August 2022

Plutocracy

Unlängst sind wir eher zufällig über einen Zeitungsbericht zu einem neuen Spiel des noch jungen Freiburger Verlages Doppeldenkspiele gestolpert. Plutocracy des Autors Claudio Bierig ist aus einer erfolgreichen Kickstarter-Kampagne hervorgegangen und befindet sich aktuell in der Auslieferung. Eines der Spiele ist freundlicherweise auf unseren Redaktionstisch geflattert, so dass wir es heute einmal genauer unter die Lupe nehmen können. Plutocracy nimmt uns mit in die Weiten des Weltraums in einer fernen Zukunft, weshalb die rechteckige Box hauptsächlich in schwarz gehalten ist, was ihr eine sehr edle Optik verleiht. In ihr finden wir 7 Spielbretter, 34 Scheiben, 27 Marker, 65 Cubes, 4 Tableaus, 92 Oktagone, einen Würfel und das Regelheft in deutscher und englischer Sprache.

Vier große Handelskonzerne beherrschen den interplanetaren Handel und beliefern die Planeten mit den benötigten Ressourcen. Doch mit ihrem Geld beeinflussen sie auch die Politik auf den Planeten und der höchsten Autorität im Sonnensystem, dem Plutokratischen Rat…

Um eine Partie Plutocracy vorzubereiten, müssen zunächst das Spielbrett, die Planeten- und das Erdenbrett in der Tischmitte platziert und dann gemäß Anleitung mit Spielmaterial bestückt werden. Je nach Wunsch der Runde kann dies nach Standardaufbau oder als zufälliger Aufbau erfolgen. Dann wählen die Spieler ihre Spielerfarbe und erhalten das zugehörige Spielertableau und ihr persönliches Spielmaterial. Sobald alle auch noch ihr Startkapital haben, kann es losgehen. In Plutocracy ist immer derjenige der aktive Spieler, dessen Zeitscheibe auf der Zeitleiste am weitesten hinten liegt. In seinem Zug kann er Ressourcen auf dem Planeten, auf dem er sich befindet, kaufen und verkaufen, wodurch sich die Preise für Angebot und Nachfrage auf dem Planeten ändern, Sitze im dortigen Parlament kaufen, wenn er auf dem Asteroiden ist, einen Alien dort retten, sowie, wenn er auf der Erde ist, einer der dortigen Societies beitreten, sofern er deren Aufnahmebedingungen erfüllt. Diese 5 Aktionen sind optional. Als sechste und letzte Aktion muss er entweder mit seinem Raumschiff zu einem Hexfeld fliegen, auf dem ein anderer Planet oder der Asteroid bereits ist oder sich durch Rotation hinbewegen wird, und dann seine Spielerscheibe auf der Zeitleiste entsprechend nach vorne bewegen oder er muss passen, womit er bis zum Spielende keine Aktionen mehr durchführt. Auf der Zeitleiste sind zudem noch Marker verteilt. Diese werden wie Spieler behandelt, d.h. wenn sie an letzter Position auf der Zeitleiste sind, werden sie aktiviert und ihre Effekte abgehandelt. So bewegen sich beim Marker Rotate die Planeten und der Asteroid auf ihren Bahnen zur nächsten Position, beim Marker Prices werden die Preise für Angebot und Nachfrage auf allen Planeten modifiziert, beim Marker Elect halten die Parlamente auf den Planeten Wahlen ab und entsenden Vertreter in den Plutokratischen Rat und mit dem Marker The End endet die Partie. Wer nun die meisten Abgeordneten im Plutokratischen Rat hat, gewinnt das Spiel.

Plutocracy ist ein wirklich gut gemachtes Strategiespiel mit einfachen, leicht verständlichen Regeln und einer wirklich sehr gut geschriebenen Anleitung, das aber trotzdem anspruchsvoll ist. Eine direkte Interaktion zwischen den Spielern findet zwar nicht statt, aber indirekt beeinflussen die Entscheidungen der Mitspieler natürlich die eigenen Möglichkeiten und somit die persönliche Strategie. Daher muss man hier immer sehr genau im Auge haben, was die anderen so treiben, um den richtigen Moment für eigene Aktionen nicht zu verpassen. Durch die Möglichkeit, die Startsituation variabel zu gestalten, und durch mitgeliefertes, zusätzliches Spielmaterial, mit dem weitere Modifikationen des Spielablaufes möglich werden, ist zudem gesichert, dass auch bei mehreren Partien keine Langeweile aufkommt und ein hoher Wiederspielwert garantiert ist. Wer jetzt neugierig geworden ist, der hat in wenigen Wochen auf der SPIEL `22 in Essen die Gelegenheit, Plutocracy einmal in natura in Augenschein zu nehmen. Doppeldenkspiele wird nämlich in der Halle 5 mit einem eigenen Stand (Nummer 5L112) vertreten sein.

Titel: Plutocracy
Autor: Claudio Bierig
Verlag: Doppeldenkspiele

Equinox

Bei Plan B Games, die sich im Vertrieb von Asmodee finden, ist das Kartenlegespiel Equinox des bekannten Autors Reiner Knizia erschienen. Es kommt in einer klassischen, rechteckigen Box daher, deren Cover eine der mystischen Kreaturen aus dem Spiel ziert. In ihr finden wir einen Tiefzieheinleger, in dem die 199 Karten, 25 Steine, 5 Beutel und das Anleitungsheft wirklich sicher verstaut sind.

Das Equinox steht bevor und die Fabelwesen des verwunschenen Waldes versammeln sich, um dieses Ereignis zu feiern. Dabei messen sie ihre magischen Fähigkeiten in einem Turnier, denn am Ende werden sich nur 3 von ihnen durchsetzen und sich so in Sagen und Märchen verewigen können, während die anderen in Vergessenheit geraten.

Zur Spielvorbereitung wählt jeder Spieler eine Farbe und nimmt sich den entsprechenden Beutel mit den zugehörigen 5 Wettsteinen. Danach wählt die Gruppe aus den 14 vorhandenen Champions die 8 aus, mit denen sie spielen will. Die zugehörigen Championkarten werden dann ebenso wie die Reihenkarten gemäß Anleitung auf dem Tisch ausgelegt, so dass ein 8×5-Raster ensteht. Nun werden die Kreaturenkarten der gewählten Champions zusammen mit den Chamäleon- und Baumkarten gemischt und als verdeckter Nachziehstapel bereitgelegt, von dem jeder Spieler 8 Karten auf die Hand zieht. Wenn auch noch die Verschwindenkarten bereitgelegt wurden, kann es losgehen. In jeder der 5 Runden, über die die Partie geht, führt ein Spieler maximal 5 Aktionen aus. Die erste Aktion ist das Wetten, das optional ist. Hierbei legt der Spieler einen Wettstein auf ein noch freies Feld des Rasters oder in der ersten Runde auf eine seiner Handkarten, die er verdeckt vor sich ablegt. Im weiteren Spielverlauf kann er diese dann aufdecken, wodurch sein Wettstein auf die entsprechende Championkarte wandert. Anschließend spielt der Spieler eine seiner Handkarten aus, die er auf das Feld der entsprechenden Kreatur in der aktuellen Reihe legt. Hat der Spieler Karten von bereits verschwundenen Kreaturen auf der Hand kann er nun in Aktion 3 bis zu 3 davon abwerfen, danach zieht er in Aktion 4 wieder auf 8 Handkarten auf. Zum Ende seines Zuges muss ein Spieler noch prüfen, ob eine Kreatur verschwindet. Ist dies der Fall, wird eine Verschwindenkarte auf das Feld der Kreatur gelegt. Am Ende der 5. Runde erfolgt dann eine Endwertung, bei der die Spieler die Werte ihrer Wetten addieren. Derjenige mit den meisten Punkten gewinnt.

Equinox ist ein Kartenlegespiel, das sehr viel taktisches Denken erfordert. Auch muss man genau im Auge behalten, welche Karten die Mitspieler schon ausgespielt haben, um abschätzen zu können, ob es Sinn macht, auf eine Kreatur zu wetten, oder eher doch nicht, weil sie verschwinden wird. Dementsprechend komplex, aber letztlich doch gut verständlich sind denn auch die Regeln, die es zu studieren gilt, bevor es losgehen kann. Wer Spaß an solchen kniffligen Taktikspielen hat, wird hier seine Freude haben. Dazu trägt nicht zuletzt auch das wirklich schön gestaltete Spielmaterial mit den putzigen Grafiken der Kreaturen bei. Ein Hinweis noch: Equinox wird mit 2 unterschiedlichen Covern ausgeliefert. Der Inhalt der Boxen ist aber identisch.

Titel: Equinox
Autor: Reiner Knizia
Verlag: Plan B Games / Asmodee

Télos

Eine weitere Neuheit, die Jolly Dutch auf der SPIEL `21 vorgestellt hatte, ist das Stichspiel Télos von Adrie Drent, das sich in einer kompakten, rechteckigen Box mit zur themengebenden, griechischen Mythologie passender Covergestaltung präsentiert. Das Spielmaterial besteht, wie bei einem Kartenspiel kaum anders zu erwarten, aus Karten und zwar 110 an der Zahl, sowie einem Regelfaltblatt.

Wem werden die Götter wohl diesmal gewogen sein? Lass Dich auf ein Kartenspiel mit Zeus und seinen Mitgöttern ein, doch pass auf, dass Du in diesem Spiel nicht den letzten Stich machst!

Zur Spielvorbereitung werden zunächst die 104 farbigen Karten nach Farben in Sets sortiert und dann je nach Spielerzahl die in der Anleitung vorgegebene Zahl Sets mit der vorgegebenen Zahl an zufällig gewählten Zeuskarten zusammengemischt. Die übrigen Karten gehen zurück in die Box. Danach werden an jeden Spieler 7 Karten ausgeteilt, die restlichen werden beiseite gelegt. Der Spieler links vom Geber eröffnet den ersten Stich. Alle anderen Spieler müssen nun eine Karte, deren Wert gleich oder höher als die höchste Karte auf dem Tisch ist, ausspielen, wobei eine Zeuskarte als Joker immer den höchsten Wert hat. Können sie dies nicht, müssen sie ihre niedrigste Karte ausspielen. Der Spieler, der als letzter die höchste Karte ausgespielt hat, gewinnt den Stich und eröffnet den nächsten Stich. Außer beim ersten und letzten Stich kann der Spieler, der den Stich eröffnet, sich auch entscheiden, 2 Karten mit identischem Wert auszuspielen, die entsprechend der bekannten Regeln bedient werden müssen. Der Spieler, der den letzten Stich gewinnt, legt die Karte, mit der er den Stich gewonnen hat als Punktekarte beiseite. Er mischt nun alle übrigen Karten wieder und verteilt an seine Mitspieler so viele Karte, wie der Punktewert seiner Punktekarte beträgt, jedoch mindestens 7 Karten. Sobald ein Spieler auf diese Weise 32 oder mehr Punkte erzielt hat, endet die Partie. Dieser Spieler verliert und die anderen gewinnen.

Wer klassische Stichspiele kennt und liebt, muss hier komplett umdenken, denn es geht bei Télos in erster Linie darum, möglichst keinen Stich zu machen und vor allem eben nicht den letzten Stich. Jolly Dutch hat hier einen Klassiker komplett neu interpretiert und das sehr gekonnt. Télos ist extrem kurzweilig, schnell gespielt und bringt vor allem jede Menge Spaß, wozu nicht zuletzt auch die witzig gestalteten Kartenmotive beitragen.

Titel: Télos
Autor: Adrie Drent
Verlag: Jolly Dutch

Unstable Unicorns

Asmodee hatte ja kurz vor Beginn der SPIEL `21 in einem Online-Event seine Herbstneuheiten für 2021 vorgestellt. Eine davon war die deutsche Version des Kartenspiels Unstable Unicorns des Autors Ramy Badie, das im englischen Original bei Unstable Games erschienen ist und das wir uns heute mal etwas genauer anschauen wollen. Es kommt in einer kleinen, rechteckigen Box daher, in der sich 135 Karten und das Regelfaltblatt befinden.

Einhörner sind ja so niedlich! Oder vielleicht doch nicht? Finde es heraus und baue Deine eigene Einhornarmee auf, mit der Du Deine Freunde hintergehen kannst. Denn wer brauch schon Freunde, wenn er Einhörner um sich hat?

Zum Spielstart werden zunächst die Baby-Einhorn-Karten und die Übersichtskarten aussortiert, die übrigen Karten gut gemischt und als verdeckter Nachziehstapel in die Tischmitte gelegt. Von diesem erhält jeder Spieler 5 Karten, die seine Handkarten bilden. Des Weiteren erhält jeder Spieler eine Baby-Einhorn-Karte, die er offen vor sich auslegt, die übrigen Baby-Einhorn-Karten werden offen neben dem Nachziehstapel platziert. Sobald ein Startspieler bestimmt ist, kann es losgehen. Der jeweils aktive Spieler zieht eine Karte von Nachziehstapel auf die Hand. Danach kann er entscheiden, eine seiner Handkarten auszuspielen und damit ggf. einen Karteneffekt auszulösen oder eine weitere Karte auf die Hand zu ziehen. Liegt er am Ende seines Zuges über dem Handkartenlimit von 7 Karten, wirft er so lange Karten ab, bis er wieder darunter liegt. Dann folgt der nächste Spieler. Die Partie endet, sobald ein Spieler 7 Einhörner vor sich ausliegen hat.

Unstable Unicorns ist eines dieser fiesen, kleinen Kartenspiele à la Exploding Kittens, bei dem man seinen Mitspielern immer wieder aufs Neue ans Bein pinkeln kann. Hier können Einhörner der Gegner abgewertet, geklaut oder eliminiert und die eigenen aufgewertet werden, so dass die Strategien, die man sich selbst und auch die Mitspieler sich zurechtgelegt haben, jedes Mal wieder komplett über den Haufen geworfen werden. Allerdings spielt sich Unstable Unicorns alles in allem nicht ganz so flott wie Exploding Kittens, sondern kommt doch eher etwas behäbig daher, was bei uns ein klein wenig zu Abzügen in der B-Note führt. Punkten kann das Spiel dagegen dann wiederum bei den Kartenillustrationen, die mit viel – teils schwarzem – Humor gestaltet sind.

Titel: Unstable Unicorns
Autor: Ramy Badie
Verlag: Unstable Games / Asmodee

The Deadlies

Der französische Verlag Iello hat 2022 das Kartenspiel The Deadlies herausgebracht, dessen deutsche Version sich im Vertriebsprogramm von Hutter findet. Autor des Spieles, das in einer kleinen Box mit witziger Covergestaltung daherkommt, ist Paul Saxberg, während Lea Fuhrmann für das Artwork verantwortlich zeichnet. In der Box finden wir, dank eines Pappeinlegers sicher verstaut, 52 Spielkarten, 6 Sündenscheiben und das Regelheftchen.

Sind wir nicht alle hin und wieder kleine Sünder? Doch wer will sich schon nachsagen lassen, eine der Todsünden begangen zu haben? Daher sollte man zusehen, diese so schnell wie möglich loszuwerden und sie jemand anderem zuzuschustern. Doch Deine Gegner haben genau dasselbe im Sinn…

Zu Spielbeginn wird die Heiligenschein-Karte in die Tischmitte gelegt, die übrigen Karten verdeckt gemischt und als Nachzielstapel daneben platziert. Nun wählt sich jeder Spieler eine Sündenscheibe, stellt sie auf den Wert 6, zieht entsprechend 6 Karten vom Nachziehstapel auf die Hand und dann kann die Partie starten. In seinem Zug kann der aktive Spieler eine beliebige Zahl Karten von seiner Hand ausspielen. Dies können entweder Karten derselben Farbe oder mit identischem Zahlenwert oder mit aufeinanderfolgenden, aufsteigenden Zahlenwerten sein. Die Anweisungen der Karte, die dabei zuoberst liegt, werden nun abgehandelt, danach landen die Karten auf dem Ablagestapel. Hat ein Spieler nun keine Karten mehr, dreht er seinen Sündenstatus auf der Sündenscheibe um eins herunter und nimmt dann die Anzahl Karten, die die Sündenscheibe anzeigt, vom Nachziehstapel wieder auf die Hand. Sobald die Sündenscheibe eines Spielers 0 anzeigt, hat er gewonnen.

The Deadlies ist ein gemeines, kleines Kartenspiel, bei dem man seinen Mitspielern nach Lust und Laune so richtig eine reindrücken kann, wenn man die entsprechenden Karten auf sie ausspielt. Von daher sollte man sich hier vorher genau überlegen, mit wem man The Deadlies spielt und ob die betreffenden Mitspieler genug Humor haben. Ist dies gegeben, steht einer kurzweiligen Kartenspielrunde nichts im Wege, wozu auch das witzige Artwork der Karten beiträgt. Ob das Spiel angesichts der Thematik dann wirklich schon ab 8 Jahren geeignet ist, lassen wir an dieser Stelle allerdings dahingestellt.

Titel: The Deadlies
Autor: Paul Saxberg
Verlag: Iello / Hutter

Kosmopolit

Von der Ankündigung im Herbst 2021 bis zur Auslieferung im zweiten Quartal diesen Jahres ist zwar einige Zeit ins Land gegangen, aber nun liegt unser Exemplar von Kosmopolit auf dem Redaktionstisch. Die kompakte, quadratische Box, in der es geliefert wird, ist in dezentem schwarz gehalten und mit einer Covergrafik aus putzigen Comicfiguren, die wir auch auf den Karten des Spielmaterials wiederfinden, verziert. Dieses besteht aus 165 Karten, einem Notizblock, dem Regelheft und einem wissenschaftlichen Begleitheft. Die geistigen Väter hinter Kosmopolit, das im Original bei Jeux Opla erschienen ist und in der deutschen Version von Hutter vertrieben wird, sind die Autoren Florent Toscano und Julien Prothière.

In diesem Lokal geht es wahrlich kosmopolitisch zu. Hier kann jeder Mensch, egal welche Sprache er spricht, vorbeikommen und sich ein typisches Gericht servieren lassen. Zumindest theoretisch, denn wie immer hängt es auch hier einmal mehr am Personal…

Zu Beginn einer Partie werden zunächst die Rollen festgelegt. So übernimmt ein Spieler den Part des Kellners, wozu er sich mit einem Smartphone oder Tablet und einem Headset bewaffnen und die App des Spieles herunterladen muss. Ein anderer Spieler wird zum Oberkellner und erhält die Tischkarten, den Notizblock und einen Stift. Die übrigen Spieler (mindestens 2, maximal 6) werden Köche und teilen untereinander die Zutatenkarten und die Sprachenkarten, mit denen die Runde spielen will, auf. Sobald alle bereit sind, startet der Kellner die App und das Lokal beginnt sich mit Gästen zu füllen, deren Bestellungen er über das Headset hört und an den Oberkellner meldet. Dieser notiert sich Tisch und Speise und gibt letztere an die Köche weiter, die nun auf ihren Sprachenkarten das passende Gericht und die zugehörigen Zutaten finden müssen. Haben sie beides beisammen, geben sie Sprachenkarte und Zutaten an den Oberkellner, der sie wiederum zusammen mit der Tischkarte an den Kellner weiterreicht, der dann in der App überprüft, ob die richtige Speise serviert wurde. Ist dies der Fall, gibt es Punkte, ist die Speise falsch, gibt es, wie auch für Nachfragen, erneutes Abhören der Bestellung oder dem Servieren nach Ablauf der Zeit, Minuspunkte. Nach 6 min oder falls schon vorher alle Tische bedient wurden, ist die Partie zu Ende und die App gibt das Endergebnis aus. Entspricht dieses den Mindestanforderungen der gewählten Schwierigkeitsstufe, wird für die nächste Partie eine höhere Schwierigkeitsstufe freigeschaltet, durch die ggf. noch zusätzliches Spielmaterial ins Spiel kommt.

Die lange Wartezeit auf Kosmopolit hat sich durchaus gelohnt. Wir haben hier ein wirklich gut gemachtes, witziges, kooperatives Spiel mit App-Unterstützung, das sich flott spielt und auch nach mehreren Partien nichts von seinem Reiz verliert. In gewisser Weise hat man hier das Stille Post-Prinzip ins Brettspielformat umgesetzt, denn es ist bisweilen erstaunlich, was aus den Speisen, die der Kellner auf seinem Headset hört, wird, bis sie dann bei den Köchen ankommen. Da ist teilweise sehr viel Phantasie gefragt, um die richtige Speise auf den Sprachenkarten zu entdecken, und wenn der Oberkellner seine eigenen Notizen nicht mehr lesen kann, wenn er die Speisen aus der Küche erhält, sind die Lacher vorprogrammiert.

Titel: Kosmopolit
Autoren: Florent Toscano, Julien Prothière
Verlag: Jeux Opla / Hutter

Eine wundervolle Welt

Ein Spiel, das wir während der B-Rex Tage wahrscheinlich übersehen hätten, wenn uns ein Kollege nicht davon vorgeschwärmt und uns zu einer Proberunde eingeladen hätte, ist Eine wundervolle Welt des Autors Frédéric Guérard, das in der deutschen Version beim Kobold Spieleverlag erschienen ist. Da uns das Spiel bei der Testrunde in Schkopau sehr gut gefallen hat, haben wir uns zwischenzeitlich ein Exemplar besorgt, um es hier nun etwas ausführlicher vorzustellen. Da das Spielmaterial recht umfangreich ist, wird es in einer großen quadratischen Box mit Einleger geliefert. In dieser finden wir den 5-teiligen Spielplan, 155 Karten, 170 Würfel, 80 Plättchen, einen Rundenzähler, den Wertungsblock und das Anleitungsheft.

Aufstrebende Imperien wetteifern miteinander um die Vorherrschaft. Doch nur wer am Ende genügend Ressourcen produziert und sie am geschicktesten einsetzt, wird sich schneller zur führenden Macht entwickeln als die Konkurrenten.

Zur Vorbereitung einer Partie muss zunächst der Spielplan zusammengebaut und mit Ressourcenwürfeln und Personenplättchen bestückt werden. Dann zieht jeder Spieler zufällig eine Imperiumskarte, die er wahlweise mit der A- oder B-Seite vor sich ablegt. Sobald auch noch die Entwicklungskarten gemischt und der Rundenzähler bereitgelegt wurden, kann es losgehen. Eine wundervolle Welt wird über 4 Runden gespielt, die aus jeweils 3 Phasen bestehen, die alle Spieler gleichzeitig abhandeln. Die erste Phase ist die Draftphase. Hier erhält jeder Spieler verdeckt 7 Entwicklungskarten auf die Hand, wählt eine aus, die er offen in seinen Draftbereich legt, und reicht die restlichen weiter. Dies wird so oft wiederholt, bis jeder Spieler 7 Karten in seinem Draftbereich hat. In der nun anschließenden Planungsphase entscheiden die Spieler, welche der Karten sie in ihren Baubereich ziehen und welche sie gegen Rohstoffe recyceln wollen. In der abschließenden Produktionsphase nehmen sich die Spieler die Rohstoffe, die die Karten in ihrem Imperiumsbereich liefern, und nutzen diese, um Karten im Baubereich zu bauen und so dem Imperiumsbereich hinzuzufügen. Nach dem Ende der vierten Runde erfolgt eine Wertung, bei der alle gesammelten Siegpunkte zusammengezählt werden. Wer die meisten Punkte hat, gewinnt.

Trotz des wirklich üppigen Spielmaterials ist Eine wundervolle Welt ein wirklich einfaches, schnell erlernbares Draftinggame, das sich sehr flüssig und ohne lange Wartezeiten spielt. Genaue Planung ist hier das A und O, um am Ende Erfolg zu haben. Denn oftmals ist es sinnvoller, eine scheinbar wertvolle Entwicklungskarte für Rohstoffe zu opfern, da man so andere Karten bauen kann, die einem letztlich mehr Punkte bringen. Für uns bietet dieses Spiel jede Menge Spielspaß und das bei einem sehr hohen Wiederspielwert, da so viele Entwicklungskarten vorhanden sind, dass man selbst bei mehreren Partien nacheinander nur selten identische Karten auf die Hand bekommt und somit jedes Mal seine Strategie wieder neu überdenken muss.

Titel: Eine wundervolle Welt
Autor: Frédéric Guérard
Verlag: La Boîte de Jeu / Ori Games / Kobold Spieleverlag

innoSPIEL 2022 – Die Nominierten

Auch dieses Jahr wird der Veranstalter der Internationalen Spieltage SPIEL, der Friedhelm Merz Verlag, zusammen mit der Stadt Essen den Preis innoSPIEL vergeben. Aus der Masse der Spieleneuheiten hat eine Fachjury aus Spielekritikern daher 3 Titel ausgewählt, die sich durch besondere Qualitäts- und Innovationsmerkmale auszeichnen. Aus diesen Nominierten wird dann der Siegertitel ausgewählt werden, welcher im Rahmen der SPIEL `22 in Essen bekanntgegeben wird.

Die Nominierten für den innoSPIEL 2022 sind:

Echoes

In dieser Audio-Mystery-Reihe liefern großformatige Karten, die über eine App gescannt werden, den Spielern Klangfragmente, aus denen sie nach und nach eine Geschichte zusammensetzen. Hierzu müssen sie die Klangfragmente in die richtige Reihenfolge bringen und so den jeweiligen Fall entschlüsseln. Als eine Art akustisches Puzzle werden in den einzelnen Fällen der Echoes-Reihe so kleine Hörspiele geschaffen, die bei den Spielern das Kopfkino anregen.

 Foto: © Ravensburger

Hey Yo

Wie alle Musiker wollen natürlich auch die Mitglieder von Rap-Bands berühmt werden. Doch das gelingt nur, wenn sie ihre Reime auch an die Beats und den Rhythmus anpassen. Bei diesem Spiel treten mehrere Teams gegeneinander an und die mitgelieferte Mini-Boombox gibt den Takt vor, in dem die Teammitglieder ihre Karten ablegen müssen. Dies führt dazu, dass selbst unmusikalische Menschen in einen Flow kommen und am Ende im Takt mitwippen.

Foto: © Oink Games

Wonder Book

Oniria, das Land der Drachen, ist bedroht. Nur wenn es gelingt, mit Hilfe des Wonder Book in die Vergangenheit zu reisen, werden die Drachen gerettet werden können. Hier muss eine Spielgruppe in sechs Kapiteln interaktiv ihre Entscheidungen diskutieren und festlegen, in welcher Reihenfolge die einzelnen Aktionen ausgeführt werden sollen. Denn je nachdem wie sich die Gruppe entscheidet, wird der Spielverlauf in diesem kooperativen Spiel eine andere Wendung nehmen. Ein echter Hingucker ist zudem der Baum, der mit seiner Pop-Up-Krone das namensgebende Buch überragt und dabei selbst viele Funktionen bietet.

Foto: © Abacusspiele / dv Giochi

Allie Gator

Unter den 2022er-Frühjahrsneuheiten des Stuttgarter Kosmos-Verlages fand sich auch das Kartenspiel Allie Gator des Autors Klaus Kreowski, das wir uns heute mal etwas genauer anschauen wollen. Geliefert wird es in einer kompakten, rechteckigen Box mit recht düsterem Coverdesign, welche auch gleich Teil des Spielmaterials ist. Dieses umfasst zudem noch 88 Karten, 3 Tableaus, einen Chip, 4 Punktezähler mit je 3 farblich passenden Zähnen und das Regelfaltblatt.

Allie Gator liegt im Schilf auf der Lauer und wartet auf ihr nächstes Opfer. Glücklicherweise habt ihr schöne Dinge dabei, um sie abzulenken. Doch nicht immer hat man das passende Objekt zur Hand und dann schnappt Allie gnadenlos zu!

Zum Beginn der Partie erhält jeder Spieler einen Punktezähler mit den zugehörigen Zähnen. Dann wird die Box aufgeklappt als Spielfeld in der Tischmitte platziert, die Karten gemischt, als Nachziehstapel bereitgelegt und jeweils eine Karte offen auf die beiden Zielfelder, sowie der Chip auf einen der entsprechenden Platzhalter im Spielfeld gelegt. Anschließend erhalten alle Spieler 5 Karten vom Nachziehstapel auf die Hand, die Tableaus werden bereitgelegt und die Partie kann starten. In seinem Zug muss der aktive Spieler entweder eine seiner Handkarten ausspielen oder, wenn er dies nicht kann oder will, die Karten, die unterhalb des Chips liegen nehmen, offen vor sich ablegen und, nachdem er den Chip ins andere Platzhalterfeld verschoben hat, das freie Zielfeld mit einer neuen Zahlenkarten von seiner Hand bestücken. Spielt der Spieler dagegen eine seiner Handkarten, so muss er eine Zahlenkarte unterhalb einer der beiden Zielkarten ablegen. Ihr Wert muss dabei kleiner als der der Zielkarte, aber höher als der der Karte, die ggf. schon unterhalb der Zielkarte liegt, sein. Spielt er dagegen eine Sonderkarte aus, legt er diese offen vor sich ab und führt deren Aktion aus. Am Ende seines Zuges zieht er wieder auf 5 Handkarten auf. Sobald die letzte Karte vom Nachziehstapel gezogen wurde, wird noch so lange weitergespielt, bis ein Spieler die Karten unterhalb des Chips nehmen muss. Nun zählen alle Spieler die Karten, die sie offen vor sich liegen haben. Wer die wenigsten hat, setzt den Zweierzahn in seinen Punktezähler ein, wer die zweitwenigsten Karten hat, den Einerzahn. Das Spiel endet, sobald ein Spieler „die Schnauze voll hat“, also alle 3 Zähne in seinen Punktezähler eingesetzt hat. Die Spieler zählen nun die Werte ihrer Zähne zusammen. Wer die meisten Punkte hat, gewinnt.

Wir waren zugegeben anfangs etwas skeptisch, als Allie Gator vor uns auf dem Tisch lag, doch war diese Skepsis schnell verflogen. Wir haben hier ein wirklich witziges, schnelles Kartenspiel vor uns, das einfache, leicht verständliche Regeln aufweist und bei dem man seinen Mitspielern nach Herzenslust eine reinwürgen kann, wenn man ihnen die Möglichkeit verbaut, die eigenen Karten loszuwerden und sie zwingt, die Auslage zu nehmen, was teils massig Minuspunkte bringen kann. Von daher ist Allie Gator, das nicht zuletzt auch durch das schön gestaltete Spielmaterial, mit einer sehr angenehmen Haptik der Karten punkten kann, auch etwas für Leute, die sonst mit Kartenspielen nichts am Hut haben.

Titel: Allie Gator
Autor: Klaus Kreowski
Verlag: Kosmos

Bossin Space

Ein weiteres Spiel des tschechischen Verlages Albi, das uns auf der SPIEL `21 in Essen aufgefallen war, war das kooperative Spiel Bossin Space, das auch in einer Soloversion spielbar ist. Entwickelt wurde es vom Autorenduo Petr Vojtěchn und Jindřich Pavlasek und präsentiert sich in einer quadratischen Box mit der Albi-typischen Cover-Optik, in der wir das Spielbrett, die Ausrüstungstafel, 128 Karten, 24 Marker, 5 Boss-Aufsteller, einen Boss-Halter, sowie Regelhefte und Kurzanleitungen in mehreren Sprachen finden.

Im Weltall lauern überall Gefahren. Eine mutige Crew durchquert mit ihrem Raumschiff die unendlichen Weiten und stößt dabei immer wieder auf neue, gefährliche Aliens, denen sie sich stellen muss.

Vor dem Spielstart werden Spielbrett und Ausrüstungstafel in der Tischmitte platziert und gemäß Anleitung mit Markern bestückt. Danach werden die verschiedenen Kartendecks je nach Spielerzahl zusammengestellt und neben dem Spielplan bereitgelegt. Anschließend werden die Mannschaftskarten gemischt und an jeden Spieler eine verteilt. Zusätzlich erhalten die Spieler Karten vom Kommando-Deck als Handkarten. Sobald der Kapitän bestimmt ist, kann die Partie starten. In jeder Runde werden zunächst 4 Gefahrenkarten aufgedeckt und als Zeitleiste bereitgelegt. Die Spieler suchen nun eine ihrer Handkarten aus und legen diese verdeckt in die Tischmitte. Der Kapitän deckt dann die Kommandokarten auf und die Gruppe bespricht sich, wie sie die Karten nutzen will. Ist Einigkeit erzielt, wird jeweils eine der Kommandokarten an eine der Gefahrenkarten der Zeitleiste angelegt. Nun werden die Effekte der Kommando- und Gefahrenkarten nacheinander abgehandelt, was die Bewegung des Raumschiffs oder der Aliens, Angriffsaktionen, Regenerierung von Lebenspunkten und ähnliches bedeuten kann. Durch das Abschießen von Aliens können zudem Erfahrungspunkte gesammelt werden, welche genutzt werden können, um das Raumschiff zu verbessern. Die Partie endet mit einer Niederlage, wenn alle Lebenspunkte verbraucht sind oder das Raumschiff überhitzt, oder mit dem Sieg, wenn der Alien-Boss besiegt wird.

War da nicht mal was? Richtig! Es gab einmal einen Computer- und Konsolenspieleklassiker namens Space Invaders. Bossin Space ist in gewisser Weise die Brettspielumsetzung davon. Von daher wird hier manch einer beim Spielen wohl nostalgische Gefühle entwickeln. Die Umsetzung von Space Invaders ins Brettspielformat ist dabei recht gut gelungen und die Idee, das Spiel bei der Gelegenheit gleich zu einem kooperativen Spiel umzubauen, sicherlich nicht schlecht. Aber wie schon das klassische Space Invaders so spielt sich Bossin Space eigentlich alleine am besten.

Titel: Bossin Space
Autoren: Petr Vojtěch, Jindřich Pavlasek
Verlag: Albi