Pompeii

Als 2025 die Ankündigung kam, dass Bad Rule Games ein Spiel mit dem Titel Pompeii herausbringen wird, das dann auch noch als Setting das Leben in der Stadt am Fuße des Vesuvs kurz vor dem Ausbruch 79 n. Chr. zum Thema haben wird, war zumindest der Autor dieser Zeilen schon mehr als elektrisiert, denn das antike römische Reich ist zugegeben ein Lieblingsthema von mir. Von daher haben wir uns auf der SPIEL 25 in Essen natürlich ein Exemplar des Spiels, das der Autor Michiel Siebelt entwickelt hat, besorgt und wollen uns dieses in unserem heutigen Mittwochsspecial einmal etwas genauer anschauen. Die Verpackung für den Titel bildet eine längliche Rechteckbox mit Covergestaltung aus der Feder von Frederick van de Bunt, der auch für das sonstige Artwork verantwortlich zeichnet. Öffnen wir die Box, so sorgen im Innern ein Pappeinleger und Clipbeutel für Ordnung beim Spielmaterial. Dieses wiederum besteht aus dem Spielplan, vier Spielertableaus, 21 Plättchen, 165 Karten, 102 Münzen, 24 Figuren, 56 Markern, vier Armeezeichen sowie den Regelheften in deutscher, englischer, französischer und niederländischer Sprache.

Wir schreiben das Jahr 79 n. Chr.. Die Stadt Pompeii am Fuße des Vesuvs gilt als eine der wohlhabendsten im ganzen römischen Reich. Doch Reichtum erweckt Ehrgeiz und so wetteifern hier einflussreiche Familien um die Vorherrschaft in der Stadt. Wie lange werden die Götter diesem Treiben wohl noch zusehen?

Zur Spielvorbereitung kommt der Spielplan in die Tischmitte und wird gemäß Anleitung mit Spielmaterial bestückt bzw. dieses als allgemeiner Vorrat daneben abgelegt. Die Spieler wiederum erhalten das Tableau und das Spielmaterial in ihrer gewählten Farbe, wobei jeder drei seiner Arbeiterfiguren und sein Armeezeichen in den allgemeinen Vorrat und seinen Opfermarker auf das Feld III am Vesuv auf den Spielplan legt. Von den Spezialistenkarten erhält jeder Spieler sechs auf die Hand, aus dem allgemeinen Vorrat wiederum bekommt jeder Spieler 10 Sesterzen, die er auf alle Waren mit dem Wert I auf seinem Tableau verteilt. Ist ein Startspieler bestimmt, wählen die Spieler beginnend mit seinem rechten Nachbar und dann gegen den Uhrzeigersinn eines der roten Gebäude auf dem Spielplan, drehen das entsprechende Plättchen um und stellen ihren Eigentumsmarker darauf. Nun kann es losgehen. Pompeii wird über eine unbestimmte Anzahl an Runden gespielt, wobei die Partie in zwei Phase zerfällt. In der Ruhephase setzen die Spieler beginnend mit dem jeweiligen Startspieler und dann im Uhrzeigersinn reihum nacheinander jeweils einen ihrer Arbeiter auf eines der freien Arbeiterfelder und führen die entsprechende Aktion durch. Dies kann das Sammeln von Ressourcen, die Produktion von Waren, das Bauen von Gebäuden, der Handel mit Ressourcen oder Waren oder das Ausbilden, also das Ausspielen einer der Spezialistenkarten von der Hand des Spielers, sein. Haben so alle Spieler alle ihre Arbeiter gesetzt, ist die aktuelle Runde zu Ende und der Zeitmarker wird um ein Feld nach vorne geschoben. Danach ist der nächste Spieler im Uhrzeigersinn neuer Startspieler und die nächste Runde startet. Sobald der Zeitmarker das Feld III am Vesuv erreicht, darf das erste blaue Gebäude das Foro di Pompeii gebaut werden. Wird dieses gebaut, beginnt sofort Phase 2, das Erwachen. Zu Beginn dieser Phase erhält jeder Spieler sechs Stadtkarten auf die Hand, der Spieler, der das Foro gebaut hat, zusätzlich eine weitere Stadt- und eine Spezialistenkarte, welche er beide sofort ausspielt und ggf. abhandelt. Zudem wird das Vesuvplättchen umgedreht. Die Phase 2 wird nach denselben Regeln wie die erste Phase gespielt, allerdings wird am Ende jeder Runde ermittelt, wie viele Opfergaben nötig sind, um die Götter zu beruhigen. Deren Anzahl richtet sich nach der Anzahl der aktiven Arbeiter der Spieler sowie nach der Anzahl der Runden, denn alle drei Runden steigt der Wert für alle Spieler automatisch um 1. Zahlen die Spieler die nötigen Opfer durch Ressourcen und Waren aus ihrem Vorrat mit entsprechendem Wert, passiert weiter nichts. Wer mehr bezahlt als er müsste, darf hierfür Spezialisten- und / oder Stadtkarten ziehen und eine davon behalten. Kommt die nötige Summe nicht zusammen, wird die oberste Karte vom Vulkankartenstapel aufgedeckt. Diese gibt vor, welche Ressourcen oder Waren die Spieler vernichten müssen. Wird die Karte Apokalypse gezogen, endet das Spiel sofort und alle haben verloren. Ansonsten endet die Partie, sobald ein Spieler in den Terme Stabiane Truppen aushebt und diese im Castrum stationiert mit dessen Sieg.

Vorfreude ist ja nun bekanntlich die schönste Freude und ebenso bekanntlich erlebt man dann bisweilen auch sein blaues Wunder. Um es kurz zu machen, das blaue Wunder haben wir nicht erlebt, denn uns hat Pompeii überzeugt. Wir haben hier ein wirklich schön gemachtes Spiel mit einem Workerplacement-Mechanismus vor uns, das einfache, leicht verständliche Grundregeln aufweist und sich recht flott spielt. Einen Fehler sollte man hier allerdings nicht machen, und zwar den, zu forsch zu Werke zu gehen. Es empfiehlt sich, die Phase 1 möglichst lange hinzuziehen, um sich ein Polster an Ressourcen und Waren aufzubauen, bevor man Phase 2 aktiviert. Denn hier schwinden selbige mit beängstigender Geschwindigkeit für den Bau der blauen Gebäude, der Thermen und des Castrums einerseits und für die Opfergaben andererseits. Der zweite Fehler, den man besser vermeiden sollte, ist es, die Opfergaben nicht zusammenzubekommen, denn die Verluste, die der Vulkan in das eigene Lager schlagen kann, sind teils extrem schmerzhaft für die Strategie, die man sich so ausgemalt hatte. Und die Karte mit der Apokalypse kann auch schneller kommen, als man denkt. Einen kleinen Abzug unsererseits in der B-Note gibt es allerdings für das Regelwerk, das zumindest in der deutschen Übersetzung an manchen Stellen etwas mehr Klarheit verdient hätte. Und dass man die Erklärungen der Karten über einen QR-Code extra herunterladen muss, ist auch nicht so wirklich optimal. Ansonsten gibt`s von uns zwei Daumen nach oben für Pompeii.

Titel: Pompeii
Autor: Michiel Siebelt
Verlag: Bad Rule Games