Siderische Konfluenz

In den letzten Monaten haben wir verschiedene Rezensionen zum Aufbaustrategiespiel Siderische Konfluenz des Autors Tauceti Deichmann, das bei Frosted Games erschienen ist und von Pegasus vertrieben wird, gelesen, die durchaus kontrovers waren. Grund genug also, uns einmal selbst eine Meinung über dieses Spiel zu bilden, das Pegasus in seine Kennerspiel-Reihe eingeordnet hat. Die Box ist jedenfalls schon einmal sehr gewichtig und mit einer zu der SciFi-Thematik passenden Covergrafik versehen. Öffnen wir sie, finden wir auch schnell den Grund für das Gewicht, denn das Spielmaterial ist mehr als umfangreich. Es besteht unter anderem aus weit über 200 Plättchen, ebenfalls weit über 200 Würfeln, über 300 Karten, 21 Tableaus und vielem mehr. Dazu kommt dann noch ein Anleitungsheft und ein Erklärblatt für den Spielablauf.

Für 30 Millionen Jahre beherrschten die Faderan als die einzigen intelligenten Lebewesen den Elysium-Sektor, bis sie auf 8 weiteren Welten neue Spezies entdeckten, die sich zwischenzeitlich entwickelt hatten. Anstelle auf Krieg und Zerstörung zu setzen, schlossen sich die 9 Spezies in der Siderischen Konfluenz zusammen, um technologischen Fortschritt zu teilen und eine große, gemeinsame galaktische Zivilisation zu bilden…

Zur Vorbereitung einer Partie sucht sich zunächst jeder Spieler eine Spezies aus, die er spielen möchte, und macht sich mit deren speziellen Eigenheiten, die auf dem zugehörigen Tableau der Spezies nachzulesen sind, vertraut. Anschließend wird das Spielmaterial gemäß Anleitung an die einzelnen Spieler verteilt, bzw. als allgemeiner Vorrat in der Tischmitte platziert. Danach läuft das Spiel in 6 Runden ab, die sich jeweils in 3 Phasen gliedern, welche alle Spieler zeitgleich abhandeln. Phase 1 ist die so genannte Transaktionsphase. Hier handeln die Spieler miteinander, wobei fast alles gehandelt werden kann, wie z.B. Ressourcen, Konverter, Versprechen, usw.. Diese Handel sind aber bindend und wer sich nicht daran hält, verliert Siegpunkte. Nun schließt sich Phase 2, die Produktionsphase, an, in der die Spieler Ressourcen verwenden, um ihre Konverter zu aktivieren und so Output zu erzeugen. Die Runde endet mit Phase 3, der so genannte Konfluenzphase. Hier werden Technologien mit den Mitspielern geteilt und es finden Auktionen für neue Kolonien und Forschungsteams statt, wofür die Spieler ihre Raumschiffe als Gebote einsetzen. Am Ende der 6. Runde erfolgt eine Wertung, wobei auch Ressourcen in Siegpunkte umgewandelt werden, und der Spieler mit den meisten Punkten gewinnt.

Um es vorweg zu nehmen, um die Siderische Konfluenz zu spielen, braucht es Zeit. Die Regeln an sich sind zwar nicht wirklich komplex, aber bis man die Mechanismen des Spiels verstanden hat und wie man wann und wo Ressourcen am besten einsetzt und auf Kolonien oder Forschungsteams bietet, dauert. Hier empfiehlt sich eine kleine Testrunde, bevor man voll einsteigt. Zudem kann sich gerade die Handelsphase zu Beginn jeder Runde sehr in die Länge ziehen. Das Zweite, das es braucht, um dieses Spiel zu spielen, ist Platz! Schon der Startaufbau hat unseren Spieletisch, den wir auf die maximale Länge ausgezogen hatten, fast komplett gefüllt. Und je länger das Spiel geht, desto mehr Platz braucht dann auch jeder Spieler vor sich. Alles in allem ist die Siderische Konfluenz aber ein wirklich gut gemachtes Strategiespiel, das einen über Stunden fesseln kann. Und was ebenfalls erfreulich ist, ist die Tatsache, dass bis zu 9 Spieler an einer Partie teilnehmen können.

Titel: Siderische Konfluenz
Autor: Tauceti Deichmann
Verlag: Frosted Games / Pegasus

My City Roll & Write

Vor einiger Zeit hatten wir hier ja schon das Legacy-Spiel My City des bekannten Autors Reiner Kinizia vorgestellt, das bei Kosmos erschienen ist. Sozusagen als Spin-off fand sich unter den diesjährigen Spieleneuheiten von Kosmos nun das Roll`n Write von My City, das natürlich auch wieder von Reiner Knizia entwickelt wurde. Als Verpackung dient ihm eine kleine, rechteckige Box mit der typischen My City-Covergestaltung, in der sich ein Block mit fast 200 doppelseitig bedruckten Spielblättern, 3 Würfel und die Regeln befinden.

Und wieder einmal treten Architekten an, um einzigartige Städte zu erschaffen. Doch nicht jeder Entwurf wird sich am Ende als wirklich durchdacht erweisen und so wird sich zeigen müssen, welche Stadt die gelungenste von allen ist.

Zur Vorbereitung einer Partie My City Roll & Write müssen lediglich die Würfel bereitgelegt und an jeden Spieler ein Blatt vom Block verteilt werden. Sobald sich dann noch alle mit Schreibgeräten bewaffnet haben, kann es auch schon losgehen. In jeder Runde würfelt ein Spieler mit allen 3 Würfeln. Die beiden blauen Würfel geben die Form des einzuzeichnenden Gebäudes vor, während der weiße Würfel den Gebäudetyp anzeigt. Für das Einzeichnen auf den Spielplänen gelten die aus dem Brettspiel bekannten Regeln. So muss das erste Gebäude neben den Fluss gebaut werden, alle weiteren Gebäude müssen an bestehende angrenzen, der Fluss, Gebirge und Wälder dürfen nicht überbaut werden, usw. Dabei kann jeder Spieler entscheiden, ob er ein Gebäude baut oder nicht. Passt er, muss er dies auf seinem Spielplan entsprechend ankreuzen. Ebenso kann jeder Spieler die Partie zu Beginn einer Runde nach dem Würfeln beenden. Sobald alle Spieler die Partie beendet haben, erfolgt eine Wertung. Nicht überbaute Bäume bringen Plus-, nicht überbaute Steine oder freie Felder bringen ebenso Minuspunkte wie angekreuzte Felder für das Passen. Wer die meisten Punkte hat, gewinnt die Partie.

My City Roll & Write ist wie auch das Brettspiel ein Kampagnenspiel, das über 12 Einzelpartien läuft. Allerdings ist man im Gegensatz zum Brettspiel nicht gezwungen, es als solches zu spielen, sondern kann auch ganz nach Lust und Laune nur einzelne der 12 Spiele spielen und diese dann auch mehrmals hintereinander. Jedes Spiel bringt dabei neue Zusatzregeln, welche den Spielverlauf modifizieren, so dass hier nie Langeweile aufkommt. Von daher ist dieses Roll`n Write eine mehr als gelungene Variante des klassischen My City, das sowohl für Neueinsteiger als auch für Kenner des Brettspiels geeignet ist. Als maximale Spielerzahl sind auf der Box zwar 6 Personen angegeben, doch spricht nichts dagegen, My City Roll & Write auch in größerer Runde zu spielen, da die Spieleranzahl eigentlich nur durch die Anzahl der Spielpläne auf dem Block wirklich limitiert ist.

Titel: My City Roll & Write
Autor: Reiner Knizia
Verlag: Kosmos

Gutenberg

Seit diesem Jahr findet sich das Strategiespiel Gutenberg des polnischen Verlages Granna in der deutschen Version im Vertriebsprogramm von Hutter. Die quadratische Box, welche dem Titel, der von den Autoren Katarzyna Cioch und Wojciech Wiśniewski entwickelt wurde, als Verpackung dient, präsentiert sich mit der Szenerie einer Druckerei der Renaissance auf dem Cover. Dieses wie auch das Artwork des übrigen Spielmaterials wurde von Rafal Szlapa gestaltet. Öffnen wir die Box, finden wir darin den Spielplan, 4 Tableaus, 4 Tafeln, 4 Sichtschirme, 81 Plättchen, 114 Karten, 8 Scheiben, 12 Steine, 32 Zahnräder, 55 Marker, 57 Münzen, einen Beutel und das Regelheft.

Im 15. Jahrhundert steckt der Buchdruck noch in den Kinderschuhen. Nur wenn Du Deine Aufträge zur Zufriedenheit der Kunden durchführst, Dir mächtige Gönner sicherst und Deine Werkstatt ständig verbesserst, wirst Du Dich am Ende gegen die Konkurrenz durchsetzen.

Zur Spielvorbereitung erhält jeder Spieler ein Druckereitableau, eine Planungstafel, einen Sichtschirm, ein Charakterplättchen, seine Spielermarker und -scheiben, 3 Abdeckplättchen für die Zahnräder, eine gewisse Anzahl Planungsmarker und 10 Gulden. Dann wird der Spielplan in die Tischmitte gelegt und gemäß Anleitung mit Karten, Zahnrädern, Tintentropfen und Spielerscheiben bestückt. Die übrigen Karten werden wie auch Geld, Lettern und Zahnräder griffbereit danebengelegt. Von den Stapeln mit den Auftrags- und Veredelungskarten werden je 10 aufgedeckt und neben den Spielplan gelegt. Beginnend mit dem Startspieler wählt sich reihum jeder eine Auftrags- und eine Veredlungskarte aus und legt sie neben sein Druckereitableau, dann wählt jeder in umgekehrter Reihenfolge eine zweite Kartenkombination. Die übrigen Karten werden abgelegt. Zuletzt wählt jeder Spieler noch 3 beliebige Lettern, dann kann die Partie starten. In jeder Runde führen die Spieler nacheinander 5 Schritte durch. Im ersten Schritt drehen sie an den Zahnrädern auf ihrem Druckereitableau. Daran schließt sich die Planungsphase an, in der die Spieler hinter dem Sichtschirm die Planungsmarker in ihre Planungstafel setzen. Anschließend werden die Sichtschirme entfernt und die Pläne ausgeführt. Es beginnt immer der, der für den jeweiligen Plan die meisten Planungsmarker eingesetzt hat, ansonsten geht es beginnend mit dem Startspieler reihum. In dieser Phase können die Spieler neue Aufträge annehmen, Tinte besorgen, Spezialisierungen entwickeln, ihre Druckerei durch Zahnräder verbessern oder Gunst erwerben. Im vierten Schritt erfüllen die Spieler ihre Aufträge, wenn sie die Bedingungen hierfür erfüllen und erhalten dadurch Geld und gegebenenfalls Ruhm und Sonderaktionen. In der abschließenden fünften Phase wird das Spielbrett wieder aufgefüllt und die nächste Runde beginnt. Nach 6 Runden erfolgt eine Endwertung. Wer die meisten Ruhmespunkte hat, gewinnt.

Um Gutenberg spielen zu können, braucht es zunächst einmal einen entsprechend großen Spieletisch, denn sowohl der Spielplan als auch die persönlichen Auslagen sind recht raumfüllend. Zum anderen sollte man Zeit mitbringen, denn die Spielvorbereitungen sind doch recht zeitintensiv und auch das Regelstudium vor der ersten Partie dauert. Hat man diese Hürden überwunden, hat man hier ein wirklich toll gemachtes Strategiespiel vor sich, bei dem man auch als inaktiver Spieler ständig gefordert ist. Denn man muss den Spielplan und die Aktivitäten der Mitspieler immer im Auge haben, um im Fall der Fälle seine Planungen für den eigenen Zug dann noch umzuwerfen, wenn einem mal wieder die erhoffte Karte vor der Nase weggeschnappt wurde. Was zudem begeistert, ist das mit extrem viel Liebe zum Detail gemachte Spielmaterial, das komplett ohne Plastik auskommt. Selbst die heute allseits üblichen Druckverschlussbeutel sucht man hier nämlich vergeblich. Stattdessen sind Karten und kleinteiliges Spielmaterial in als Truhen gestalteten Pappschächtelchen sicher verstaut.

Titel: Gutenberg
Autor: Katarzyna Cioch, Wojciech Wiśniewski
Verlag: Granna / Hutter

Kinderspiel des Jahres 2022 – Der Gewinner

Am gestrigen 20. Juni hat die Fachjury den Gewinner des Spielepreises Kinderspiel des Jahres 2022 bekanntgegeben. Es handelt sich um Zauberberg der Autoren Jens-Peter Schliemann und Bernhard Weber. Erschienen ist der Titel, der die Jury durch seinen attraktiven Spielaufbau und den innovativen Murmelmechanismus überzeugt hat, bei Amigo.

© Foto Amigo

Würfelfisch

Zu den Neuheiten, die der Noris Verlag 2022 vorgestellt hat, gehört auch das Würfelspiel Würfelfisch des Autors Christoph Cantzler, das wir uns heute einmal näher anschauen wollen. Geliefert wird es in einer kompakten, rechteckigen Box mit kindgerecht gestaltetem Cover. In ihr befinden sich 5 Würfelbecher, 21 Würfel und das Regelfaltblatt, womit auch schon das komplette Spielmaterial beschrieben wäre.

Unter Wasser herrscht Ruhe und alles geht gemächlich zu. Von wegen! Hier herrschen Trubel und turbulentes Treiben und am Ende wird nur der, der am schnellsten ist, der Sieger sein.

Großer Vorbereitungen für eine Partie Würfelfisch bedarf es nicht. Jeder erhält einen Würfelbecher und 3 Würfel, die er mit der U-Boot-Seite nach oben vor sich ablegt. Dann wird ein weiterer Würfel aus der Box geholt und gewürfelt und es kann losgehen. Auf ein gemeinsames Startzeichen würfeln alle Spieler so schnell wie möglich mit jeweils einem ihrer Würfel und versuchen so zu erreichen, dass am Ende alle ihre Würfel das Tier auf dem Würfel in der Tischmitte anzeigen. Sobald ein Spieler mit einem seiner Würfel das Tier erwürfelt hat, ruft er den Namen des Tiers und die Anzahl seiner Würfel, die es aktuell anzeigen. Würfelt er ein U-Boot muss er auch dies ansagen. Zeigen alle Würfel eines Spielers des Tier, ruft er „Auftauchen“. Jeder, der jetzt ein oder mehrere U-Boote vor sich liegen hat, muss einen seiner Würfel abgeben. Der Spieler, der „Auftauchen“ gerufen hat, erhält dagegen den Würfel aus der Tischmitte. Nun drehen wieder alle ihre Würfel mit dem U-Boot nach oben, mit einem neuen Würfel aus der Box wird ein neues Tier erwürfelt und die nächste Runde startet. Es gewinnt, wer als Erster 5 Würfel hat.

Würfelfisch ist in erster Linie ein Kinderspiel, doch dieser extrem schnelle und extrem chaotische Würfelspaß eignet sich durchaus auch für Erwachsene als Partyspiel. Hier geht es letztlich nur darum, möglichst schnell das gesuchte Tier zu erwürfeln und dabei darauf zu achten, dass man auch alle U-Boote in der eigenen Auslage eliminiert, bevor irgendjemand „Auftachen“ ruft. Das ist natürlich ein reines Glücksspiel, doch mit der passenden Runde sind die Lacher garantiert und bei der eigentlichen Zielgruppe von Kindern ab 5 Jahren sorgt dieses einfache, schnell erlernbare Spiel sicherlich für sehr viel Spielspaß bei hohem Wiederspielwert.

Titel: Würfelfisch
Autor: Christoph Cantzler
Verlag: Noris

Qwixx Double

Das Würfelspiel Qwixx des Autors Steffen Benndorf feiert dieses Jahr sein 10-jähriges Jubiläum. Seit der Vorstellung im Jahr 2012 hat sich das Spiel dabei mittlerweile weltweit mehr als 1 Million Mal verkauft. Grund genug also, dieses Jubiläum ausgiebig mit einer neuen Variante des Klassikers zu feiern. Zusammen mit Reinhard Staupe hat Steffen Bendorf Qwixx Double entwickelt, das wie üblich beim Nürnberger Spielkarten-Verlag erscheinen und Ende Juni 2022 in den Handel kommen wird. Es gibt zugleich einen Ausblick auf die limitierte 10 Jahre Qwixx-Edition, die im Herbst herauskommen wird und eine Kollektion des klassischen Qwixx und seiner beliebtesten Zusatzvarianten Bonus, Gemixxt und Longo darstellt, welche auch abwischbare Spieltableaus enthält.

Qwixx Double ist eine Erweiterung für das Originalspiel, das man zum Spielen benötigt. Dessen Grundregeln bleiben weitgehend unverändert und werden, je nachdem mit welchem der beiden neuen Spielblöcke, die diese Variante bringt, man spielt, nur leicht modifiziert. So kann man bei den beiden neuen Spielblöcken eine Farbreihe erst abschließen, wenn man mindestens 7 Kreuze in einer Reihe gemacht hat. Dafür ist es auf Block A möglich, in kleine Zusatzfelder unter die aktuell vorderste Zahl einer Farbreihe ein weiteres Kreuz zu setzen, auf Block B gibt es dagegen in jeder Farbreihe 4 Doppelfelder, in die man immer je 2 Kreuze setzen kann.

Mit den beiden neuen Spielblöcken kommt einmal mehr Abwechslung ins klassische Qwixx. Auch diese Variante ist nicht minder anspruchsvoll als das Grundspiel und bietet jedem Freund von kniffligen Würfelspielen extrem viel Spielspaß bei hohem Wiederspielwert. Denn auch hier will wieder sehr genau überlegt sein, wann man wo eine Zahl in einer Farbreihe ankreuzt, oder ob es nicht vielleicht besser ist, auszusetzen. Für jeden Fan des klassischen Qwixx ist diese Erweiterung, die zudem auch mit einem sehr günstigen UVP von 4,90 Euro punkten kann, daher mehr als zu empfehlen, um sich die Wartezeit auf die Jubiläumsedition im Herbst zu verkürzen.

Titel: Qwixx Double
Autoren: Steffen Benndorf, Reinhard Staupe
Verlag: Nürnberger Spielkarten-Verlag

Tiefseeabenteuer

Schon etwas länger im Programm von Oink Games ist das semi-kooperative Spiel Tiefseeabenteuer des Autorenduos Jun und Goro Sasaki. Wie bei den Spielen dieses Verlages üblich, ist die Box wieder einmal extrem kompakt und diesmal so klein, dass man sie bequem auch in der Jackentasche unterbringt. In ihr befinden sich 6 Figuren, 2 Würfel, 1 Marker, 48 Chips, ein U-Boot-Plättchen und die Regelfaltblätter in mehreren Sprachen.

Tief auf dem Grund des Meeres liegen Schätze, die nur darauf warten, geborgen zu werden. Und so machen sich einige wagemutige Abenteurer mit ihrem U-Boot auf, die Tiefsee zu erforschen. Doch die Sauerstoffvorräte sind begrenzt und so gilt es, für jeden genau abzuwägen, wann man sich denn am besten zurück auf den Weg ins sichere U-Boot macht.

Eine Partie Tiefseeabenteuer ist schnell vorbereitet. Das U-Boot wird in der Tischmitte platziert, der Marker für den Sauerstoff auf die 25 gelegt und die Spielerfiguren ebenfalls auf das U-Boot gestellt. Dann werden noch die Entdeckungschips nach Leveln getrennt verdeckt gemischt und gemäß Anleitung an das U-Boot angelegt, Würfel und leere Chips bereitgelegt und es kann auch schon losgehen. In seinem Zug muss der jeweils aktive Spieler 4 Phasen abhandeln. In Phase 1 verringert er den Sauerstoff um 1 für jeden Schatz, den er in dieser Runde gesammelt hat. In Phase 2 entscheidet er, ob er tiefer taucht oder zum U-Boot zurückkehrt, wobei letzteres nur einmal pro Runde gemacht werden kann. In der dritten Phase würfelt er mit beiden Würfeln und bewegt seine Figur die entsprechende Anzahl Chips vor bzw. zurück, wobei von anderen Spielern besetzte Chips übersprungen werden und jeder gesammelte Schatz das Würfelergebnis um 1 reduziert. Bewegt er sich in Phase 3 vorwärts, kann er in Phase 4 entscheiden, nichts zu tun, den Entdeckungschip, auf dem er steht, einzusammeln und durch einen leeren Chip zu ersetzen, oder, falls er auf einem leeren Chip landet, einen bereits gesammelten Chip wieder abzulegen. Die Runde endet, wenn alle Spieler es zurück ins U-Boot geschafft haben oder falls der Sauerstoff ausgeht. Wer es rechtzeitig ins U-Boot geschafft hat, deckt seine gesammelten Chips auf und behält diese bis zum Ende des Spiels. Wer es nicht geschafft hat, legt seine Chips beginnend mit dem Spieler, der am weitesten vom U-Boot entfernt ist, als Dreierstapel ans Ende der Schatzlinie. Sie gelten im weiteren Spielverlauf als ein einziger Chip. Nun werden die leeren Chips aus der Schatzlinie entfernt, der Sauerstoffmarker wieder auf 25 geschoben, die Spielerfiguren alle zurück ins U-Boot gestellt und die nächste Runde startet. Wer nach Ende der dritten Runde die meisten gesammelten Schätze hat, gewinnt.

Auch dieses zweite Spiel, das wir von Oink Games getestet haben, hat es getreu dem Motto „Klein aber oho“ mal wieder in sich. Hier muss man sich wirklich ganz genau überlegen, wie tief man tauchen und wie viele Schätze man dabei einsammeln will. Und man muss natürlich ganz genau beobachten, was die Mitspieler machen. Denn jeder eingesammelte Schatz verringert den Sauerstoffvorrat. Von daher kann man dieses Spiel mit Fug und Recht als semi-kooperativ bezeichnen, denn wenn hier jeder nur egoistisch Schätze anhäuft, schafft es am Ende keiner mehr zurück ins U-Boot. Uns hat Tiefseeabenteuer jedenfalls extrem viel Spaß gemacht und durch seine wirklich kompakte Größe ist es auch geradezu prädestiniert als kleines Spiel für unterwegs, oder um im Urlaubsgepäck Platz zu finden.

Titel: Tiefseeabenteuer
Autoren: Jun Sasaki, Goro Sasaki
Verlag: Oink Games

Paper Dungeons

Zu den Neuheiten, die der Grimspire Verlag letzten Herbst herausgebracht hat, zählt auch das Roll`n Write Paper Dungeons. Ganz zur Dungeon-Thematik passend präsentiert sich denn auch das Cover der Box dieses von Autor Leandro Pires entwickelten Taktikspiels. In ihrem Inneren finden wir sicher verstaut das Spielmaterial, das aus einem Block mit Spielbögen, 6 Würfeln, 8 Stiften, 72 Karten und dem Anleitungsheft besteht.

Ein kleine Schar tapferer Helden hat sich aufgemacht, Dungeons voller Fallen und Monster zu erkunden. Je tiefer sie vordringen und je mehr Kämpfe sie ausfechten, desto besser werden dabei ihre Fähigkeiten und desto mehr Schätze können sie plündern. Doch erst am Ende wird sich zeigen, welche der Heldengruppen bei ihren Abenteuern am erfolgreichsten war.

Zur Spielvorbereitung erhält zunächst jeder Spieler einen Spielbogen und einen Stift. Danach werden die Dungeonkarten gemischt, eine von ihnen gezogen und die entsprechenden Anweisungen auf ihr abgehandelt. Sie gibt auch vor, wie der Dungeon aufgebaut ist und welche Bosskarten ausgelegt werden müssen. Anschließend werden noch 3 zufällige allgemeine Auftragskarten gezogen und offen ausgelegt und an jeden Spieler verdeckt je 2 Fähigkeits- und persönliche Auftragskarten ausgegeben, von denen die Spieler jeweils eine auswählen und die andere abwerfen. Sobald auch noch die Würfel bereitgelegt sind, kann es losgehen. Eine Partie Paper Dungeons besteht aus 8 Runden. In jeder Runde werden zunächst die Würfel geworfen und dann wählen die Spieler aus den 6 Würfeln 3 aus, deren Aktionen sie nutzen wollen. Dies kann das Aufleveln ihrer Helden, das Herstellen magischer Gegenstände oder von Heiltränken oder das Bewegen im Dungeon bedeuten. Letzteres kann wiederum dazu führen, dass Ereignisse ausgelöst werden, je nachdem, welchen Raum man betritt. Am Ende der 3., 6. und 8. Runde führen die Spieler, die bis dahin den Raum mit dem jeweiligen Bossmonster durchquert haben, einen Bosskampf aus, wodurch Schaden erlitten und Ruhm gewonnen werden kann. Nach Ende der 8. Runde erfolgt eine Schlusswertung, bei der alle im Laufe der Partie gewonnenen Punkte addiert und Mali abgezogen werden. Der Spieler mit den meisten Punkten gewinnt.

Paper Dungeons setzt das Konzept eines Rollenspielabenteuers, bei dem eine Heldengruppe einen Dungeon erkundet, wirklich perfekt ins Roll`n Write-Format um. Dass dabei jeder Einzelspieler gleich eine komplette Heldengruppe steuert und sich überlegen muss, wie er deren Fähigkeiten am besten weiterentwickelt, macht das Ganze noch ein wenig anspruchsvoller. Hier will wirklich jeder Zug gut überlegt sein und man muss auch immer im Auge behalten, was die Mitspieler so treiben, denn sonst sind manche fest einplanten Boni schneller weg, als man denkt. Trotz allem sind die Spielregeln aber leicht und schnell erlernt, so dass hier Spielspaß bei hohem Wiederspielwert garantiert ist.

Titel: Paper Dungeons
Autor: Leandro Pires
Verlag: Grimspire

Dollars Wanted

Vor kurzem erreichte uns eine weitere 2022er-Neuheit aus dem umfangreichen Frühjahrsneuheitenpaket von Hutter und zwar das Kartenspiel Dollars Wanted des Autorenduos Anna Oppolzer und Stefan Kloß. Es kommt in einer sympathisch gestalteten, rechteckigen, sehr kompakten Box daher, in der sich 120 Karten und das mehrsprachige Regelheftchen befinden.

Im wilden Westen herrschen raue Sitten. Und so machen sich die Banditen auf, mit Colt, Spitzhacke, Dynamit und Brecheisen, so viel Geld wie möglich zu ergaunern.

Bevor eine Partie Dollars Wanted starten kann, werden die Gebäudekarten gemischt und dann als 3 offene Stapel à 6 Karten in die Tischmitte gelegt. Die übrigen Karten werden ebenfalls gemischt und als verdeckter Nachziehstapel bereitgelegt, von dem jeder Spieler 6 Karten auf die Hand bekommt. Sobald ein Startspieler bestimmt ist, kann es dann auch schon losgehen. Der aktive Spieler muss in seinem Zug 2 seiner Handkarten verdeckt rechts an einen der Gebäudekarten-Stapel anlegen. Danach kann er optional eines der Gebäude ausrauben. Dazu ruft er „Dollars Wanted“ und deckt die Karten von links nach rechts auf. Sind genügend Banditenkarten mit den passenden Symbolen für das Gebäude vorhanden, erhält der Spieler es und legt es mit der Dollar-Seite nach oben vor sich ab. Sind nicht genügend passende Banditenkarten vorhanden oder können aufgrund der Effekte von Sonderkarten nicht gewertet werden, geht der Spieler leer aus. Die Partie endet, sobald der erste Gebäudestapel aufgebraucht ist. Es gewinnt, wer die meisten Dollars erbeutet hat.

Dollars Wanted ist ein sehr einfaches, schnelles Kartenspiel mit extrem hohem Glücksfaktor. Dadurch dass nämlich alle Spieler ihre Karten verdeckt anlegen, weiß am Ende niemand wirklich, was ihn erwartet, wenn er die Karten aufdeckt. Schon eine Geier- oder Kojoten-Karte kann hier den sicher geglaubten Raubzug vereiteln. Mal ganz abgesehen davon, dass man recht schnell den Überblick darüber verliert, welche Karten man selbst angelegt hat. Wer Kartenspiele mit Glückfaktor mag, kommt hier voll auf seine Kosten und wird auch nach mehreren Partien den Spaß am Spiel nicht verlieren.

Titel: Dollars Wanted
Autoren: Anna Oppolzer, Stefan Kloß
Verlag: Hutter

Chinchiller Dice

Auf der SPIEL `21 sind wir über das Würfelspiel Chinchiller Dice des Autors Andreas Preiss gestolpert, das beim Verlag Loosey Goosey erschienen ist. Da es ganz witzig gemacht schien, haben wir es heute einmal genauer unter die Lupe genommen. Als Verpackung dient eine kleine, rechteckige Box, die allerdings im Hinblick auf den Inhalt, dann doch etwas überdimensioniert erscheint. Das Spielmaterial besteht nämlich aus 2 Würfeln, 85 Markern und 2 Regelfaltblättern in deutsch und englisch.

Hier werden dreistes Bluffen und blindes Vertrauen belohnt und es kommt auch auf`s Timing an. Schließt Du Deine Augen nämlich zu früh, werden Dich Deine Mitspieler um Deine Punkte betrügen. Schließt Du sie zu spät, musst Du die Punkte bezahlen, die andere erwürfeln.

Zu Beginn einer Partie Chinchiller Dice erhalten alle Spieler jeweils 24 Sand-Marker aus dem Vorrat. Die restlichen Sand-Marker und Würfel werden bereitgelegt und dann kann es auch schon losgehen. Der jeweils aktive Spieler würfelt beide Würfel. Zeigen sie eine Zahl, kann er sich entscheiden, eine entsprechende Menge Sand vom Vorrat zu nehmen und seinen Zug zu beenden, oder beide Würfel beliebig oft nochmals zu würfeln. Sollte einer der Würfel ein Sondersymbol (x2 oder ein Chinchiller) zeigen, kann er nicht nochmal gewürfelt werden. Würfelt ein Spieler zweimal die x2 endet sein Zug sofort, würfelt er 2 Chinchiller oder ein Chinchiller und eine x2 muss er für den Rest des Spiels ein Auge zukneifen. Passiert ihm dies zum zweiten Mal, muss er auch das andere Auge zukneifen und spielt ab sofort blind. Ist er nun am Zug, würfelt er nur noch einmal und sein nächster noch sehender Nachbar zur linken sagt ihm an, was erwürfelt wurde. Der blinde Spieler kann dies glauben und erhält dann die entsprechende Menge Sand oder das Ergebnis anzweifeln. Hat sein Nachbar wahrheitsgemäß geantwortet, verliert der blinde Spieler eine entsprechende Menge Sand aus seinem eigenen Vorrat an den anderen Spieler, hat dieser gelogen, muss er dem blinden Spieler die dem Würfelergebnis entsprechende Menge Sand aus seinem Vorrat geben und ab sofort selbst ein Auge zukneifen. Das Spiel endet, wenn alle Spieler blind sind. Es gewinnt, wer den meisten Sand hat.

Chinchiller Dice ist ein wirklich witziges, schnelles, kleines Würfelspiel, das ideal für Parties ist. Spätestens, wenn die ersten Spieler ein oder gar beide Augen zukneifen müssen, sind hier die Lacher garantiert. Durch das Spielmaterial ist die Spielerzahl leider auf maximal 5 Spieler begrenzt, doch kann man es durch die Kombination mehrerer Boxen durchaus auch in größerer Runde spielen. Einziger Kritikpunkt ist die eingangs bereits erwähnte Verpackung, die mehr Luft als Spielmaterial enthält. Eine halb so große Schachtel hätte es hier auch getan, vor allem weil man das Spiel dann problemlos auch in der Jackentasche hätte transportieren können.

Titel: Chinchiller Dice
Autor: Andreas Preiss
Verlag: Loosey Goosey