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B-Rex Days 2022

Auch dieses Jahr haben wir uns am ersten September-Wochenende wieder auf eine kleine Reise nach Merseburg begeben, wo wir für gut 2 Tage unser Quartier aufgeschlagen haben. Denn auch 2022 fanden in der Bischofsburg Liebenau in Schkopau die B-Rex Days statt, in deren Rahmen wir die Neuheiten von Corax Games, Kobold, Giant Roc, Grimspire, Fun Bot und Mirakulus unter die Lupe nehmen und zusammen mit Kollegen und guten Freunden unter fachkundiger Erläuterung von Erklärern testen konnten.

Bei der Fülle an neuen Spielen, die die 6 Verlage vorgestellt haben, müssen wir uns bei der Aufzählung wieder auf die Titel für 5 und mehr Spieler beschränken, da sie sonst den Rahmen dieses Beitrages sprengen würden. Alle Neuheiten und Erweiterungen zusammengenommen kommen wir nämlich auf weit mehr als 60 Titel! Da wir aber während der B-Rex Days 2022 auch einige mehr als interessante Spiele für 4 oder weniger Spieler zumindest angetestet haben, werden wir das eine oder andere davon sicherlich in Zukunft noch hier im Blog vorstellen. Doch genug der einleitenden Worte, hier kommen die Neuheiten:

Bei Fun Bot werden mit Trophies und Wirre Worte zwei Partyspiele erscheinen, die sich auch in wirklich großer Runde spielen lassen und beide im weitesten Sinne um das Thema Wortfindung kreisen. Während die Spieler bei Trophies Worte zu einer bestimmten Kategorie und mit einem vorgegebenen Anfangsbuchstaben finden müssen, geht es bei Wirre Worte darum, aus Hinweisen gemeinschaftlich wunderliche Wortpaare zu ermitteln. Beim Legespiel Hennen hingegen steigt man in die Rolle eines Hühnerzüchters, während Muse Renaissance eine neue Version des bekannten Spieles Muse mit neuen Meisterwerken und einem neuen Wertungssystem ist. Last but not least wäre da noch das Kartenspiel GAP, das zusammen mit Drebo – einem Würfelspiel, bei dem nicht gewürfelt wird – als Überraschungsneuheit präsentiert wurde, die wir hier im Blog bald noch ausführlich besprechen werden.

Weiter geht es mit Kobold, wo wir uns auf eine Erweiterung für Furnace freuen dürfen, die nicht nur neues Spielmaterial für das Grundspiel sondern auch Material für einen fünften Spieler bringen wird. Beim Roll`n Write Riverside gehen wir mit Ausflugsschiffen auf eine Rundreise entlang eines Eisflusses und müssen versuchen, unseren Reisegästen möglichst spannende Landgänge anzubieten. Wer schon immer einen nachhaltigen Bauernhof betreiben wollte, für den ist Farm Club das richtige Spiel, und Fans von anspruchsvollen Taktikspielen werden bei Kobold in Form von Buru fündig werden, das uns in die Zeit des Majapahit-Reiches in Indonesien zurückversetzt.

Lediglich einen neuen Titel für 5 und mehr Spieler bringt Grimspire heraus und zwar das kooperative Deduktions- und Abenteuerspiel Mortum, in dem mittelalterliche Technologie auf magische Kräfte und okkultes Wissen trifft.

Hochprozentigen Spielspass verspricht das Strategiespiel Destilled von Giant Roc, bei dem die Spieler in jeder Runde eine von 15 einzigartigen Spirituosen herstellen, die sie entweder sofort verkaufen oder in ihrem Fasskeller einlagern und reifen lassen können, um ihren Wert zu steigern. Des Weiteren werden bei Giant Roc noch eine Erweiterung zu Venedig, das wir hier ja schon vorgestellt hatten, und das neue Area-Control-Spiel Florenz erscheinen, welches uns als Oberhäupter mächtiger Adelsfamilien in die Renaissance entführt, als die Medici über die Stadt am Arno herrschten.

Bei Corax Games ist der Engine-Builder Belaad angekündigt. Hier gilt es, je nachdem welche Fraktion man verkörpert, möglichst viele Gelehrte anzuwerben oder zu ermorden. In Unfair bauen die Spieler dagegen Freizeitparks auf und wetteifern darum, am Ende den besten Freizeitpark Australiens zu haben, was die Konkurrenten natürlich verhindern wollen. Im interaktiven Kartenwahl- und Kartenmanagementspiel Red Rising, das auf der Romanreihe von Pierce Brown basiert, versuchen die Spieler schließlich, als Vertreter mächtiger Häuser in einer fernen Zukunft ihren Einfluss zu vergrößern, wobei sie entscheiden müssen, ob sie das herrschende System unterstützen oder im Untergrund an dessen Umsturz arbeiten wollen.

Abschließen wollen wir unseren kleinen Neuheiten-Überblick mit den Titeln für 5 und mehr Spieler von Mirakulus. Hier wäre einmal das Familienspiel Drachenhort zu nennen, bei dem wagemutige Helden versuchen, einem Drachen seine Schätze zu stehlen, bevor dieser erwacht. In Arcana Rising messen sich hingegen bis zu 6 Magier in einem Kampf um Wissen und Macht. Und dann hätten wir da noch Steampunk Ralley Fusion, einem eigenständigen Spiel aus der Steampunk-Welt, bei dem berühmte Erfinder Rennmaschinen bauen und dann gegeneinander in einem waghalsigen Rennen antreten.

Wie letztes Jahr auch warteten zudem in weiteren Räumen der Schlossanlage noch Prototypen zukünftiger Spiele darauf, ausprobiert zu werden, über die wir hier natürlich nicht mehr verraten können. Von daher war unser Ausflug nach Schkopau wieder mehr als gelungen und es sei an dieser Stelle den Veranstaltern noch einmal recht herzlich für das perfekt organisierte Event gedankt.

Eine wundervolle Welt

Ein Spiel, das wir während der B-Rex Tage wahrscheinlich übersehen hätten, wenn uns ein Kollege nicht davon vorgeschwärmt und uns zu einer Proberunde eingeladen hätte, ist Eine wundervolle Welt des Autors Frédéric Guérard, das in der deutschen Version beim Kobold Spieleverlag erschienen ist. Da uns das Spiel bei der Testrunde in Schkopau sehr gut gefallen hat, haben wir uns zwischenzeitlich ein Exemplar besorgt, um es hier nun etwas ausführlicher vorzustellen. Da das Spielmaterial recht umfangreich ist, wird es in einer großen quadratischen Box mit Einleger geliefert. In dieser finden wir den 5-teiligen Spielplan, 155 Karten, 170 Würfel, 80 Plättchen, einen Rundenzähler, den Wertungsblock und das Anleitungsheft.

Aufstrebende Imperien wetteifern miteinander um die Vorherrschaft. Doch nur wer am Ende genügend Ressourcen produziert und sie am geschicktesten einsetzt, wird sich schneller zur führenden Macht entwickeln als die Konkurrenten.

Zur Vorbereitung einer Partie muss zunächst der Spielplan zusammengebaut und mit Ressourcenwürfeln und Personenplättchen bestückt werden. Dann zieht jeder Spieler zufällig eine Imperiumskarte, die er wahlweise mit der A- oder B-Seite vor sich ablegt. Sobald auch noch die Entwicklungskarten gemischt und der Rundenzähler bereitgelegt wurden, kann es losgehen. Eine wundervolle Welt wird über 4 Runden gespielt, die aus jeweils 3 Phasen bestehen, die alle Spieler gleichzeitig abhandeln. Die erste Phase ist die Draftphase. Hier erhält jeder Spieler verdeckt 7 Entwicklungskarten auf die Hand, wählt eine aus, die er offen in seinen Draftbereich legt, und reicht die restlichen weiter. Dies wird so oft wiederholt, bis jeder Spieler 7 Karten in seinem Draftbereich hat. In der nun anschließenden Planungsphase entscheiden die Spieler, welche der Karten sie in ihren Baubereich ziehen und welche sie gegen Rohstoffe recyceln wollen. In der abschließenden Produktionsphase nehmen sich die Spieler die Rohstoffe, die die Karten in ihrem Imperiumsbereich liefern, und nutzen diese, um Karten im Baubereich zu bauen und so dem Imperiumsbereich hinzuzufügen. Nach dem Ende der vierten Runde erfolgt eine Wertung, bei der alle gesammelten Siegpunkte zusammengezählt werden. Wer die meisten Punkte hat, gewinnt.

Trotz des wirklich üppigen Spielmaterials ist Eine wundervolle Welt ein wirklich einfaches, schnell erlernbares Draftinggame, das sich sehr flüssig und ohne lange Wartezeiten spielt. Genaue Planung ist hier das A und O, um am Ende Erfolg zu haben. Denn oftmals ist es sinnvoller, eine scheinbar wertvolle Entwicklungskarte für Rohstoffe zu opfern, da man so andere Karten bauen kann, die einem letztlich mehr Punkte bringen. Für uns bietet dieses Spiel jede Menge Spielspaß und das bei einem sehr hohen Wiederspielwert, da so viele Entwicklungskarten vorhanden sind, dass man selbst bei mehreren Partien nacheinander nur selten identische Karten auf die Hand bekommt und somit jedes Mal seine Strategie wieder neu überdenken muss.

Titel: Eine wundervolle Welt
Autor: Frédéric Guérard
Verlag: La Boîte de Jeu / Ori Games / Kobold Spieleverlag

Crash Octopus

Auf den B-Rex Days letztes Jahr im September hatten wir die Gelegenheit, das Schnipsspiel Crash Octopus des Autors Naotaka Shimamoto erstmals zu testen. Mittlerweile ist die in einigen Details nochmal überarbeitete deutsche Version bei Funbot erschienen, so dass wir sie nun nochmal in Ruhe etwas genauer unter die Lupe nehmen wollen. Geliefert wird das Spiel in einer quadratischen Box, auf deren Cover uns dann auch gleich der namensgebende Octopus anblickt. In der Box finden wir einen Würfel, eine Krabbe, den Octopus (Kopf und 8 Tentakel), einen Timer, 8 Flaggen, 4 Schiffe, 4 Anker, 20 Schätze, Erweiterungsmaterial und das Regelheft.

Im Meer treiben zahlreiche Schätze, die geborgen werden wollen. Doch ein gigantischer Octopus bewacht diese Schätze eifersüchtig und dann gibt es da noch andere wagemutige Kapitäne, die euch die Beute streitig machen wollen. Wer wird wohl als Erster von euch mit seinen Schätzen sicher wieder heimkehren?

Zur Spielvorbereitung wird die Schnur mit Perlen, die den Timer bildet, kreisförmig als Spielfeldbegrenzung in die Tischmitte gelegt und die Krabbenminiatur hinter die letzte blaue Perle auf die Schnur gesetzt. Dann werden der Kopf des Octopus in der Mitte des Spielfeldes und die Tentakel kreisförmig darum platziert. Anschließend stellen alle Spieler ihr Schiff zusammen mit ihrem Anker ins Spielfeld und nehmen ihre Flaggen. Zuletzt werden noch die Schätze zufällig im Spielfeld verteilt, indem sie ein Spieler aus seinen Händen auf den Kopf des Octopus fallen lässt, und der Würfel bereitgelegt und es kann losgehen. Der aktive Spieler schnipst entweder in seinem Zug mit seiner Flagge einen der Schätze, oder navigiert sein Schiff. Trifft er beim Schnipsen sein Schiff, darf er den Schatz auf dieses aufladen. Beim Schnipsen muss er allerdings beachten, dass er Schätze, die schon auf seinem Schiff liegen, und den Schatz, der seinem Schiff am nächsten liegt, nicht schnipsen darf. Ebenso darf er Schätze, die beim Schnipsen von seinem Schiff fallen, nicht wieder aufladen. Danach rückt er die Krabbe eine Perle vor, was einen Angriff des Octopus auslösen kann. Hierzu lassen reihum alle Spieler den Würfel auf den Octopus-Kopf fallen. Trifft er ein Schiff und Schätze fallen herunter, dürfen diese nicht wieder aufgeladen werden, bleibt er auf der schwarzen Seite liegen, kann der Spieler ein Tentakel an die Stelle bewegen, bei der rosa Seite hingegen den Octopus-Kopf. Will der Spieler sein Schiff navigieren, schnipst er den Anker und stellt sein Schiff dann an die neue Position. Die Partie endet, sobald ein Spieler 5 unterschiedliche Schätze auf seinem Schiff hat, mit seinem Sieg oder wenn die Krabbe über die letzte Perle bewegt wird. Hierbei gewinnt, wer die meisten Schätze auf seinem Schiff hat und bei Gleichstand, wer die wertvolleren Schätze hat.

Crash Octopus ist kein Spiel, das sich durch außergewöhnlich komplizierte Spielregeln auszeichnet. Diese sind einfach und schnell erlernt. Vielmehr steht hier der pure Spielspaß im Vordergrund, der aber nur aufkommt, wenn man es mit der passenden Spielergruppe spielt, die sich auf dieses wirklich simple Schnipsspiel einlässt. Hier geht es nämlich nicht darum, eine geniale Taktik zu entwickeln, sondern nur darum, geschickt genug die benötigten Schätze so gegen sein Schiff zu schnipsen, dass die schon verladenen nicht unter dem hämischen Gelächter der Mitspieler wieder herunterfallen. Sprich, am Ende entscheidet nur der Zufall und das persönliche Glück, ob man Erfolg hat oder nicht. Wer sich daran nicht stört, hat hier ein schön gemachtes Spiel, das einem nicht zuletzt auch durch das nahezu komplett aus Holz gefertigte Spielmaterial, lange Freude bereiten wird.

Titel: Crash Octopus
Autor: Naotaka Shimamoto
Verlag: Itten / Fun Bot

König aller Barden

Während der B-Rex Tage 2021 hatten wir ja schon Gelegenheit, einen ersten Blick auf das Familienspiel König aller Barden von Nikola R. Petrov zu werfen. Mittlerweile ist der Titel nun bei Mirakulus erschienen, so dass wir ihn einmal etwas genauer unter die Lupe nehmen können. König aller Barden kommt in einer quadratischen Standardbox daher, deren Cover die Grafiken von Atanas Lozanski und Ivelin Trifonov zieren, die auch das sonstige Artwork geschaffen haben. Öffnen wir die Box, finden wir darin das Spielmaterial in Form von 8 Figuren, 8 Würfeln, 80 Scheiben, 160 Karten, 50 Kristallen, 7 Tableaus, 16 Markern, einem Beutel und der Anleitung.

Wie alle Jahre treten die Barden wieder zu ihrem Wettstreit um die Krone als König aller Barden an. Dafür geben sie in den Tavernen der Stadt ihre Lieder zum Besten, wobei ihre Fans sie tatkräftig unterstützen. Doch am Ende wird nur einer von ihnen den Sieg erringen können…

Zum Spielstart wird das Marktplatztableau in die Tischmitte gelegt und die Tavernentableaus entsprechend ihrer Nummerierung darum platziert. Dann wählt sich jeder Spieler eine Spielerfarbe und erhält die zugehörigen Karten, Fanscheiben, den Würfel und seine Spielerfigur. Die Bardenkarte legen die Spieler vor sich ab, die übrigen 18 Karten mischen sie und ziehen 6 auf die Hand, während die übrigen den persönlichen verdeckten Nachziehstapel bilden. Nun platzieren alle Spieler je eine Fanscheibe auf dem Marktplatz und in einer Taverne ihrer Wahl. Zuletzt werden noch die Obolus-Kristalle bereitgelegt, von denen jeder Spieler einen erhält und die Partie kann starten. König aller Barden wird in mehreren Runden gespielt, die aus einzelnen Phasen bestehen. In der Bewegungsphase entscheiden alle Spieler, in welche Taverne sie ihren Barden setzen wollen, indem sie die entsprechende Zahl verdeckt mit ihrem Würfel auswählen. Haben alle ihre Wahl getroffen, decken die Spieler die Würfel auf und stellen ihre Barden in die jeweilige Taverne. Landen so 2 oder mehr Barden in derselben Taverne, kommt es zu einem Duell. Hierzu ziehen alle Beteiligten verdeckt eine Liedkarte von ihrer Hand, decken sie gleichzeitig auf und würfeln. Wer nach Anwendung aller Modifikatoren als Sieger aus dem Duell hervorgeht, darf entweder einen Obolus nehmen, oder einen Fan in die Taverne stellen oder eine Karte von seinem Nachziehstapel ziehen. Die Verlierer setzt seine Figur auf den Marktplatz und darf eine Karte von seinem Nachziehstapel ziehen. Nun beginnt Phase 3, der Auftritt. In dieser Phase spielt der jeweils aktive Spieler eine Liedkarte von seiner Hand und würfelt. Erreicht er unter Berücksichtigung aller Modifikatoren mindestens eine 5 darf er sich entweder einen Obolus nehmen, oder einen Fan in die Taverne setzen – bzw. wenn er auf dem Marktplatz steht, einen beliebigen Fan vom Marktplatz in eine beliebige Taverne setzen oder umgekehrt – oder eine Karte von seinem Nachziehstapel ziehen. Er kann dies wiederholen, solange er Liedkarten auf der Hand hat und der Auftritt erfolgreich ist. Haben so reihum alle Spieler ihre Auftritte absolviert, werden in der so genannten Erfrischungsphase die ausgespielten Karten auf den Abwurfstapel gelegt. Noch vorhandene Handkarten, können optional abgeworfen werden, wobei die Spieler für 3 abgeworfene Trickkarten einen Obolus erhalten. Dann ziehen alle wieder auf 6 Handkarten auf und die nächste Runde beginnt. Die Partie endet, sobald ein Spieler 5 Obolusse und Fans in 5 Tavernen hat. Dieser gewinnt die Partie und ist nun König aller Barden.

König aller Barden ist ein gut gemachtes Familien- und Partyspiel, das sich schnell erlernen lässt und sich zudem sehr flott spielt. Downtime für inaktive Spieler gibt es hier nicht, denn durch die Trickkarten, kann man auch während des Zuges eines Mitspielers jederzeit ins Spielgeschehen eingreifen und dieses verändern. Eine witzige Idee ist zudem das so genannte Prügelsäckchen, in das die Fanscheiben gesteckt werden, wenn in einer Taverne mehr Scheiben liegen, als Spieler in der Runde sind, und aus dem dann eine Scheibe zufällig wieder gezogen wird, die auf den Marktplatz wandert.

Titel: König aller Barden
Autor: Nikola R. Petrov
Verlag: Mirakulus

Shamans

Während der B-Rex Tage im September 2021 hatten wir ja schon die Gelegenheit, das Deduction Game Shamans von Cédrick Chaboussit in seiner englischen Version ein erstes Mal zu testen. Mittlerweile ist nun auch die deutsche Version bei Corax Games erschienen, so dass wir das Spiel nochmal in Ruhe einem Test unterziehen konnten. Geliefert wird es in einer sehr dezent gestalteten, rechteckigen Box, in der sich der Spielplan, eine Figur, 14 Plättchen, 61 Karten, 42 Marker und das Regelheft befinden.

Die Schamanen beschützen die Geisterwelten seit Anbeginn der Zeiten vor den Schatten. Doch ihre Mission ist in Gefahr, denn einige von ihnen sind den Schatten verfallen und versuchen, das Gleichgewicht zwischen den Welten zu stören und das Universum ins Chaos zu stürzen.

Bevor eine Partie Shamans starten kann, wird der Spielplan in die Tischmitte gelegt, die Schattenfigur auf den Schattenpfad gestellt und die Artefaktplättchen auf die zugehörigen Felder gelegt. Danach zieht jeder Spieler verdeckt eine Charakterkarte. Zuletzt werden noch die Weltenkarten gemischt und als Handkarten an die Spieler verteilt und es kann losgehen. Der aktive Spieler spielt in seinem Zug eine seiner Handkarten aus. Reihum folgen nun seine Mitspieler. Können sie die Farbe bedienen, geschieht zunächst nichts, können oder wollen sie die Farbe nicht bedienen, bewegt sich die Schattenfigur für jede Karte der falschen Farbe ein Feld Richtung Mond. Haben alle Spieler eine Karte gelegt, wird ermittelt, wer die niedrigste und wer die höchste passende Karte gelegt hat. Derjenige, der die niedrigste passende Karte gelegt hat, darf sich ein Artefaktplättchen nehmen, wobei er eines der beiden offenen oder das oberste verdeckte vom Artefaktplättchenstapel nehmen darf. Solange es nicht die Maske der Wahrheit ist, bei der der Spieler sofort seine Charakterkarte aufdecken muss, kann er das Plättchen verdeckt vor sich ablegen und einsetzen, wenn er am Zug ist. Derjenige, der die höchste passende Karte gelegt hat, sammelt alle Karten ein und legt sie an den zugehörigen Bestimmungsort am Spielplan. Sobald er die letzte Karte eines Sets dort anlegt, löst er das zugehörige Ritual dieses Ortes, wie z.B. das Zurückziehen der Schattenfigur, den Tausch von Rollenkarten, usw. aus. Die Runde endet mit dem Sieg der Schamanen, wenn kein Spieler mehr Karten auf der Hand hat oder der letzte Schatten eliminiert wurde. In diesem Fall erhalten alle überlebenden Schamanen je 2 Siegpunkte. Die Schatten gewinnen, sobald die Schattenfigur den Mond erreicht. In diesem Fall erhalten alle überlebenden Schatten je 3 Siegpunkte. Falls am Ende einer Runde ein Spieler 8 Siegpunkte hat, gewinnt er die Partie und das Spiel endet.

Auch wenn wir uns ja für Deduction Games sonst nicht so wirklich begeistern können, hat uns Shamans schon damals während der B-Rex Tage extrem gut gefallen und daran hat sich auch jetzt nichts geändert. Dieses Spiel nimmt auch Leute mit, die mit diesem Spielegenre sonst nichts am Hut haben, denn es spielt sich wirklich geschmeidig und ohne lange Pausen und bleibt dabei oft bis zuletzt spannend. Einen weiteren großen Pluspunkt bildet auch das Spielmaterial an sich, das eine optische Augenweide ist.

Titel: Shamans
Autor: Cédrick Chaboussit
Verlag: Corax Games

Deranged

Während der diesjährigen B-Rex Tage hatten wir ja schon Gelegenheit, einen ersten Blick auf das kooperative Abenteuerspiel Deranged des Autors German Tikhomirov, das bei Grimspire erschienen ist, zu werfen. Mittlerweile haben wir den Titel nun in Ruhe gestestet. Ganz zur düsteren Thematik des Spiels passend präsentiert sich das Cover der großen, quadratischen Box, in der es geliefert wird. In ihr sorgt ein Tiefziehteil für Ordnung beim Spielmaterial, das aus 154 Karten, 136 Markern, 12 Miniaturen, 6 Spielplanteilen, 30 Spielbögen, 6 Zählern, 2 Zeitleisten, 6 Basisringen und dem Regelheft besteht.

Reise- und Abenteuerlust haben Dich in das kleine Dorf Wutburg geführt. Ein friedliches Örtchen wie es schien, doch als Du erwachst, sind Deine Hände und Kleidung blutverschmiert und Du hörst eine Stimme in Deinem Innern, die Dir Befehle zu geben scheint. Wird es Dir und den anderen Fremden, die Du am Vortag gesehen hast, gelingen, diesem verfluchten Ort wieder zu entkommen?

Zur Spielvorbereitung wählt sich jeder Spieler einen Heldencharakter, dessen Miniatur und Charakterbogen er zusammen mit einem Basisring für die Miniatur und einem Zähler erhält. Danach wird das übrige Spielmaterial gemäß Anleitung und gewähltem Szenario aufgebaut bzw. an die Spieler verteilt. Das Spiel selbst wird in einer durch das Szenario vorgegebenen Anzahl von Kapiteln gespielt. Innerhalb eines Kapitels führt der jeweils aktive Spieler 3 Phasen durch. In der Heldenphase spielt er eine seiner Handkarten aus, die seinem Helden verschiedene mögliche Aktionen wie Bewegung, Angriff oder Durchsuchen eröffnet, oder er ruht sich aus, um die geistige Gesundheit seines Helden zu regenerieren. Hat der aktive Spieler den Schicksalsmarker, muss er in Phase 2, der Monsterphase, alle Monster auf dem Spielplan bewegen. Gelangen diese so auf ein Feld, das an das mit einem Helden angrenzt, kommt es zum Kampf. Phase 3, der Tageszeitenwechsel, wird nur abgehandelt, wenn der Zeitmarker während des Zuges des Spieler die Grenze zwischen Tag und Nacht überschritten hat. In diesem Fall müssen alle entsprechenden Schritte mit dem Beginn einer neuen Nacht oder eines neuen Tages abgehandelt werden. Wer am Ende der letzten Nacht des gewählten Szenarios keine Geisteskrank-Marker und keine Fluchkarten hat und sich mit seiner Heldenfigur auf dem verzauberten Tor befindet, gewinnt.

Wie bei Grimspire üblich haben wir hier ein sehr anspruchsvolles Spiel vor uns, bei dem man sich erst einmal in die Regeln einarbeiten muss. Es ist daher mehr als empfehlenswert, zunächst das Einsteigerszenario zu spielen, bevor man voll durchstartet. Tut man dies, hat man hier ein wirklich spannendes semi-kooperatives Abenteuerspiel, das einen über mehrere Stunden fesselt. Interessant ist dabei gerade das Spielkonzept, dass zwar am Ende jeder für sich gewinnen kann, aber dies nur gelingt, wenn man vorher zusammenarbeitet, denn sonst verlieren alle. Was zudem gefällt, ist das mehr als üppige und mit viel Liebe zum Detail gestaltete Spielmaterial.

Titel: Deranged
Autor: German Tikhomirov
Verlag: Grimspire

B-Rex Days 2021

Wir hatten uns ja mittlerweile irgendwie schon daran gewöhnt, dass Spieleverlage ihre Neuheiten nur noch virtuell in Online-Events vorstellen. Umso erfreuter waren wir daher, als wir vor einiger Zeit eine Einladung zu den B-Rex Days 2021 erhielten, die als Real-Event auf der Bischofsburg Liebenau in Schkopau stattfinden sollten. Deshalb haben wir auch sofort unsere Teilnahme zugesagt und ein Hotel in Merseburg, der nächst größeren Stadt neben Schkopau, gebucht. Nachdem sich die Coronazahlen ja seit August wieder steil nach oben bewegten, hatten wir zwar zunächst noch Bedenken, ob uns die Pandemie im letzten Moment nicht doch noch einen Strich durch die Rechnung machen könnte, doch war diese Sorge unbegründet. Und so konnten wir dann ab Freitag, 3. September für gut 2 Tage in der mittelalterlichen Bischofsburg, die den beeindruckenden Rahmen für das Event bot, die Neuheiten von Corax Games, Kobold, Giant Roc, Grimspire, Fun Bot und Mirakulus unter die Lupe nehmen und nach Herzenslust mit Kollegen und guten Freunden, die wir teils auch schon seit über einem Jahr nicht mehr gesehen hatten, unter fachkundiger Erläuterung von Erklärern testen.

Alle Neuheiten hier aufzuzählen, würde den Rahmen sprengen, denn zusammen genommen kommen wir, Erweiterungen bekannter Spiele mit eingerechnet, auf über 60! Von daher wollen wir uns hier auf die Neuheiten für 5 und mehr Spieler beschränken, die ja auch im Hauptfokus unseres Blogs liegen. Wobei wir sicherlich auch den einen oder anderen interessanten Titel für 4 oder weniger Spieler hier in der Zukunft noch vorstellen werden, den wir in diesen beiden Tagen ausprobiert haben.

Von Corax Games darf man sich auf das rundenbasierte Stichspiel Shamans freuen, das Deduktions-Elemente bietet und auch optisch eine echte Augenweide ist. Eher als Partyspiel ist dagegen Revelations ausgelegt, bei dem es darum geht, seine Mitspieler richtig einzuschätzen.

Unsere Stadt soll schöner werden, ist das Thema des Kartenspiels Village Green von Kobold, das auf den ersten Blick simpel erscheint, aber dann doch recht knifflig daherkommt. Ein wirklich toll gemachtes Drafting- und Tableauspiel ist Eine Wundervolle Welt vom selben Verlag, bei dem es gilt, eine geschickte Strategie zur Optimierung der eigenen Ressourcenproduktion zu entwickeln.

Das Strategiespiel Venedig von Giant Roc hatten wir hier ja schon vor einiger Zeit vorgestellt, ansonsten gab es nur Neuheiten für 4 und weniger Spieler, von denen einige aber auch mehr als interessant waren.

Neu im Programm von Grimspire ist das Roll`n Write Paper Dungeons, das wir unlängst schon getestet haben und demnächst hier im Blog noch ausführlich vorstellen werden. Ebenfalls bei Grimspire erscheint das semikooperative Spiel Deranged, bei dem jeder Spieler ein geheimes eigenes Spielziel hat.

Unter den Neuheiten von Mirakulus finden wir das Deduktionsspiel Grimms Maskerade, das einen in die Märchenwelt der Gebrüder Grimm entführt, während sich in König aller Barden bis zu 6 Sänger einen Wettstreit in den Kneipen der Stadt liefern.

Bei Fun Bot schließlich geht es im Geschicklichkeitsspiel Crash Octopus darum, möglichst schnell, möglichst viel Fracht auf das eigene Schiff zu bringen, während im Partyspiel Muse: Das Erwachen Spieler ihrem Team Hinweise geben müssen, hinter welcher Karte sich ihr Meisterwerk verbirgt.

Doch war hier noch lange nicht Schluss. In einem weiteren Raum der Schlossanlage warteten Prototypen zukünftiger Spiele darauf, ausprobiert zu werden. Logischerweise können wir an dieser Stelle nicht mehr verraten, aber hier werden in den nächsten Jahren definitiv noch einige sehr interessante Spiele auf uns zukommen.

Von daher war unser Ausflug nach Schkopau mehr als gelungen und es sei an dieser Stelle den Veranstaltern noch einmal recht herzlich für dieses tolle Event gedankt. Wir freuen uns jedenfalls schon auf ein Wiedersehen im Jahr 2022!