob sie für ein schnelleres Vorankommen Amulette kassieren, oder nicht. Denn nur, wenn man diese bis zum Spielende auch wieder loswird bzw. sie durch Geld ausgleichen kann, hat man überhaupt eine Chance auf den Sieg. Von daher bleibt es eigentlich bis zuletzt spannend, wer denn gewinnt.

Titel: Cleopatra and the Society of Architects
Autor: Bruno Cathala, Ludovic Maublanc
Verlag: Mojito Studios

Comic Con Stuttgart 2022

Am 26. und 27. November fand in den Messehallen am Stuttgarter Flughafen die nunmehr sechste Ausgabe der Comic Con Stuttgart statt und diese nun auch wieder ohne Einschränkungen wie Maskenpflicht oder 2G-Regelungen. Auch wenn der Vorverkauf zu dem Event zunächst etwas schleppend startete, bildeten sich sowohl am Samstag als auch am Sonntag schon lange vor der Öffnung der Hallen wieder lange Schlangen vor den Eingängen. Wie bei anderen Messen und Veranstaltungen auch, entscheiden sich mittlerweile nicht wenige spontan für einen Messebesuch, so dass die Veranstalter sich am Ende über rund 33.000 verkaufte Tickets freuen konnten, womit die Comic Con Stuttgart 2022 schon fast wieder das Vor-Corona-Niveau erreicht hat.

Wie in den vergangenen Jahren auch, war Halle 1, in der rund 450 Aussteller vertreten waren, auch 2022 wieder zweigeteilt. So war ein starkes Drittel für Comics reserviert, wobei dieses Jahr von den großen Comic-Verlagen allerdings nur Panini und Cross Cult mit eigenen Ständen vertreten waren. Dies verschaffte aber einmal mehr gerade den kleinen Verlagen und vor allem auch den Comiczeichnern in der Artist Alley deutlich mehr Raum, um sich den interessierten Fans zu präsentieren. Daneben war natürlich auch wieder die Sammlerecke aus Esslingen mit einem Verkaufsstand vertreten und auch an die Brettspielfreunde wurde dieses Jahr gedacht. Asmodee lud mit einem eigenen Stand zum Testen der Herbstneuheiten ein, die dort auch gleich in einem vom Würfelzwerg aus Esslingen betriebenen Verkauf erworben werden konnten.

Der Rest von Halle 1 war wie üblich natürlich wieder für die Cosplayer-Gemeinde reserviert, die mit ihren kunstvollen und detailverliebten Kostümen ohne Zweifel das Highlight und einer der großen Besuchermagnete jeder Comic Con in Stuttgart sind. Es mag daher kaum verwundern, dass gerade hier an den Ständen, an denen Fan-Artikel und Cosplay-Zubehör aller Art angeboten wurde, schon kurz nach Messestart drangvolle Enge herrschte und gegen Mittag teilweise kaum noch ein Durchkommen war.

Doch Halle 1 bot dieses Jahr auch einige Neuheiten. So war in das Cosplay-Kingdom, in dem sich Cosplayer wieder von Profi-Fotografen in perfekt ausgeleuchteten Settings ablichten lassen konnten, erstmals als Platz für Verständnis und Toleranz die so genannten Queer Avenue integriert. Hier präsentierten sich Persönlichkeiten der LGBTQ-Szene in einem bunten Bühnenprogramm aus Unterhaltung und Information den Besuchern, die dieses Angebot auch zahlreich nutzten.

Eine weitere Neuheit der Comic Con 2022 in Stuttgart fand sich dann auf der Galerie von Halle 1. Neben den Lego-Dioramen des Schwabenstein 2×4 e.V., die seit jeher fester Bestandteil der Comic Con sind, war dieses Jahr nämlich erstmals rund die Hälfte der Galerie dem Thema Sammelkarten gewidmet. Neben Händlern, die den Besuchern eine Vielzahl an Sammelkarten und Zubehör dazu anboten, standen den Fans von Yu-Gi-Oh, Pokémon, Star Wars und vielen mehr auch spezielle Tische zum Tauschen oder Verkaufen ihrer Karten zur Verfügung.

Ohne Foto-Sessions, Autogrammstunden und Panels mit nationalen und internationalen Stars aus Film und Fernsehen wäre eine Comic Con natürlich keine Comic Con. Diese fanden wie schon 2021 wieder in Halle 3 statt, um den Comic- und Cosplay-Fans in Halle 1 mehr Raum zu geben, waren die Schlangen vor einigen der Autogramm-Stände und auch bei den Fotosessions doch teilweise wieder gewaltig. Haupt-Act war hierbei sicherlich der bekannte Hollywood-Star Mads Mikkelsen, zu dem sich weitere Stars wie Ian Zierling, bekannt aus Beverly Hills 90210, Finn Jones, der in Game of Thrones und Iron Fist mitgespielt hat, oder Vivien Lyra Blair, die in der Kenobi-Serie die junge Leia verkörpert hat, gesellten, um hier nur einige wenige zu nennen.

Von daher präsentierte sich die Comic Con 2022 in Stuttgart einmal mehr als überaus gelungene Veranstaltung, so dass wir schon gespannt sind, was uns bei der siebten Ausgabe, die am 9. und 10 Dezember 2023 stattfinden wird, erwartet.

Scotland Yard – Sherlock Holmes Edition

1983 hat der Ravensburger Verlag das Detektivspiel Scotland Yard mit seinen strategischen wie auch kooperativen Elementen herausgebracht, das sich bis heute weit über 4 Millionen Mal weltweit verkauft hat. Zur SPIEL `22 ist eine neue Version und zwar die Sherlock Holmes Edition herausgekommen, die neben den bekannten Originalregeln auch Alternativregeln bietet. Der namensgebende Meisterdetektiv dieser Edition ziert dann auch das Cover der großen, rechteckigen Box, in deren Innern sich ein Tiefzieheinleger mit dem Spielmaterial verbirgt. Dieses umfasst den Spielplan, 29 Startkarten, 134 Tickets, 6 Figuren, 6 doppelseitige Spielertafeln, die Fahrtentafeln mit Stift und Papier, einen Blickschutz, 3 Ringe, sowie für die Sherlock Holmes Variante 10 Chips, 15 Tatort-Karten und einen Einlegestreifen. Zudem liegen auch noch die Regelhefte in verschiedenen Sprachen bei.

Professor Moriarty treibt wieder einmal sein Unwesen in London. Doch er hat einen ebenbürtigen Gegner, den Meisterdetektiv Sherlock Holmes. Wird es ihm und seinen Mitstreitern gelingen, den Schurken zu fassen?

Zur Vorbereitung einer Partie Scotland Yard – Sherlock Holmes Edition mit den Sherlock Holmes-Regeln wird der Spielplan in der Tischmitte platziert. Ein Spieler übernimmt die Rolle des Moriarty, die übrigen wählen aus den verbliebenen Charakteren jeweils einen. Dann erhalten alle das zugehörige Spielmaterial gemäß Anleitung. Nun ziehen die Detektive eine Detektiv-Startkarte und stellen ihre Figur auf das zugehörige Feld auf dem Spielplan. Sofern nur 2 oder 3 Detektiv-Spieler vorhanden sind, werden in analoger Weise noch Bobbys auf den Spielplan gestellt. Anschließend zieht der Moriarty-Spieler eine seiner Startkarten, wählt geheim einen der beiden Startorte aus und die Partie kann beginnen. Das eigentliche Spiel verläuft dann nach den bekannten Regeln von Scotland Yard. Sprich, der Moriarty-Spieler notiert geheim auf seiner Fahrtentafel die Nummer des Ortes, zu dem er sich bewegt und deckt dies mit einem Ticket des genutzten Verkehrsmittels ab. Die Detektivspieler ihrerseits bewegen sich ebenfalls auf dem Spielplan und versuchen, ihn zu entdecken, wobei sie ihre Charakterfähigkeiten nutzen können. Schaffen sie dies vor Ende der 16. Runde oder bevor Moriarty sein drittes Verbrechen verübt, gewinnen die Detektive, andernfalls Moriarty.

Scotland Yard ist ein Spieleklassiker, der auch heute noch nichts von seinem Reiz von damals verloren hat. Und ich spreche hier aus Erfahrung, denn ich habe als Kind schon das Ursprungs-Scotland Yard mit Begeisterung gespielt. Die Begeisterung war auch bei dieser neuen Version gleich wieder da, hat sich doch am bewährten Spielprinzip an sich nur wenig verändert. Mit den Sherlock Holmes-Regeln ist das Spiel allerdings nochmal deutlich anspruchsvoller geworden, weil den Detektiven sehr viel weniger Zeit bleibt, um Moriarty zu finden. Von daher kommt es hier noch mehr auf ein koordiniertes, gemeinsames Vorgehen an, um Erfolg zu haben. Uns hat die neue Edition jedenfalls sehr gut gefallen und sie ist definitiv auch etwas für Leute, die das alte Scotland Yard schon in ihrer Sammlung haben.

Titel: Scotland Yard – Sherlock Holmes Edition
Autor: Projekt Team III
Verlag: Ravensburger

Dream Games – Böses Erwachen

Über unsere Instagram-Seite hatte uns unlängst Elias Dankerl, der zusammen mit seinen beiden Mitstreiterinnen Nina und Yvonne das Team des neuen Verlages Dream Games bildet, kontaktiert, ob wir die Demoversion ihres Erstlings Dream Games – Böses Erwachen einmal testen wollten. Dieser liegt nun mittlerweile in Form einer Rechteckbox im DinA 4-Format vor uns auf dem Redaktionstisch und umfasst in dieser Demoversion 45 Karten, 33 Steine, einen Würfel, eine Spielfigur, das „Buch der Träume“ und das Regelheft.

Du erwachst und stellst fest, dass Du Dich nicht in Deinem Schlafzimmer in Deinem Haus, sondern auf einer Waldlichtung befindest. Langsam wird Dir klar, dass Du in einem Traum gefangen bist. Wird es Dir gelingen, den Weg zurück in die Realität zu finden?

Da in Dream Games – Böses Erwachen eine Geschichte entwickelt wird, wollen wir an dieser Stelle natürlich nicht zu viel spoilern. Von daher nur so viel: Zu Spielbeginn werden die Ereigniskarten gemischt und verdeckt bereitgelegt. Daneben wird der Stapel mit den Spielkarten, die in Zahlenreihenfolge sortiert sind, ebenfalls verdeckt bereitgelegt und die Karte 1 mit der Spielübersicht daneben platziert. Sobald auch noch die Spielfigur, Traum- und Wissenssteine und das „Buch der Träume“ bereitliegen, kann es losgehen. Karte 28 wird aus dem Stapel gezogen, die Spielfigur daraufgestellt und Abschnitt 10 im „Buch der Träume“ gelesen, das einem einen ersten Teil der Story und die ersten Entscheidungsmöglichkeiten liefert. Je nachdem, wie man sich entscheidet, wird man so zu neuen Abschnitten im „Buch der Träume“ geleitet, deckt weitere Karten auf, auf die man die Spielfigur bewegt und die man dann erforschen kann. Hierfür ist im Regelfall Traumenergie in Form von Traumsteinen nötig, die aber nur begrenzt zur Verfügung stehen. Sobald sie aufgebraucht sind, startet ein neuer Durchlauf, wobei man erworbene Fähigkeiten, Wissenssteine, usw. behalten darf. Das Spiel endet, wenn man das finale Rätsel gelöst hat, wobei die Anzahl der benötigten Durchläufe darüber entscheidet, wie gut man sich geschlagen hat.

Dream Games – Böses Erwachen verspricht ein sehr gutes Spiel im Escape-Stil zu werden. Uns hat die Demo jedenfalls gefallen. Die Grundregeln an sich sind dabei einfach und leicht verständlich, so dass man sehr schnell ins Spiel hineinfindet, das ansonsten selbsterklärend ist. Man merkt, wie viel Mühe die Autoren hier in ihren Erstling gesteckt haben. Dies sieht man auch an den wirklich schön gestalteten Karten, die in dieser Demoversion bereits weitgehend dem Standard des späteren Hauptspiels entsprechen, bei dem dann auch noch der Würfel und der Stoffbeutel professionell produziert sein und eine im 3D-Druck gefertigte, individuelle Spielfigur enthalten sein werden. Von daher drücken wir Dream Games für die am 26. Dezember 2022 beginnende Kickstarter-Kampagne für ihren Erstling die Daumen!

https://www.kickstarter.com/projects/dreamgames/dream-games-boses-erwachen

Titel: Dream Games – Böses Erwachen
Autor: Elias Dankerl
Verlag: Dream Games

Stuttgarter Messeherbst 2022

Wie alle Jahre Mitte November fand auch dieses Jahr vom 17. bis 21. November wieder der Stuttgarter Messeherbst statt. Stand die letztjährige Ausgabe noch ganz im Schatten der Corona-Pandemie, waren dieses Jahr praktisch alle Beschränkungen gefallen, so dass wieder deutlich mehr Besucher den Weg zur Landesmesse am Stuttgarter Flughafen fanden. Am Ende konnten die Veranstalter rund 105.000 Besucher in den vier Tagen zählen, denen die acht Messen mit ihren rund 850 Ausstellern und ein buntes Rahmenprogramm einen abwechslungsreichen Messebesuch boten.

Erster Anlaufpunkt für uns war natürlich einmal mehr die Halle 1, in der neben der Kreativ traditionell auch die Spielemesse ihren Standort hat. Deren Fläche war dieses Jahr leider einmal mehr deutlich geschrumpft, muss sie sich diese doch mit den Modellbahnern und -bauern teilen. Hier sollten sich die Veranstalter für die Zukunft einmal Gedanken machen, ob man die beiden Bereiche, die thematisch nicht wirklich etwas miteinander zu tun haben, nicht wieder wie früher trennen sollte. Dass das Spielehobby nämlich ein Publikumsmagnet ist und ständig an Bedeutung gewinnt, sah man auf der verbliebenen Restfläche mehr als deutlich. Hier war der Andrang ungebrochen, so dass schon kurz nach Messeöffnung praktisch alle Tische der Spieleinsel besetzt waren und spätestens mittags in den Gängen zwischen den Ständen der Verlage und Spielehändler, an denen die Fans sich über Neuheiten informierten und nach Schnäppchen jagten, drangvolle Enge herrschte. Zu den ausstellenden Verlagen gehörte 2022 erfreulicherweise auch wieder der Kosmos Verlag, der dieses Jahr sein 200-jähriges Jubiläum feiert. Daneben waren unter anderem Hutter, Amigo, Queen Games, Heidelbär und die Verlage der Spieleoffensive neben einigen Kleinverlagen vertreten, während andere, die 2021 noch an der Spielemesse teilgenommen hatten, dieses Jahr in Stuttgart keine Präsenz mehr zeigten.

Alles in allem fällt unser Fazit dieses Jahr also etwas zwiespältig aus und es bleibt abzuwarten, wie sich die Spielemesse in Stuttgart weiterentwickeln wird. Der Messeherbst an sich bleibt nichtsdestotrotz einen Abstecher nach Stuttgart wert, bieten doch die anderen Messen, zu denen dieses Jahr erstmal auch die Blasorchester-Messe BRAWO gehörte, wie auch das Rahmenprogramm mehr als genug Abwechslung, so dass wir uns den 23. bis 26. November 2023, wenn die nächste Ausgabe des Messeherbstes stattfinden wird, schon vorgemerkt haben.

Cheesy Heist

Im litauischen Kaunas hat der noch junge Verlag Dėmė Games seinen Sitz, der auf der SPIEL `22 sein neues Kartenspiel Cheesy Heist vorgestellt hat, welches vom Autorenduo Vilius Vaura und Monika Šumauskaitė, die beide auch die Gründer von Dėmė Games sind, entwickelt wurde. Es kommt in einer kartenspieltypischen, kompakten Verpackung daher, in der wir 75 Karten und das Regelfaltblatt auf Englisch finden.

Wer sammelt als Erster 5 Stückchen Käse ein? Hier wird geblufft, gestohlen und sabotiert, was das Zeug hält, denn am Ende kann nur einer gewinnen.

Sobald man die 75 Karten des Kartendecks gemischt und an jeden Spieler 5 Karten vom Nachziehstapel verteilt hat, kann Cheesy Heist auch schon starten. Der jeweils aktive Spieler kann in seinem Zug so viele Attack- und Mirage-Karten ausspielen, wie er möchte, wodurch er Karten von Mitspielern stehlen, diesen Karten „schenken“ oder die Kartenhand eines Mitspielers einsehen kann. Dann zieht der aktive Spieler eine Karte vom Nachziehstapel und schließt seinen Zug entweder ab, oder spielt ggf. eine Katzen-Karte aus. Sofern seine Mitspieler keine Verteidigungskarten auf der Hand haben, die diese abwehren oder einen Teil der eigenen Kartenhand sichern, müssen nun alle Spieler ihre Karten verdeckt vor sich auslegen und beginnend mit dem Spieler links vom aktiven Spieler reihum eine beliebige der ausliegenden Karten auf die eigene Hand ziehen, bis alle Karten verteilt sind. Die Partie endet, sobald ein Spieler 5 Käse-Karten aber keine Katzen-Karte auf der Hand hat, mit seinem Sieg.

Cheesy Heist ist ein sympathisches, kleines Kartenspiel mit schön gestaltetem Spielmaterial, bei dem man seinen Mitspielern nach Herzenslust immer wieder aufs Neues ans Bein pinkeln kann. Von daher muss man hier die Spielerunde gut auswählen, denn nicht jeder kommt mit diesem Spielprinzip klar. Wenn alle in der Runde aber ähnlich ticken, hat man mit Cheesy Heist wirklich kurzweiligen Spielspaß, wobei man nicht allzu viel auf Strategie setzen sollte. Der Glücksfaktor ist nämlich extrem hoch und nicht selten ist man die mühsam gesammelten Käsestücke gleich wieder los, weil einem die „lieben“ Mitspieler die Karten klauen, oder wieder einmal jemand eine Katze gespielt hat und dann ein Teil der eigenen Karten zu den Konkurrenten verschwindet.

Titel: Cheesy Heist
Autor: Vilius Vaura, Monika Šumauskaitė
Verlag: Dėmė Games

Next Station London

Zu den Herbstneuheiten des Jahres 2022, die HCM Kinzel vorgestellt hatte, gehört auch die deutsche Version des Flip`n Write Next Station London von Matthew Dunstan, das im Original bei Blue Orange erschienen ist. Das Spiel liegt in einer kompakten Klappdeckelbox mit Magnetverschluss, deren Cover die Grafiken von Maxime Morin zieren, der auch das Artwork für das übrige Spielmaterial verantwortet, vor uns auf dem Redaktionstisch. Öffnen wir den Deckel, so finden wir im Innern der Box einen Block mit Spielplänen, 4 Buntstifte, die umweltfreundlich in einer Papiertüte verpackt sind, 20 Karten und das Regelfaltblatt.

Die Stadt London will ihr U-Bahnnetz neu gestalten. Welchem Experten wird es wohl gelingen, den besten Entwurf zu entwickeln, der den Ansprüchen der Stadtväter gerecht wird?

Zu Spielbeginn erhält jeder Spieler ein Blatt vom Spielblock und einen der Buntstifte, welcher vorgibt, von wo auf dem Stadtplan der Spieler mit dem Streckenbau startet. Dann werden die Stationskarten gemischt und verdeckt bereitgelegt. Der U-Bahnbau kann beginnen! Die oberste Karte vom Stationskartenstapel wird aufgedeckt. Diese gibt das Stationssymbol vor, das entlang der dünnen Rasterlinien mit der Startstation verbunden werden muss. Anschließend wird die nächste Karte aufgedeckt und entsprechend der nächste Streckenabschnitt eingezeichnet. Hierbei muss beachtet werden, dass jede Station von einer Linie einer Farbe immer nur einmal angefahren werden darf und dass sich Linien nicht kreuzen dürfen. Sobald die fünfte unterirdische Stationskarte aufgedeckt wurde und alle ihre Strecken eingezeichnet haben, endet die Runde. Es erfolgt eine Zwischenwertung, dann werden die Buntstifte im Uhrzeigersinn weitergereicht, die Stationskarten wieder gemischt und die nächste Runde startet. Nach der vierten Runde erfolgt eine Endwertung. Wer die meisten Punkte hat, gewinnt.

Next Station London ist ein eher anspruchsvoller Vertreter der Spielegattung Flip`n Write. Die Regeln an sich sind dabei weniger das Problem, denn diese sind einfach und leicht verständlich. Aber es erfordert schon verdammt viel Nachdenken, ein Liniennetz so zu planen, dass es regelkonform ist und trotzdem ein Maximum an Punkten bringt. Hierbei gilt es nämlich zu versuchen, möglichst viele Stadtviertel abzudecken, die Themse zu überqueren, touristische Highlights anzufahren und zumindest in einem Stadtviertel mehrere Stationen zu bedienen. Doch alle Planungen nutzen einem am Ende nichts, wenn die passenden Karten nicht aufgedeckt werden. Und wem das noch nicht kompliziert genug ist, kann die Herausforderung durch den Einsatz von Zusatzkarten noch weiter steigern. Von daher wird Next Station London bei uns sicherlich noch öfter auf dem Spieletisch liegen, wobei wir ein kleines Manko nicht verschweigen wollen. Die Linien, die die Stadtviertel begrenzen, sind in einem so hellen Gelbton auf die Stadtpläne gedruckt, dass man sie kaum erkennt. Ein etwas kräftigerer Farbton wäre hier ganz hilfreich.

Titel: Next Station London
Autor: Matthew Dunstan
Verlag: Blue Orange / HCM Kinzel

Spielwiesn 2022

Nachdem die Corona-Pandemie den süddeutschen Spielefans und auch uns die letzten beiden Jahre einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht hatte, fand am Wochenende vom 11. bis 13. November 2022 endlich wieder die Spielwiesn in München statt. Wie sehr diese Spielemesse von den Fans vermisst wurde, zeigte sich an den Schlangen, die sich an den drei Tagen schon lange vor der offiziellen Öffnung der Halle 4 des MOC München bildeten. Der Andrang zu der Veranstaltung war dabei an allen drei Tagen so groß, dass der Zugang zu der Messehalle zeitweise gesperrt werden musste, da die von der bayerischen Landeshauptstadt vorgegebene Maximalzahl an Besuchern erreicht war. Dies sorgte nicht selten für verständlichen Unmut bei den Spielefans, die teilweise unverrichteter Dinge wieder abreisen mussten, lag aber außerhalb des Einflusses der Veranstalter, die hoffen, dass sich bei der Jubiläumsausgabe der Spielwiesn nächstes Jahr die Lage endgültig wieder normalisiert haben wird.

In der Halle 4 waren dieses Jahr mehr als 60 Spieleverlage vertreten – davon 11 zum ersten Mal – die an ihren Ständen ihre Spieleneuheiten vorstellten, welche auch gleich vor Ort unter fachkundiger Anleitung getestet werden konnten. Daneben stand den Spielefans natürlich auch noch die um 700 Titel auf nunmehr 3000 Spiele aufgestockte Spielothek als Ausleihe zur Verfügung, um mit Freunden und Gleichgesinnten an einem der zahlreichen Spieletische dem gemeinsamen Hobby zu frönen, wovon rege Gebrauch gemacht wurde. Für Spannung sorgten zudem die Heckmeck-WM und die Qualifikation zur Catan-WM, welche ebenfalls während der Spielwiesn stattfanden.

Von daher konnte die Spielwiesn nach zwei Jahren Zwangspause ihre Erfolgsstory als „größtes Wohnzimmer Bayerns“ fortsetzen, bewertete doch die überwiegende Mehrheit der rund 12.000 Besucher und der Aussteller das Messeerlebnis als durchweg positiv. Dieser Einschätzung können wir uns vollauf anschließen, denn auch wir empfanden diese Messe als extrem entspannt und familiär, so dass wir schon gespannt sind, was nächstes Jahr zum 30. Jubiläum in München geboten sein wird.

Monster Inn

Unter den zahlreichen Herbstneuheiten des Jahrgangs 2022 des Pegasus Verlages haben wir uns heute Monster Inn des Autors Roman Pelek herausgegriffen. Für die Illustrationen zeichnet Dennis Lohausen verantwortlich und so zieren seine gruseligen Monstergrafiken dann auch nicht nur das Cover der kompakten Rechteckbox, sondern zusammen mit Grafiken von Menschen auch die 40 Spielkarten, welche mit 50 Schätzen und dem Regelheftchen das komplette Spielmaterial bilden. Dieses ist in der Box wiederum in einem Kunststofftiefzieheinleger sicher verstaut, so dass nichts verlorengehen kann.

Als Dungeon-Master kann man sich nur Respekt verschaffen, wenn man kampfstarke Monster hat. Doch diese hängen lieber in den Tavernen der Stadt herum und lassen sich nur durch finanzielle Anreize zur Mitarbeit bewegen. Aber die Konkurrenten schlafen nicht und so klettern die Preise in die Höhe. Und dann sind da auch noch Menschen, die in den Tavernen spionieren…

Bevor eine Partie Monster Inn starten kann, werden die Kreaturenkarten verdeckt gemischt und als Nachziehstapel zusammen mit den Schätzen in die Tischmitte gelegt. Dann werden vom Nachziehstapel so viele Karten gezogen, wie Spieler an der Partie teilnehmen. Menschenkarten bleiben verdeckt und werden mit absteigendem Wert von links nach rechts ausgelegt, Monsterkarten werden dagegen aufgedeckt mit von links nach rechts aufsteigenden Werten rechts daneben platziert. Zuletzt erhält jeder Spieler noch je 3 Goldstücke und 3 Edelsteine und es kann losgehen. In jeder Runde wird um die am weitesten links liegende Kreatur gespielt. Hierbei entscheidet der aktive Spieler, ob er dabeibleiben will, dann muss er einen Schatz in die Tischmitte legen, wobei dieser von derselben Sorte der ggf. bereits ausliegenden Schätze sein oder ein Schatzwechsel vollzogen werden muss. Will oder muss der aktive Spieler dagegen aussteigen, nimmt er alle ausliegenden Schätze auf die Hand und legt die betreffende Karte vor sich ab. Menschen bilden dabei in der Spielerauslage eine verdeckte Reihe von links nach rechts, Monster eine offene Reihe darüber ebenfalls von links nach rechts. Jedes Mal, wenn ein Spieler einen Menschen nimmt, erhält er zusätzlich einen Schatz aus dem Vorrat als Bonus, bei einem Monster kann er, wenn bereits ein Monster des betreffenden Volkes in seinem Dungeon liegt, dieses durch einen Schatz von seiner Hand unterstützen. Sind alle gezogenen Karten auf diese Weise an die Spieler verteilt, werden neue Karten gezogen und die nächste Bietrunde startet. Sobald der Nachziehstapel aufgebraucht ist, beginnt die Wertung der Dungeons. Die Menschenkarten werden nun aufgedeckt, alle Menschenkarten, über denen kein Monster oder ein Monster mit Unterstützung liegen, werden entfernt, bei den übrigen wird der Kampfwert der Menschenkarten, mit denen der darüberliegenden Monster verglichen. Ist der Kampfwert eines Monsters höher, wird die Menschenkarte aus dem Spiel genommen. Abschließend werden die Werte aller Monster addiert, die Werte der verbliebenen Menschenkarten abgezogen und noch für je 3 Schätze im Vorrat eines Spielers ein weiterer Punkt hinzuaddiert. Wer am Ende die meisten Punkte hat, gewinnt.

Monster Inn ist ein schnelles, kleines Kartenspiel, das auf einen Bietmechanismus setzt, um sich eine eigene Kartenauslage aufzubauen. Dabei muss man in jeder Runde wieder aufs Neue überlegen, wann man am sinnvollsten aus einem Bietergefecht aussteigt, denn nur wer am Ende mehr Schätze auf der Hand hat als die Konkurrenten, kann sich die wirklich guten Monster, die die meisten Punkte bringen und ggf. auch einen Kampf mit einem Menschen gewinnen, sichern. Von daher bietet Monster Inn wirklich kurzweiligen Spielspaß für Zockernaturen und das bei wirklich einfachen, schnell erlernbaren Regeln.

Titel: Monster Inn
Autor: Roman Pelek
Verlag: Pegasus