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Stuttgarter Messeherbst 2022

Wie alle Jahre Mitte November fand auch dieses Jahr vom 17. bis 21. November wieder der Stuttgarter Messeherbst statt. Stand die letztjährige Ausgabe noch ganz im Schatten der Corona-Pandemie, waren dieses Jahr praktisch alle Beschränkungen gefallen, so dass wieder deutlich mehr Besucher den Weg zur Landesmesse am Stuttgarter Flughafen fanden. Am Ende konnten die Veranstalter rund 105.000 Besucher in den vier Tagen zählen, denen die acht Messen mit ihren rund 850 Ausstellern und ein buntes Rahmenprogramm einen abwechslungsreichen Messebesuch boten.

Erster Anlaufpunkt für uns war natürlich einmal mehr die Halle 1, in der neben der Kreativ traditionell auch die Spielemesse ihren Standort hat. Deren Fläche war dieses Jahr leider einmal mehr deutlich geschrumpft, muss sie sich diese doch mit den Modellbahnern und -bauern teilen. Hier sollten sich die Veranstalter für die Zukunft einmal Gedanken machen, ob man die beiden Bereiche, die thematisch nicht wirklich etwas miteinander zu tun haben, nicht wieder wie früher trennen sollte. Dass das Spielehobby nämlich ein Publikumsmagnet ist und ständig an Bedeutung gewinnt, sah man auf der verbliebenen Restfläche mehr als deutlich. Hier war der Andrang ungebrochen, so dass schon kurz nach Messeöffnung praktisch alle Tische der Spieleinsel besetzt waren und spätestens mittags in den Gängen zwischen den Ständen der Verlage und Spielehändler, an denen die Fans sich über Neuheiten informierten und nach Schnäppchen jagten, drangvolle Enge herrschte. Zu den ausstellenden Verlagen gehörte 2022 erfreulicherweise auch wieder der Kosmos Verlag, der dieses Jahr sein 200-jähriges Jubiläum feiert. Daneben waren unter anderem Hutter, Amigo, Queen Games, Heidelbär und die Verlage der Spieleoffensive neben einigen Kleinverlagen vertreten, während andere, die 2021 noch an der Spielemesse teilgenommen hatten, dieses Jahr in Stuttgart keine Präsenz mehr zeigten.

Alles in allem fällt unser Fazit dieses Jahr also etwas zwiespältig aus und es bleibt abzuwarten, wie sich die Spielemesse in Stuttgart weiterentwickeln wird. Der Messeherbst an sich bleibt nichtsdestotrotz einen Abstecher nach Stuttgart wert, bieten doch die anderen Messen, zu denen dieses Jahr erstmal auch die Blasorchester-Messe BRAWO gehörte, wie auch das Rahmenprogramm mehr als genug Abwechslung, so dass wir uns den 23. bis 26. November 2023, wenn die nächste Ausgabe des Messeherbstes stattfinden wird, schon vorgemerkt haben.

Buchmesse 2022

Vom 19. bis 23. Oktober fand die 74. Ausgabe der Frankfurter Buchmesse statt. Nach einer noch sehr reduzierten Veranstaltung im letzten Jahr waren dieses Jahr schon wieder über 4000 Aussteller aus insgesamt 95 Ländern anwesend und auch die Besucherzahlen bewegten sich wieder in Richtung des Vor-Corona-Niveaus. So besuchten in den fünf Tagen rund 93.000 Fachbesucher und 87.000 Privatbesucher die Messehallen in der Main-Metropole, womit sich die Zahlen gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppelt haben. Dies mag nicht zuletzt auch am diesjährigen Ehrengast Spanien gelegen haben, der sich unter dem Motto „Sprühende Kreativität“ dem Publikum präsentierte und für eine Premiere sorgte. Das spanische Königspaar eröffnete nämlich nicht nur die Buchmesse, sondern nutzte seinen Staatsbesuch in Deutschland am 19. Oktober auch für einen Rundgang durch Halle 4.1, wo die spanischen Verlage ihre Stände hatten.

Auch die Spieleverlage haben dieses Jahr wieder vermehrt den Weg zurück nach Frankfurt gefunden. So war nicht nur der Moses Verlag wieder mit einem großen Stand präsent, auch Schmidt Spiele war wieder vertreten und auch Kosmos zeigte heuer an seinem Stand neben seinem Buchprogramm auch wieder Teile seines umfangreichen Spieleangebotes. Da Spiele in vielen Buchläden und vor allem bei den großen Buchhandelsketten mittlerweile fester Teil des Ladenkonzeptes sind, ist daher davon auszugehen, dass sich der durch Corona unterbrochene Trend fortsetzen wird und sich in Zukunft noch weitere Spieleverlage in Frankfurt den Besuchern präsentieren werden, ist doch dort ein gänzlich anderes Publikum vertreten als auf der SPIEL.

Trotz der momentanen Krisenlage hat sich die weltgrößte Buchmesse eindrucksvoll zurückgemeldet, so dass man schon gespannt sein darf, was uns zum 75. Jubiläum im nächsten Jahr erwarten wird. Gastland der Buchmesse, die vom 18. bis 22. Oktober 2023 stattfinden wird, wird dann Slowenien sein.

Allie Gator

Unter den 2022er-Frühjahrsneuheiten des Stuttgarter Kosmos-Verlages fand sich auch das Kartenspiel Allie Gator des Autors Klaus Kreowski, das wir uns heute mal etwas genauer anschauen wollen. Geliefert wird es in einer kompakten, rechteckigen Box mit recht düsterem Coverdesign, welche auch gleich Teil des Spielmaterials ist. Dieses umfasst zudem noch 88 Karten, 3 Tableaus, einen Chip, 4 Punktezähler mit je 3 farblich passenden Zähnen und das Regelfaltblatt.

Allie Gator liegt im Schilf auf der Lauer und wartet auf ihr nächstes Opfer. Glücklicherweise habt ihr schöne Dinge dabei, um sie abzulenken. Doch nicht immer hat man das passende Objekt zur Hand und dann schnappt Allie gnadenlos zu!

Zum Beginn der Partie erhält jeder Spieler einen Punktezähler mit den zugehörigen Zähnen. Dann wird die Box aufgeklappt als Spielfeld in der Tischmitte platziert, die Karten gemischt, als Nachziehstapel bereitgelegt und jeweils eine Karte offen auf die beiden Zielfelder, sowie der Chip auf einen der entsprechenden Platzhalter im Spielfeld gelegt. Anschließend erhalten alle Spieler 5 Karten vom Nachziehstapel auf die Hand, die Tableaus werden bereitgelegt und die Partie kann starten. In seinem Zug muss der aktive Spieler entweder eine seiner Handkarten ausspielen oder, wenn er dies nicht kann oder will, die Karten, die unterhalb des Chips liegen nehmen, offen vor sich ablegen und, nachdem er den Chip ins andere Platzhalterfeld verschoben hat, das freie Zielfeld mit einer neuen Zahlenkarten von seiner Hand bestücken. Spielt der Spieler dagegen eine seiner Handkarten, so muss er eine Zahlenkarte unterhalb einer der beiden Zielkarten ablegen. Ihr Wert muss dabei kleiner als der der Zielkarte, aber höher als der der Karte, die ggf. schon unterhalb der Zielkarte liegt, sein. Spielt er dagegen eine Sonderkarte aus, legt er diese offen vor sich ab und führt deren Aktion aus. Am Ende seines Zuges zieht er wieder auf 5 Handkarten auf. Sobald die letzte Karte vom Nachziehstapel gezogen wurde, wird noch so lange weitergespielt, bis ein Spieler die Karten unterhalb des Chips nehmen muss. Nun zählen alle Spieler die Karten, die sie offen vor sich liegen haben. Wer die wenigsten hat, setzt den Zweierzahn in seinen Punktezähler ein, wer die zweitwenigsten Karten hat, den Einerzahn. Das Spiel endet, sobald ein Spieler „die Schnauze voll hat“, also alle 3 Zähne in seinen Punktezähler eingesetzt hat. Die Spieler zählen nun die Werte ihrer Zähne zusammen. Wer die meisten Punkte hat, gewinnt.

Wir waren zugegeben anfangs etwas skeptisch, als Allie Gator vor uns auf dem Tisch lag, doch war diese Skepsis schnell verflogen. Wir haben hier ein wirklich witziges, schnelles Kartenspiel vor uns, das einfache, leicht verständliche Regeln aufweist und bei dem man seinen Mitspielern nach Herzenslust eine reinwürgen kann, wenn man ihnen die Möglichkeit verbaut, die eigenen Karten loszuwerden und sie zwingt, die Auslage zu nehmen, was teils massig Minuspunkte bringen kann. Von daher ist Allie Gator, das nicht zuletzt auch durch das schön gestaltete Spielmaterial, mit einer sehr angenehmen Haptik der Karten punkten kann, auch etwas für Leute, die sonst mit Kartenspielen nichts am Hut haben.

Titel: Allie Gator
Autor: Klaus Kreowski
Verlag: Kosmos

Spiel des Jahres 2022 – Die Gewinner

Seit Samstag, den 16. Juli stehen nun auch die Gewinner der Spielepreise Spiel des Jahres und Kennerspiel des Jahres fest. Zum Spiel des Jahres 2022 hat die Fachjury Cascadia des Autors Randy Flynn gewählt, das bei AEG erschienen ist und sich in der deutschen Version im Vertriebsprogramm von Kosmos findet.

© Foto Kosmos

© Foto Thomas Ecke / Spiel des Jahres

Kennerspiel des Jahres 2022 ist dagegen Living Forest von Aske Christiansen, das bei Pegasus erschienen ist.

© Foto Pegasus

© Foto Thomas Ecke / Spiel des Jahres

Die Preisverleihung erfolgte im Rahmen einer Feierstunde in Berlin, die dieses Jahr endlich wieder in großem Rahmen begangen werden konnte, nachdem coronabedingt die letzten beiden Jahre nur sehr kleine Veranstaltungen möglich waren.

© Foto Thomas Ecke / Spiel des Jahres

My City Roll & Write

Vor einiger Zeit hatten wir hier ja schon das Legacy-Spiel My City des bekannten Autors Reiner Kinizia vorgestellt, das bei Kosmos erschienen ist. Sozusagen als Spin-off fand sich unter den diesjährigen Spieleneuheiten von Kosmos nun das Roll`n Write von My City, das natürlich auch wieder von Reiner Knizia entwickelt wurde. Als Verpackung dient ihm eine kleine, rechteckige Box mit der typischen My City-Covergestaltung, in der sich ein Block mit fast 200 doppelseitig bedruckten Spielblättern, 3 Würfel und die Regeln befinden.

Und wieder einmal treten Architekten an, um einzigartige Städte zu erschaffen. Doch nicht jeder Entwurf wird sich am Ende als wirklich durchdacht erweisen und so wird sich zeigen müssen, welche Stadt die gelungenste von allen ist.

Zur Vorbereitung einer Partie My City Roll & Write müssen lediglich die Würfel bereitgelegt und an jeden Spieler ein Blatt vom Block verteilt werden. Sobald sich dann noch alle mit Schreibgeräten bewaffnet haben, kann es auch schon losgehen. In jeder Runde würfelt ein Spieler mit allen 3 Würfeln. Die beiden blauen Würfel geben die Form des einzuzeichnenden Gebäudes vor, während der weiße Würfel den Gebäudetyp anzeigt. Für das Einzeichnen auf den Spielplänen gelten die aus dem Brettspiel bekannten Regeln. So muss das erste Gebäude neben den Fluss gebaut werden, alle weiteren Gebäude müssen an bestehende angrenzen, der Fluss, Gebirge und Wälder dürfen nicht überbaut werden, usw. Dabei kann jeder Spieler entscheiden, ob er ein Gebäude baut oder nicht. Passt er, muss er dies auf seinem Spielplan entsprechend ankreuzen. Ebenso kann jeder Spieler die Partie zu Beginn einer Runde nach dem Würfeln beenden. Sobald alle Spieler die Partie beendet haben, erfolgt eine Wertung. Nicht überbaute Bäume bringen Plus-, nicht überbaute Steine oder freie Felder bringen ebenso Minuspunkte wie angekreuzte Felder für das Passen. Wer die meisten Punkte hat, gewinnt die Partie.

My City Roll & Write ist wie auch das Brettspiel ein Kampagnenspiel, das über 12 Einzelpartien läuft. Allerdings ist man im Gegensatz zum Brettspiel nicht gezwungen, es als solches zu spielen, sondern kann auch ganz nach Lust und Laune nur einzelne der 12 Spiele spielen und diese dann auch mehrmals hintereinander. Jedes Spiel bringt dabei neue Zusatzregeln, welche den Spielverlauf modifizieren, so dass hier nie Langeweile aufkommt. Von daher ist dieses Roll`n Write eine mehr als gelungene Variante des klassischen My City, das sowohl für Neueinsteiger als auch für Kenner des Brettspiels geeignet ist. Als maximale Spielerzahl sind auf der Box zwar 6 Personen angegeben, doch spricht nichts dagegen, My City Roll & Write auch in größerer Runde zu spielen, da die Spieleranzahl eigentlich nur durch die Anzahl der Spielpläne auf dem Block wirklich limitiert ist.

Titel: My City Roll & Write
Autor: Reiner Knizia
Verlag: Kosmos

Spiel des Jahres 2022 – Die Nominierten

Der Verein Spiel des Jahres hat gestern die diesjährigen Nominierten seiner renommierten Spielepreise veröffentlicht.

Für das Spiel des Jahres 2022 sind nominiert:

Cascadia von Randy Flynn (Flatout Games / AEG / Kosmos)

© Foto Kosmos

Scout von Kei Kajino (Oink Games)

© Foto Oink Games

Top Ten von Aurélien Picolet (Cocktail Games)

© Foto Cocktail Games

 

Die Nominierten für das Kinderspiel des Jahres 2022 sind:

Auch schon clever von Wolfgang Warsch (Schmidt)

© Foto Schmidt

Mit Quacks & Co. nach Quedlinburg von Wolfgang Warsch (Schmidt)

© Foto Schmidt

Zauberberg von Jens-Peter Schliemann und Bernhard Weber (Amigo)

© Foto Amigo

 

Zum Kennerspiel des Jahres 2022 schließlich sind nominiert:

Cryptid von Hal Duncan und Ruth Veevers (Osprey Games / Skellig Games)

© Foto Skellig Games

Dune: Imperium von Paul Dennen (Dire Wolf)

© Foto Dire Wolf

Living Forest von Aske Christiansen (Pegasus)

© Foto Pegasus

Die Gewinner der Kategorien Spiel und Kennerspiel des Jahres 2022 werden am 16. Juli bekanntgegeben werden. Das Kinderspiel des Jahres 2022 wird dagegen bereits am 20. Juni gekürt.

Kingsbridge – Das Spiel

Eine der Neuheiten, die Kosmos auf der letztjährigen SPIEL 21 in Essen vorgestellt hatte, ist das Kartenspiel Kingsbridge – Das Spiel des Autors Wolfgang Kramer, für das die fiktive Stadt Kingsbridge aus dem Erfolgsroman Die Säulen der Erde von Ken Follett den Aufhänger liefert. Die in einem dezenten, dunklen Blauton gehaltene, rechteckige Box vermittelt einem denn auch gleich eine leicht mittelalterliche Stimmung. In ihrem Innern finden wir insgesamt 120 Karten und ein Regelheft, womit auch schon das gesamte Spielmaterial aufgezählt wäre.

Wir schreiben das Jahr 997. Wikinger haben den Hafenort Combe nahezu zerstört. Seine Einwohner machen sich daher daran, eine neue Stadt zu errichten, die bald unter dem Namen Kingsbridge bekannt werden wird.

Zu Spielbeginn werden die 6 Reihenkarten nebeneinander in die Tischmitte gelegt und die Storykarten verdeckt gemischt. Auf jede Reihenkarte wird nun eine Storykarte offen abgelegt. Danach werden die übrigen Storykarten verdeckt an die Mitspieler verteilt. Sobald jeder von seinem persönlichen Nachziehstapel 6 Karten auf die Hand gezogen hat, kann die Partie starten. Der aktive Spieler kann in seinem Zug beliebig viele seiner Handkarten an die Reihenkarten anlegen. Dabei muss er die Zahlenwerte der Karten allerdings immer lückenlos und aufsteigend anlegen, wobei er die Kartenreihen auch umbauen und verschieben darf. Sobald eine komplette Zahlenreihe von 1 bis 13 an einer Reihenkarte anliegt, werden die Karten entfernt und der aktive Spieler legt eine beliebige seiner Handkarte als neue Startkarte an die Reihenkarte. Am Ende seines Zuges zieht er wieder auf 6 Handkarten auf und der nächste Spieler ist an der Reihe. Hat ein Spieler so alle seine Karten angelegt, gewinnt er die Partie.

Kingsbridge – Das Spiel nimmt die grundlegenden, klassischen Spielmechanismen einer Patience gekonnt auf und interpretiert sie für ein Mehrpersonenspiel neu. Von daher bietet das Spiel – gerade für Kartenspielexperten – regeltechnisch wenig Neues, sondern präsentiert sich eher grundsolide und gut gemacht. Was auf jeden Fall gefällt, sind die schön gestalteten Karten, die in der richtigen Reihenfolge angeordnet die Geschichte von Kingsbridge erzählen und damit vielleicht manch einen Spieler, der die Säulen der Erde noch nicht gelesen hat, ermuntern, in die Lektüre des Bestsellers von Follett einzusteigen.

Titel: Kingsbridge – Das Spiel
Autor: Wolfgang Kramer
Verlag: Kosmos

Cartaventura – Vinland

Zu den Neuheiten, die Kosmos für das Frühjahr 2022 vorgestellt hat, gehört auch die deutsche Version der Cartaventura-Spielreihe des französischen Verlages Blam!. Wir haben in Form von Vinland, das von den Autoren Thomas Dupont (Spielidee) und Arnaud Ladagnous (Szenario) entwickelt wurde, einen ersten Vertreter dieser Erzählkartenspiele einmal genauer unter die Lupe genommen. Geliefert werden die Cartaventura-Spiele in einer äußerst kompakten, quadratischen Box, in der sich 70 Spielkarten und das historische Beiheft zum jeweiligen Abenteuer finden.

Leif Eriksson, der Sohn von Erik dem Roten, macht sich auf, den Ruf seines Vaters wiederherzustellen. Welche Abenteuer werden ihn auf seiner Reise wohl erwarten?

Für eine Partie Cartaventura bedarf es keiner großen Vorbereitungen. Die Karten müssen lediglich aus der Box genommen werden und dann erklären die Kartentexte, was zu tun ist. Im Laufe einer Partie, die entweder alleine oder auch in einer Gruppe gespielt werden kann, füllt sich so der Spieltisch nach und nach mit Karten, die immer wieder Entscheidungsmöglichkeiten bieten. Je nachdem, welche Entscheidung man trifft, werden neue Karten aufgedeckt, vorhandene entfernt oder Aktionen ausgelöst. Dadurch entwickelt sich langsam eine Geschichte, durch die man den Charakter führt.

Cartaventura – Vinland ist ein kurzweiliges und sehr gut gemachtes Karten-Erzählspiel, wobei es hier ganz klar weniger darum geht, wirklich zu spielen, sondern eine Geschichte zu entwickeln und sie zu erleben. Von der Theorie her kann man ein solches Erzählspiel natürlich mit unbegrenzt vielen Personen spielen, aber schon bei unserer Vierertestrunde kamen dann bei jeder Entscheidung Diskussionen auf, welchen Weg man denn nun einschlagen sollte. Von daher ist Cartaventura eher als Solospiel geeignet. Die Spielidee an sich hat uns jedenfalls sehr gut gefallen und wir werden daher auch noch die beiden anderen Abenteuer Oklahoma und Lhasa in Zukunft einmal durchspielen.

Titel: Cartaventura – Vinland
Autoren: Thomas Dupont, Arnaud Ladagnous
Verlag: Kosmos

Lost Cities

Unter den vielen Titeln, die der Erfolgsautor Reiner Knizia in den letzten Jahren herausgebracht hat, findet sich auch das Roll`n Write Lost Cities, das beim Stuttgarter Kosmos Verlag erschienen ist. Da der Autor dieser Zeilen ein Faible für diesen Spieletyp hat, musste er es natürlich einmal genauer unter die Lupe nehmen. Die Verpackung ist jedenfalls schon einmal sympathisch kompakt und stimmt einen mit der Illustration einer südamerikanischen Stufenpyramide gleich auf die Hintergrundthematik der Forschungsreisen ein, die diesem Spiel zugrunde liegt. In der Box finden wir einen Block mit den Spielplänen, 6 Würfel und die Anleitung, womit auch schon das gesamte Spielmaterial aufgezählt ist.

Eine Expedition im Dschungel will gut geplant sein. Vor allem wann man startet und wie weit man voranschreitet, sollte man sich gut überlegen und dabei auch immer im Auge haben, was die Konkurrenten so treiben…

Zu Beginn einer Partie Lost Cities erhält jeder Spieler ein Blatt vom Spielplanblock und einen Stift. Der Startspieler greift sich dann die Würfel und es kann losgehen. Der jeweils aktive Spieler würfelt mit allen 6 Würfeln. Aus dem Würfelergebnis wählt er sich einen Farb- und einen Zahlenwürfel aus und trägt das gewählte Ergebnis in die Spalte der entsprechenden Expedition ein. Alle anderen Spieler wählen sich aus den verbliebenen Würfeln einen Farb- und einen Zahlenwürfel aus und verfahren analog. Hierbei ist zu beachten, dass die Spalten von unten nach oben befüllt werden müssen und im nächsthöheren Kästchen immer nur ein Würfelergebnis, das gleich hoch oder höher ist als im vorherigen Kästchen, eingetragen werden darf. In die Verdopplungsfelder ganz am Beginn der Spalten kann nur eine 0 eingetragen werden und das auch nur, solange die Spalte noch leer ist. Jeder Spieler kann in einer Runde auch passen und anstatt eine Würfelkombination zu wählen, auch eines der Würfelfelder auf seinem Spielplan abstreichen. Erreicht ein Spieler beim Befüllen einer Spalte ein Amphorenfeld, streicht er eine Amphore auf seinem Spielplan ab, erreicht er ein Beschleunigungsfeld, darf er in einer beliebigen Expeditionsspalte eine beliebige Zahl zusätzlich eintragen. Sobald alle Spieler alle Würfelfelder auf ihren Spielplänen abgestrichen haben, oder die Spielerunde alle 8 Bonusbrücken überschritten hat, endet die Partie. Es erfolgt eine Wertung und der Spieler mit den meisten Punkten gewinnt.

Der Kauf von Lost Cities hat sich – zumindest für mich – voll und ganz gelohnt. Wir haben hier einen wirklich sehr gut gemachten Vertreter des Roll`n Write-Spielprinzips vor uns, der sich flott und flüssig spielen lässt, einfache Regeln hat und auch nach einer Vielzahl von Partien nicht langweilig wird. Das Befüllen der einzelnen Expeditionsspalten will dabei genau überlegt sein, denn manchmal ist es besser, eine Expedition gar nicht erst zu beginnen und so mit 0 Punkten zu werten, als sie zu starten, aber dann nicht voranzukommen und so Minuspunkte zu kassieren. Wobei bei diesem Spiel der Glücksfaktor natürlich nicht zu unterschätzen ist, wenn manchmal die erhoffte Zahl und Farbe einfach nicht fallen wollen, oder einem vom aktiven Spieler vor der Nase weggeschnappt werden.

Titel: Lost Cities
Autor: Reiner Knizia
Verlag: Kosmos

Rote Kathedrale

Rote Kathedrale ist wohl das Spiel unter den Herbstneuheiten 2021 des Stuttgarter Kosmos-Verlages, auf das wir am sehnsüchtigsten gewartet hatten, war doch die Beschreibung in der Ankündigung mehr als vielversprechend. Was uns dann zunächst doch etwas erstaunt hat, war die mehr als kompakte Verpackung dieses Spiels, das das Autorenduo Sheila Santos und Israel Cendrero entwickelt hat. Dass es diese Box in sich hat, war aber recht schnell klar, denn ihr Gewicht ist für die Größe doch beachtlich. Und so verwundert es auch kaum, dass das enthaltene Spielmaterial mehr als umfangreich ist. Es umfasst den Spielplan, 4 Tableaus, 66 Karten, 5 Würfel, 4 Punktesteine, 24 Banner, 16 Verzierungen, 36 Plättchen, 95 Rohstoffe, 40 Münzen und die Spielregeln.

Wir schreiben das Jahr 1555, als Zar Iwan IV., genannt der Schreckliche, den Auftrag zum Bau der Basilius-Kathedrale in Moskau gibt. Ein Mammutprojekt, bei dem kluge Bauplanung alles ist. Und so kann am Ende nur der, der alle notwendigen Baumaterialien zum richtigen Zeitpunkt zur Verfügung hat und seine Beziehungen geschickt nutzt, zum ruhmreichsten aller Baumeister werden.

Zur Spielvorbereitung wird der Spielplan in die Tischmitte gelegt und gemäß Anleitung mit Würfeln, Ressourcenplättchen und Einflusskarten bestückt. Dann wird eine Bauplankarte gezogen und die Baustelle entsprechend dieser Karte mit Karten für die einzelnen Bauabschnitte ausgelegt. Haben alle Spieler ihr Startkapital und ihre Tableaus erhalten, diese mit ihren Bannern versehen und ihre Punktesteine auf das Startfeld auf dem Spielplan gelegt, kann es losgehen. Der jeweils aktive Spieler kann in seinem Zug aus den 3 folgenden Aktionen wählen. Er kann entweder einen freien Bauabschnitt beanspruchen, indem er eines seiner Banner darauflegt und das Werkstattplättchen des Bauabschnitts nimmt, welches er dann entweder offen oder verdeckt auf eines der Werkstattfelder seines Tableaus ablegt. Die zweite mögliche Aktion ist das Bauen und / oder Verzieren eines Bauabschnittes. Hierzu muss der Spieler die notwendigen Ressourcen für den Bauabschnitt bzw. die Verzierung liefern, was Siegpunkte und teilweise auch noch Geld bringt. Stellt er so einen Bauabschnitt fertig, unter dem noch unfertige Abschnitte sind, erhalten die Spieler, die diese Bauabschnitte beansprucht haben, Minuspunkte. Die dritte mögliche Aktion ist das Sammeln von Ressourcen. Hierzu bewegt der Spieler einen der Würfel auf dem Spielplan so viele Sektoren weiter, wie der Würfel Augen anzeigt und sammelt dann die entsprechenden Ressourcen ein, welche er auf seinem Tableau ablegt. Hat der Würfel die Farbe eines Werkstattfeldes, auf dem der Spieler ein Werkstattplättchen liegen hat, kann er dieses nun auch noch aktivieren und so weitere Rohstoffe erhalten. Das Spiel endet, sobald ein Spieler seinen sechsten Bauabschnitt vollendet hat. Nun erfolgt eine Endwertung und der Spieler mit den meisten Punkten gewinnt.

Wenn das Sprichwort „klein aber oho“ auf ein Spiel zutrifft, dann auf Rote Kathedrale. Da ist zunächst einmal eine wirklich randvoll mit Spielmaterial gefüllte Box, das den Spieltisch raumfüllend in Anspruch nimmt. Und dann haben wir da das Regelwerk mit dem doch recht speziellen Mechanismus zur Ressourcengewinnung, in das man sich vor der ersten Partie einarbeiten sollte. Bei diesem Spiel will nämlich sehr genau geplant sein, was man wann tut, damit einem die Mitspieler nicht doch noch in die Parade fahren und einem die sicher geglaubten Punkte wegschnappen. Von daher wurden unsere Erwartungen hier nicht enttäuscht, wobei wir wieder einmal den Wermutstropfen hinnehmen müssen, dass Rote Kathedrale leider nur für maximal 4 Spieler ausgelegt ist.

Titel: Rote Kathedrale
Autoren: Sheila Santos, Israel Cendrero
Verlag: Kosmos