Spieletests

Coyote

Während der Castle Tricon, die HeidelBär Games zusammen mit seinen Partnerverlagen Ende September 2020 als digitale Neuheitenshow abgehalten hat, bot sich ja schon die Gelegenheit, die Herbstneuheit Coyote des Autors Spartaco Albertarelli einmal in Augenschein zu nehmen. Rechtzeitig zur SPIEL.digital ist das Bluffspiel dann fertig geworden und mittlerweile auch in den Handel gelangt.  Es kommt in einer kompakten, edel gestalteten Box daher, in der sich die 36 Karten und 6 Kartenständer, die das Spielmaterial bilden, zusammen mit dem Regelblatt befinden.

Eine alte Indianerlegende erzählt von einem Coyoten, der beim Versuch, einen Fluss zu überqueren, beinahe ertrunken wäre und all seine Habe verloren hatte. Also erfand er ein Spiel, in dem er andere Tiere herausforderte, um durch Bluff deren Habe zu gewinnen…

An einer Partie Coyote können maximal 6 Spieler teilnehmen. Jeder von ihnen erhält zu Beginn einen Kartenständer, den er vor sich platziert, sowie 3 Augenkarten, die er gemäß Regeln vor sich ablegt. Dann werden die Spielkarten gemischt und als verdeckter Nachziehstapel bereitgelegt. Zu Beginn einer Runde ziehen alle Spieler eine Karte vom Nachziehstapel und stecken diese mit der Rückseite zu sich in ihre Kartenständer. Eine weitere Karte wird verdeckt in die Tischmitte gelegt. Der Startspieler macht anschließend ein Startgebot, indem er schätzt, welchen Wert alle Karten seiner Mitspieler plus seiner eigenen Karte und der verdeckten Karte haben könnten. Der nächste Spieler kann dieses Gebot entweder überbieten oder anzweifeln, wobei er eine seiner Augenkarten mit offenem Auge nutzen kann, um sich die Karte in der Tischmitte anzuschauen. Überbietet er, ist der nächste Spieler an der Reihe, zweifelt er an, werden alle Karten aufgedeckt und die Werte addiert. Ist der Wert dann niedriger als der Schätzwert, gewinnt der aktive Spieler und der vorherige verliert. Ist der Wert gleich oder höher als der Schätzwert, verliert der aktive Spieler und der vorherige gewinnt. Der Gewinner dreht, falls möglich, eine seiner Augenkarten auf die Seite mit dem offenen Auge, der Verlierer muss eine seiner Augenkarten abgeben. Sobald ein Spieler keine Augenkarten mehr hat, scheidet er aus. Die Partie endet, wenn nur noch ein Spieler Augenkarten besitzt.

Coyote ist ein wirklich gut gemachtes, kurzweiliges Bluffspiel mit einfachen, leicht verständlichen Regeln. Pokernaturen kommen hier natürlich voll auf ihre Kosten, denn solange man seine Schätzungen nur mit genügend Überzeugung verkündet, zweifeln die Mitspieler diese im Regelfall nicht an, weiß doch keiner, welchen Wert die eigene Karte denn nun hat. Zudem vermag Coyote mit einem wirklich tollen Artwork der extrem hochwertig ausgeführten Karten zu begeistern.

Titel: Coyote
Autor: Spartaco Albertarelli
Verlag: HeidelBärGames

Genesia

Die Spiele Offensive hat zahlreiche junge Verlage unter ihren Fittichen. Zu ihnen gehört auch der Verlag Giant Roc, der auf der letztjährigen SPIEL.digital das Drafting-Spiel Genesia vorgestellt hat, das zusammen mit den französischen Verlagen Super Meeple und Citizen Game entwickelt wurde. Es stammt aus der Feder des Autors Eric Labouze, während für die Illustrationen, die auch das Cover der quadratischen Standardbox zieren, Fabrice Weiss, Alexei Iakolev und Igor Polouchine verantwortlich zeichnen. In der Box finden wir dank Zip-Beutel ordentlich sortiert und sicher verstaut, 250 Spielsteine, 102 Karten, 75 Münzen, 10 Plättchen, 8 Spielplanteile, 5 Spielerhilfen, 1 Wertungsblock, 1 Spielreihenfolge-Skala und das Regelheft.

Rund um die Insel Genesia liegen verschiedene Kontinente, auf denen Menschen das Land erobern, Städte bauen, Forschung betreiben und so durch die Epochen ihre Zivilisationen immer weiter entwickeln. Welche von ihnen wird am Ende die Vorherrschaft erringen und wird ihr das friedlich oder nur mit Gewalt gelingen?

Zur Vorbereitung einer Partie Genesia wählen die teilnehmenden Spieler eine Farbe aus und erhalten das entsprechende Festland-Teil, das sie an den Genesia Spielplan anlegen, sowie die zugehörigen Sippen- und Stadtspielsteine und ein Krieg-/Frieden-Plättchen. Anschließend werden die Geheimzielkarten gemischt und an jeden 2 ausgeteilt, von denen sich die Spieler jeweils eine aussuchen. Zuletzt werden noch die Epochen-Karten für die 3 Epochen getrennt gemischt und ebenso wie das Geld und der Wertungsblock bereitgelegt und die Spielerreihenfolge auf der Spielerreihenfolge-Skala zufällig bestimmt. Genesia läuft über 3 Epochen ab, die wiederrum jeweils 3 Abschnitte haben. Im ersten Abschnitt erhält jeder Spieler 15 Münzen aus dem Vorrat und 6 Epochen-Karten der aktuellen Epoche. Mittels Drafting wählt er nun eine aus und gibt die anderen an seinen Nachbarn weiter und zwar so lange, bis jeder Spieler 5 Karten ausgesucht hat. Abschnitt 2 gliedert sich in die 3 Phasen Wachstum, Ausbreitung und Eroberung, die nacheinander abgehandelt werden. In der Phase Wachstum kann der jeweils aktive Spieler neue Sippen kaufen oder durch Karteneffekte erhalten und diese auf dem Spielplan platzieren. In der Phase Ausbreitung bewegt er die Sippen gegen Bezahlung oder aufgrund von Karteneffekten. Vor Beginn der Phase Eroberung müssen alle Spieler geheim entscheiden, ob sie ihr Krieg-/Frieden-Plättchen auf Krieg oder Frieden drehen und dies dann gleichzeitig aufdecken. Bei Frieden geschieht nichts, hat mindestens ein Spieler Krieg gewählt kann er einen Angriff durchführen, wobei Karteneffekte das Ergebnis beeinflussen können. Im 3. und letzten Abschnitt können alle Spieler simultan Städte bauen und noch vorhandene Handkarten dieses Abschnitts ausspielen oder noch verbliebene Handkarten in Münzen umtauschen. Danach folgt eine Zwischenwertung und die Spielreihenfolge für die nächste Epoche wird festgelegt. Nach Ende der 3. Epoche erfolgt die Endwertung und der Spieler mit den meisten Punkten gewinnt.

Genesia ist ein wirklich gut gemachtes Strategiespiel, das dank des verwendeten Draftingmechanismus den Glückfaktor bei der Zuteilung der Epochekarten minimiert, da man sich weitgehend seine Wunschkartenhand zusammenstellen kann. Die Regeln sind leicht verständlich und schnell erlernt und ebenso schnell spielt sich das Spiel auch, so dass nicht aktive Spieler nur sehr wenig Wartezeit haben. Mit der Eroberungsphase besitzt Genesia zwar auch ein kriegerisches Element, da dieses aber auf einen Angriff pro Spieler und Epoche begrenzt ist, steht hier doch ganz klar der Aufbau der eigenen Zivilisation im Vordergrund, wobei einem auch dabei die Konkurrenz ganz gewaltig in die Suppe spucken kann, wenn man nicht aufpasst. Was zudem gefällt, ist das wirklich schön gestaltete Spielmaterial und das Artwork der Karten, denen man anmerkt, mit wie viel Liebe zum Detail die Entwickler hier am Werke waren.

Titel: Genesia
Autor: Eric Labouze
Verlag: Super Meeple / Citizen Game / Giant Roc

Da bockt der Bär

Das Autorentrio Treo Game Designers hat das Kinderspiel Da bockt der Bär entwickelt, das der Zoch Verlag 2020 neu in sein Programm aufgenommen hat. Die Covergestaltung der quadratischen Box präsentiert sich der Zielgruppe entsprechend gestaltet und stammt aus der Feder der Illustratorin Gabriela Silviera. Öffnet man die Box, so finden sich darin die 3 Spielplanteile, 55 Karten, 3 Würfel, 5 Spielerfiguren, eine Drehscheibe und das Regelheft.

Maus, Bock und Bär sind die besten Freunde und so machen sie sich gemeinsam zum Querfeldeinschlemmen auf. Unterwegs gibt es Mais, Kohl und Heidelbeeren en masse, doch gilt es schnell voranzukommen, um am Ende als erstes Freundestrio vor den anderen über die Ziellinie zu gelangen.

Zur Spielvorbereitung werden vor der ersten Partie zunächst die Würfel und Drei-Freunde-Figuren mit den entsprechenden Stickern beklebt. Danach werden die Spielplanteile zusammengesteckt, die Laufkarten gemischt und als Nachziehstapel bereitgelegt und die Drei-Freunde-Figuren auf das Startfeld gestellt. Beginnend mit dem Startspieler zieht jeder Spieler eine Karte vom Nachziehstapel und entscheidet anschließend, ob er sie vor sich selbst oder einem anderen Mitspieler ablegt, so dass am Ende jeder Spieler eine Karte hat. Danach werden die Karten aufgedeckt und ausgeführt, wodurch sich die Spielfiguren auf dem Plan vorwärts bewegen. Derjenige, der als Erster das Ziel erreicht, gewinnt.

Da bockt der Bär ist für Kinder ab 5 Jahren konzipiert, weshalb die Regeln und auch der komplette Spielablauf kindgerecht einfach gehalten sind. Ein interessantes Spielelement ist die Tatsache, dass die Bewegung der Spielfigur davon abhängig ist, welcher der 3 Freunde gerade aktiv ist und welcher Würfel somit zum Einsatz kommt. Durch den Schritt mit dem Ablegen der Karten, kommt zudem auch noch ein gewisses Strategieelement mit hinein, kann man doch so die Aktionen der Gegner in der aktuellen Runde beeinflussen. Ein weiteres Plus sind zudem die wirklich schön gestalteten Illustrationen von Gabriela Silviera, die auch das Spielmaterial zieren.

Titel: Da bockt der Bär
Autoren: Treo Game Designers
Verlag: Zoch

Nidavellir

Das neue Kennerspiel Nidavellir des Autors Serge Laget hat der Friedberger Pegasus Verlag im Rahmen seines digitalen Pressetages vorgestellt. Da es für bis zu 5 Spieler ausgelegt ist, mussten wir es natürlich einmal genauer unter die Lupe nehmen. Öffnet man die quadratische, mittelgroße Box mit stimmungsvoll gestaltetem Cover, so findet man darin neben dem Regelheft einen Wertungsblock, 118  Karten, 4 Kartenhalter, 5 Tableaus, 60 Münzen, 12 Plättchen und die Schatzkammerhalterung zum selbst zusammenstecken. Einen Einleger gibt es diesmal nicht, doch werden genügend Ziptüten mitgeliefert, um das Spielmaterial geordnet verstauen zu können.

Nach Jahrtausenden des Friedens im Reich der Zwerge hat sich der alte Feind Fafnir von seinen Ketten befreit und sinnt auf Rache. Daher werden die Elveland, die Mitglieder des königlichen Rates beauftragt, eine Streitmacht aufzubauen. Wird es gelingen, Fafnir zu besiegen oder wird Nidavellir untergehen?

Zur Spielvorbereitung erhält jeder Spieler ein Spielertableau, einen Satz Kupfermünzen und ein zufällig gewähltes Juwel. Die Tavernen- und Tauschplättchen werden gemäß Regel auf dem Tisch platziert, die Helden- und Auszeichnungskarten in die entsprechenden Kartenhalter gesteckt und die Zwergen- zusammen mit den Subventionskarten getrennt nach den beiden Zeitaltern gemischt. Sie bilden in jedem Zeitalter den Nachziehstapel. Sobald unter allen 3 Tavernenplättchen jeweils soviele Karten vom Nachziehstapel, wie Spieler mitspielen, ausgelegt sind, kann es losgehen. In jeder Runde machen die Spieler zunächst für jede der 3 Tavernen mit ihren Münzen ein geheimes Gebot auf ihrem Spielertableau. Danach decken alle ihre Münzen auf und die Tavernen werden nacheinander abgehandelt. Der Spieler mit dem höchsten Gebot darf sich als erster eine Karte aussuchen, danach folgen die anderen in der Reihenfolge ihrer Gebote, wobei bei Gleichstand der Wert des Juwels den Ausschlag gibt. Sind so nacheinander alle 3 Tavernen abgehandelt, wird noch überprüft, ob Spieler Münzen aufwerten können, ob sie ein Set Karten jeder Klasse haben und damit einen Helden rekrutieren müssen oder ob die Effekte von Subventionskarten abgehandelt werden müssen. Dann folgt die nächste Runde. Nachdem auf diese Weise alle Karten des ersten Zeitalters an die Spieler verteilt sind, erfolgt eine Zwischenwertung, bei der die Spieler Auszeichnungskarten erhalten können, deren Effekte sofort wirksam werden. Danach wird analog das zweite Zeitalter durchgespielt, bis dann in der Endwertung ermittelt wird, wer die meisten Punkte und damit den Sieg errungen hat.

Nidavellir ist vom Spielprinzip her ein klassisches Sammel- und Bietspiel mit eigentlich recht einfachen Regeln. Leider sind diese an manchen Stellen so kompliziert erklärt, dass die Anleitung mehr Verwirrung denn Klarheit stiftet. An anderen Stellen ist der Regeltext dafür doch etwas zu knapp geraten. Von daher empfiehlt es sich, zunächst eine Testrunde zu spielen, um sich mit den grundlegenden Mechanismen vertraut zu machen. Danach geht eine Partie recht flott von der Hand und macht wirklich Laune, so dass es nicht bei dieser einer Partie bleiben wird. Zudem vermag auch das wirklich schön gestaltete Spielmaterial zu begeistern, das die Thematik der Hintergrundgeschichte wirklich gekonnt aufgreift.

Titel: Nidavellir
Autor: Serge Laget
Verlag: Pegasus

Pizzarush

Der Ofen ist ist heiß, der Teig und alle Zutaten für die Pizza liegen bereit.
Wer hat in der Küche die Nase vorne und ist der beste Pizzabäcker?

In Pizzarush des Autors Jonathan Croxford, das von JOF Games 2020 über Kickstarter erschienen ist, müssen die Spieler versuchen, möglichst schnell alle ihre Handkarten auszuspielen.

Die Handkarten zeigen verschiedene Zutaten und haben Zahlenwerte von 1 – 10. Sie kommen als Belag auf den Pizzaboden, der zu Beginn jeder Runde aufgedeckt wird. Diesen gibt es in den Größen small, medium und big. Die Größe des Bodens bestimmt, ob die Spieler eine, zwei oder drei ihrer Handkarten ablegen. Dies erfolgt reihum, wobei jeder Spieler immer nur Zutaten mit einem höheren Zahlenwert ablegen darf als der vorherige Spieler oder passen muss. Haben alle Spieler reihum gepasst, gewinnt der Spieler, der zuletzt einen Belag abgelegt hat, die Runde. Er deckt den nächsten Boden auf und darf den ersten Belag ablegen. Die beiden Spieler, die als erstes alle ihre Karten abgelegt haben, erhalten Köche, die ihnen bei der nächsten Runde einen kleinen Vorteil verschaffen. Die beiden letzten Spieler erhalten Köche, die ihnen die nächste Runde etwas erschweren können.

Pizzarush ist ein schönes Spiel, das schnell erklärt ist und mit wenigen Regeln auskommt und somit ideal für zwischendurch ist.Das Spiel ist vom Ablauf her recht einfach. Doch merkt man schnell, dass die Wahl, welchen Belag man als nächstes ablegt, über Sieg oder Niederlage entscheiden kann.

Titel: Pizzarush
Autor: Jonathan Croxford
Verlag: JOF Games

Troyes Dice

Im umfangreichen Herbstneuheiten-Programm von Asmodee findet sich auch das Roll`n Write Troyes Dice der 3 Autoren Sébastien Dujardin, Xavier Georges und Alain Orban, das im französischen Original bei Pearl Games erschienen ist. Für das Artwork zeichnet Alexandre Roche verantwortlich, der die zur Thematik passende Mittelalteroptik mehr als überzeugend gestaltet hat. Als Verpackung dient eine recht kompakte und flache, quadratische Box, in der wir den Wertungsblock, das zusammenbaubare Sonnenrad, 4 Würfel, 9 Plättchen des Grundspiels sowie 8 für die Erweiterung und nicht zuletzt natürlich auch noch das Regelheft finden.

Wir befinden uns in der mittelalterlichen Stadt Troyes. Das Leben ist hier streng ständisch gegliedert. So muss sich der Adel um die Landesverteidigung kümmern, der Klerus um die Bewahrung des Glaubens und die Bürger um die Wirtschaft. Doch am Ende werden sie nur erfolgreich sein und die Stadt aufblühen, wenn alle 3 Stände klug zusammenarbeiten.

Zur Spielvorbereitung erhält jeder Spieler ein Blatt vom Wertungsblock nebst Schreibgerät. Danach wird das Sonnenrad in der Tischmitte platziert, auf Tag 1 gestellt und die 9 Stadtplätze zufällig auf das Sonnenrad verteilt. Ein Spieler, der als Stadtausrufer bestimmt wurde, nimmt die 4 Würfel und dann kann es auch schon losgehen. Der Stadtausrufer würfelt in jeder der 16 Runden die 4 Würfel und legt sie mit aufsteigenden Werten auf die Stadtplätze des Sonnenrades. Sind die Würfel  platziert, sucht sich jeder Spieler, den Würfel aus, den er nutzen will, und führt die entsprechende Aktion durch, wobei er ggf. anfallende Kosten aus seinem eigenen Vorrat auf dem Wertungsblatt bezahlen muss. Der Platz, der den schwarzen Würfel erhält, kann in der aktuellen Runde nicht genutzt werden und ab dem 3. Tag zerstört der schwarze Würfel die entsprechenden Stadtplätze auf den Wertungsblättern der Spieler, sofern sie diese nicht vorher geschützt haben. Sie sind für den Rest der Partie für die betroffenen Spieler nicht mehr nutzbar. Auf diese Weise werden nun die 16 Runden (8 Tage jeweils mit einem Vor- und einem Nachmittag) durchgespielt, danach addieren die Spieler die auf ihren Wertungsblättern erzielten Punkte. Derjenige mit den meisten Punkten gewinnt.

Bei Troyes Dice ist zwar eine maximale Spielerzahl von 10 Personen angegeben, aber es ist problemlos auch mit deutlich mehr Spielern spielbar, da eine Interaktion untereinander nicht stattfindet und die Würfel immer von allen Spielern genutzt werden können. Hier muss stattdessen jeder für sich eine Strategie entwickeln, die er für die sinnvollste erachtet, um am Ende die meisten Punkte zu generieren. Dass dies nicht so einfach ist wie gedacht, zeigt sich spätestens ab dem 3. Tag, wenn der schwarze Würfel Stadtfelder zerstören kann, die man nicht geschützt hat und sich somit manche Strategie in Wohlgefallen auflöst.  Von daher muss man hier seine Taktik stets flexibel wieder neu anpassen. Zudem spielt sich Troyes Dice wirklich flott, so dass auch ein hoher Wiederspielwert gegeben ist. Was ebenfalls positiv hervorzuheben ist, ist die Tatsache, dass eine Minierweiterung gleich mitgeliefert wird.

Titel: Troyes Dice
Autoren: Sébastien Dujardin, Xavier Georges, Alain Orban
Verlag: Pearl Games / Asmodee

2491 Planetship

Zu den Partnerverlagen von HeidelBÄRGames gehört auch der Mebo Verlag aus Portugal. Unter dessen Herbstneuheiten für das Jahr 2020 fand sich das Strategiespiel 2491 Planetship des Autors Antonio Sousa Lara, das uns in eine ferne Zukunft mitnimmt. Dementsprechend sciencefictionmäßig ist denn auch das Cover der quadratischen, großen Box gestaltet, in der wir das umfangreiche Spielmaterial vorfinden. Dieses besteht aus 82 Karten, 5 Kartenhaltern, 59 Spielsteinen und 10 Sektorenplänen.

Wir befinden uns im Jahr 2491 und die Ressourcen der Erde und auch aller anderen bewohnbaren Planeten sind längst aufgebraucht.  Ein Überleben ist nur auf den planetengroßen Weltenschiffen möglich, auf denen verschiedene Spezies zusammenleben. Allerdings brauchen alle diese Weltenschiffe eine Ressource und zwar DNA. Und so beginnt ein Wettlauf darum, aus den Trümmern des kürzlich zerstörten Weltenschiffs Alpha neue DNA zu bergen.

Zu Beginn einer Partie Planetship erhalten die Spieler ihren Kartenhalter, ihre Raumschiffe und Raumsonden, sowie ein Set Start-Charakterkarten, die sie in den Kartenhalter stecken. Die übrigen Charakterkarten werden ebenso wie die Missionskarten gemischt. Von den Missionskarten werden 4 gezogen und offen ausgelegt. Danach werden je nach Spielerzahl Sektorenpläne offen als Raster in die Tischmitte gelegt. Die einzelnen Sektoren geben vor, wie viele Charakterkarten vom Nachziehstapel auf dem entsprechenden Belohnungsfeld ausgelegt werden und ob sie dort offen oder verdeckt liegen. Beginnend mit dem Startspieler platzieren die Spieler nun reihum immer eine ihrer Charakterkarten zusammen mit einem ihrer Raumschiffe auf einem freien Feld eines Sektors, das entweder eine Andockstelle hat oder an ein Feld angrenzt, auf dem bereits eine andere Charakterkarte liegt. Falls es das gewählte Sektorenfeld erlaubt, kann der aktive Spieler auch noch Sonden nutzen und verdeckte Charakterkarten in anderen Sektoren untersuchen. Haben so alle Spieler alle ihre Raumschiffe platziert, werden die Sektoren beginnend mit dem Sektor mit der niedrigsten Zahl gewertet. Hierzu werden alle Charakterkarten der Spieler aufgedeckt und deren Fähigkeiten in der Reihenfolge der Felder abgearbeitet. Der Spieler, dessen Charakterkarten am Ende dann die höchste Gesamtstärke aufweisen, gewinnt die Charakterkarte vom Belohnungsfeld. Sind alle Sektoren abgehandelt, nehmen die Spieler alle ihre eigenen Charakterkarten, Raumschiffe und Sonden wieder zurück und ggf. werden Sektorenpläne getauscht. Hat ein Spieler mehr als 6 Charakterkarten muss er überzählige abwerfen. Danach beginnt eine neue Runde, wobei die Startspielerrolle im Uhrzeigersinn weiterwandert. Nach 4 Runden endet die Partie und es erfolgt eine Wertung. Der Spieler mit den meisten Siegpunkten gewinnt.

Die Regeln von Planetship sind genau betrachtet eigentlich nicht wirklich komplex. Nur ist die Anleitung, die gleich in 4 Sprachen beiliegt, an manchen Stellen ein wenig unglücklich und schwer verständlich formuliert, was es etwas schwierig macht, ins Spiel hineinzukommen. Hat man diese erste Hürde überwunden, ist Planetship im Regelfall ein wirklich flott spielbares Strategiespiel, das gerade durch die Sonderfähigkeiten der Charaktere aber auch die Modifikationen, die die Sektoren ins Spiel bringen, in jeder der 4 Runden immer wieder neue, überraschende Wendungen bringt. Zudem vermag das Artwork der Karten und auch des übrigen Spielmaterials zu begeistern.

Titel: 2491 Planetship
Autor: Antonio Sousa Lara
Verlag: Mebo / HeidelBÄRGames

Kompromat

Normalerweise liegt unser Fokus ja auf Spielen für 5 und mehr Spieler. Aufgrund der aktuell wieder schlechteren Coronalage sind solche großen Spielerunden aber eigentlich nicht mehr machbar, sofern man keine große Familie hat. Von daher haben wir heue eine Neuheit des Baseler Helvetiq Verlages unter die Lupe genommen, die ein reines 2-Personen-Spiel ist und zwar das Kartenspiel Kompromat des Autorenduos Adam Porter und Rob Fischer.  Es kommt in einer Helvetiq-typischen, stabilen Verpackung, welche wie auch das gesamte Spielmaterial die Illustrationen von Felix Kindelan zieren, daher. Öffen wir den Deckel der kompakten Box, finden wir darin insgesamt 57 Karten, 18 Tokens und das Regelfaltblatt.

Ein Skandal bahnt sich an, kursieren doch verschiedene rufschädigende Gerüchte über eine bedeutende Person des öffentlichen Lebens. Wie kaum anders zu erwarten, mischen natürlich auch die Geheimdienste in dieser Affäre mit und haben ihre Top-Spione darauf angesetzt. Während die eine Seite nun alles versucht, die Informationen zu vernichten, versucht die Gegenseite, diese erst recht zu verbreiten. Doch am Ende kann nur ein Spion der erfolgreichste sein.

Zur Spielvorbereitung nimmt jeder der beiden Spieler seinen Stapel mit Ausrüstungskarten, mischt diese und legt sie als persönlichen Nachziehstapel verdeckt vor sich ab. Die Missionskarten werden getrennt gemischt und als Nachziehstapel, ebenso wie die Spionageabwehrtokens in der Tischmitte platziert. Danach werden vom Missionskarten-Nachziehstapel die obersten 4 Karten gezogen und als Missionen für die aktuelle Runde in einer Reihe offen ausgelegt. Der jeweils aktive Spieler zieht nun die oberste Karte von seinem persönlichen Nachziehstapel und legt diese offen unter eine Mission seiner Wahl. Danach kann er weiter solange, wie er will, Karten ziehen, ansehen und diese dann verdeckt auf die bereits gelegte Karte legen. Er muss nur darauf achten, einen Gesamtwert von 21 möglichst nicht zu überschreiten, da er in diesem Fall sofort aufhören muss, weitere Karten zu legen. Sobald er freiwillig oder gezwungenermaßen aufhört, Karten zu legen, ist der andere Spieler am Zug. Nachdem so nacheinander beide Spieler für alle 4 Missionen Karten ausgespielt haben, werden diese aufgedeckt und die Werte addiert. Der Spieler, dessen Karten den höchsten Wert haben, gewinnt die Mission. Hat ein Spieler bei einer Mission einen Kartenwert von über 21 gelegt, erhält er einen Spionageabwehrtoken. Danach startet die nächste Runde mit 4 neuen Missionskarten. Das Spiel endet entweder, sobald ein Spieler mehr als 9 Spionageabwehrtokens hat, womit er sofort verliert, oder nach 6 Runden, wobei hier derjenige gewinnt, dessen gewonnene Missionskarten zusammen mit den Spionageabwehrtokens die meisten Siegpunkte bringen.

Kompromat ist ein einfaches und schnell erlernbares Spiel, das geschickt Spielprinzipen von Blackjack mit interaktiven Elementen kombiniert. Durch Gegenstände, die man gewinnen kann, kann man nämlich besondere Fähigkeiten erwerben, die man dann während des eigenen Spielzuges oder des Spielzuges des Gegners einsetzen kann, um die Werte der gelegten Karten zu beeinflussen. Zudem spielt sich Kompromat sehr flott, so dass eine komplette Partie gerade einmal stark 30 min dauert. Nicht zuletzt kann Kompromat natürlich auch wieder mit dem wie bei Helvetiq üblich sehr wertig gestalteten Spielmaterial punkten.

Titel: Kompromat
Autoren: Adam Porter, Rob Fischer
Verlag: Helvetiq

Point Up

Unter den Neuheiten, die Schmidt Spiele 2020 vorgestellt hat, fanden sich auch einige Titel, die für 5 und mehr Spieler geeignet sind, so auch das schnelle Kartenspiel Point Up der Autorin Katrin Abfalter. Es präsentiert sich in einer kleinen, runden Metalldose, ist doch auch das gesamte Spielmaterial aus 100 Karten und selbst das Regelheft rund gestaltet.

Was ist diesmal gesucht? Die häufigste Farbe, auf welchen Kreis zwei Kreisöffnungen zeigen oder auf welchen Kreis keine Öffnung zeigt? Hier muss man blitzschnell die Lage erfassen und noch schneller seine Antwort geben. Doch Vorsicht! Man hat immer nur einen Versuch.

Eine Partie Point Up ist schnell und unproblematisch vorbereitet. Die Runde muss sich nur darauf einigen, in welchem der 4 Schwierigkeitsgrade sie spielen will, dann werden die entsprechenden Karten gemischt, verdeckt bereitgelegt und es kann auch schon losgehen. In jeder Runde wird die oberste Karte des Nachziehstapels aufgedeckt. Sie zeigt die Kreise, um die es diesmal geht. Die neue oberste Karte des Nachziehstapels gibt dagegen vor, nach was diesmal gesucht wird, also z.B. welche Farbe am häufigsten vorkommt oder auf welchen Kreis zwei Kreisöffnungen zeigen oder auf welchen Kreis keine Öffnung zeigt. Jeder Spieler ruft nun so schnell wie möglich seinen Tipp. Liegt ein Spieler richtig und war er der Schnellste, gewinnt er die Karte. Wer am Ende die meisten Karten gewonnen hat, gewinnt die Partie.

Point Up ist zwar schon ab 6 Jahren spielbar, eignet sich aber definitiv auch für ältere Spieler. Als Partyspiel ist geradezu prädestiniert, ist es doch ein witziges, schnelles Spiel mit viel Spielspaß und hohem Wiederspielwert, bei dem aber auch der Kniffligkeitsfaktor nicht zu kurz kommt.

Titel: Point Up
Autor: Katrin Abfalter
Verlag: Schmidt Spiele

Anno 1800

Die Computerspielreihe Anno hat weltweit zahlreiche Fans. Und so lag es nahe, vom aktuellsten Vertreter der Reihe – Anno 1800 – auch eine Brettspieladaption auf den Markt zu bringen. An dieses Projekt hat sich mit Martin Wallace einer der wohl renommiertesten Autoren für Strategiespiele gewagt und seit kurzem ist Anno 1800 Das Brettspiel beim Stuttgarter Kosmos Verlag nun erhältlich. Für das wie kaum anders zu erwarten mehr als umfangreiche Spielmaterial dient eine große, quadratische Standardbox, für deren Covergestaltung Motive aus dem Computerspiel genutzt werden. In ihr finden wir neben dem Regelheft insgesamt 125 Spielsteine, 144 Karten, 290 Plättchen, die Spielpläne und Spielhilfen.

Jeder Anfang auf einer bisher unbesiedelten Insel ist schwer. Doch nach und nach wächst Deine Siedlung, wird zu einer Stadt und schickt sich an, eine Metropole mit aufstrebenden Industrien zu werden, die Handel mit ihren Nachbarn und der Neuen Welt betreibt. Doch gilt es hierfür, mit den begrenzten Ressourcen geschickt zu planen, denn die Konkurrenz schläft nicht!

An einer Partie Anno 1800 können maximal 4 Spieler teilnehmen. Zu Beginn erhält jeder sein persönliches Insel-Tableau, sowie Gold, Bevölkerungssteine und  Bevölkerungskarten gemäß Regeln. In der Tischmitte wird zudem der Spielplan platziert, der wie in der Anleitung beschrieben mit dem übrigen Spielmaterial bestückt wird. Sobald auch noch die 5 Auftragskarten und das Feuerwerksplättchen bereitgelegt und der Startspieler bestimmt sind, kann es losgehen. In seiner Runde stehen dem jeweils aktiven Spieler verschiedene Aktionen zur Verfügung, von denen er eine ausführen kann, sofern Sonderregeln keine Zusatzaktionen ermöglichen. So können in der Aktion „Ausbauen“ Industrien, Werften oder Schiffe gebaut werden, sofern man die dazu nötigen Rohstoffe oder Produkte herstellen oder durch Handel erwerben kann. Durch die Aktion „Bevölkerungs-Karten“ kann man eine seiner Handkarten ausspielen und aktivieren oder 3 der eigenen Handkarten durch neue vom Nachziehstapel tauschen. Bis zu 3 zusätzliche Arbeitskräfte liefert die Aktion „Arbeitskraft erhöhen“, während man in der Aktion „Aufsteigen“, bis zu 3 vorhandene Arbeitskräfte verbessern kann. Als weitere Aktionen kann man durch die Erschließung der Alten Welt die eigene Insel vergrößern, durch die Erkundung der Neuen Welt zusätzliche Ressourcen für den Handel entdecken, Expeditionskarten erwerben, die am Ende Siegpunkte bringen können, oder ein Stadtfest feiern, wodurch man, wenn sonst keine Aktionen mehr möglich sind, sämtliche Bevölkerungssteine und Marine-Plättchen wieder zurücksetzen kann. Wenn ein Spieler seine letzte Bevölkerungskarte ausspielt erhält dieser das Feuerwerksplättchen. Die aktuelle Runde wird noch zu Ende gespielt und nach einer anschließenden Abschlussrunde erfolgt die Endwertung. Der Spieler mit den meisten Siegpunkten gewinnt.

Wer das Computerspiel Anno 1800 schon einmal gespielt hat, weiß, dass es sich um eine sehr komplexe Wirtschaftssimulation handelt. Die Umsetzung in ein wirklich spielbares Brettspiel war daher eine mehr als anspruchsvolle Aufgabe, die Martin Wallace aber mit Bravour gemeistert hat. Es braucht zwar seine Zeit, bis man sich durch die Regeln gearbeitet hat, aber sobald man diese einmal verstanden hat, spielt sich Anno 1800 extrem flott und flüssig und bietet nicht nur eingefleischten Fans von Stragiespielen jede Menge Spielspaß. Dazu trägt sicherlich nicht zuletzt auch das wirklich schön gestaltete Spielmaterial, das die Stimmung aus der Zeit der Industrialisierung gut herüberbringt, mit bei. Einziger Kritikpunkt ist die Farbgebung der Investoren-Spielsteine, deren türkise Farbe recht nahe am Blau der Arbeiter ist. Zur besseren Unterscheidbarkeit wäre hier ein anderer Farbton sicherlich besser gewesen.

Titel: Anno 1800
Autor: Martin Wallace
Verlag: Kosmos