Kraftwagen – Age of Engineering

Ein Spiel, auf das wir ehrlich gesagt mit großem Interesse gewartet hatten, war das Wirtschaftsspiel Kraftwagen – Age of Engineering. Wir hatten uns zwar ein Exemplar auf der SPIEL 24 besorgt, doch wie so oft haben wir den Test dann immer wieder nach hinten verschoben, weil anderes wichtiger war. Doch nun haben wir den Titel endlich auf unseren Redaktionstisch gepackt und das Spiel für dieses Mittwochsspecial auf Herz und Nieren bzw. Schrauben und Zündkerzen geprüft. Geistiger Vater hinter Kraftwagen, welches in einer quadratischen Standardbox geliefert wird, ist Matthias Cramer. Das Artwork wiederum verantwortet Javier González Cava. Öffnen wir die Box, so finden wir das Spielmaterial darin teils in Clipbeutel, teils unverpackt vor. Es besteht im Einzelnen aus dem Spielplan, vier Spielertableaus, 155 Plättchen, 78 Markern, 48 Arbeitern, 12 Zahnrädern, vier Handelsvertretern, vier Rennwagen und dem Regelheft.

Die Automobilindustrie in Nordamerika entwickelte sich zwar später als die in Europa, wurde aber aufgrund der Massenfertigung und zahlreicher Innovationen schnell zur größten und leistungsfähigsten in der Welt. Wie wird sich Deine Automobilfabrik am Ende dabei schlagen?

Zur Spielvorbereitung kommt der Spielplan in die Tischmitte und wird gemäß Anleitung mit Spielmaterial bestückt bzw. dieses daneben als Vorrat platziert. Jeder Spieler wiederum erhält ein Spielertableau und die beiden Entwicklungszahnräder in der Farbe seiner Wahl, die er auf die Startfelder der Entwicklungsleiste auf seinem Tableau legt, in die Kantine kommen vier Arbeiter. Die Rufmarker, Grand-Prix-Marker und Rennwagen der Spieler kommen auf die jeweiligen Startfelder auf dem Spielplan, die großen Zahnräder der Spieler zufällig auf leere Felder des Aktionszahnrades auf dem Spielplan. Haben alle Spieler auch noch ein Startplättchen gewählt und die zugehörigen Aktionen ausgeführt, kann es losgehen. Kraftwagen wird über drei Runden gespielt, die jeweils aus drei Phasen bestehen. In der Vorbereitungsphase werden die Preismarker der jeweiligen Runde auf die Marktpreistabelle gelegt, die weißen Preismarker wiederum neben die jeweiligen verfügbaren Käufer und von jeder Sorte Rekrutierungsplättchen werden zwei aufgedeckt, solange keine offen ausliegen. Dann beginnt die Aktionsphase. Hier ist immer der Spieler am Zug, dessen Zahnrad auf dem Aktionszahnrad im Uhrzeigersinn am weitesten hinten liegt. Dieser wählt eines der verfügbaren Felder aus, legt das dortige Plättchen an den Anfang der Aktionskette und führt die Aktion oder die Aktionen durch. Dies kann bedeuten, dass er eine Karosserie oder einen Motor entsprechend seiner jeweiligen Entwicklungsstufe erhält, ein Rennen fährt, durch Forschung die Entwicklungsstufe von Karosserien oder Motoren erhöht, Arbeiter anheuert, Käufer anwirbt oder sich durch Rekrutierung eines der Rekrutierungsplättchen sichert. Optional kann der Spieler dann auch noch ein Auto auf den Markt bringen, sofern er eine Karosserie und einen Motor im Werkstattbereich seines Tableaus und Arbeiter in der Kantine hat. Karosserieplättchen, Motorplättchen, eine beliebige Anzahl Arbeiter und eines der Preisplättchen kommen dann auf den Markt. Anschließend ist der Spieler am Zug, dessen Zahnrad nun am weitesten hinten liegt. Dies erfolgt reihum so lange, bis entweder sechs Autos auf dem Markt sind oder der Marktmarker das Feld 4 erreicht hat. Es erfolgt nun die Auswertungsphase, in der die Spieler für das Grand-Prix-Rennen und die Autoverkäufe Rufpunkte erhalten, wobei beim Verkauf entscheidend ist, dass man mit seinem Auto den Wünschen der aktiven Kunden entspricht. Danach werden die Rennautos, der Grand-Prix-Marker und der Marktmarker, sowie die Plättchen der aktiven Käufer wieder auf die jeweiligen Startfelder zurückgelegt und die nächste Runde kann starten. Wer so nach Ende der dritten Runde die meisten Rufpunkte hat, gewinnt.

Um ehrlich zu sein, Kraftwagen – Age of Engineering hat uns mit etwas zwiespältigen Eindrücken zurückgelassen. Das Spiel per se ist gut, die Regeln eigentlich einfach und leicht verständlich, der Spielmechanismus interessant und das Spielmaterial toll gestaltet. Aber da ist zum einen das Regelheft, das wirklich grausig ist. Die Übersetzung der Regeln aus dem Englischen ist mehr als schlecht geraten und voller Fehler und die Regeln an sich dann teils so umständlich beschrieben, dass man erst beim dritten oder vierten Lesen gemeinschaftlich versteht, was und wie es gemeint ist. Ein zweiter Punkt, an dem der Titel etwas krankt, ist das unausgewogene Balancing zwischen den einzelnen Aktionen. Wer hier das Pech hat, an ein heißbegehrtes Plättchen einfach nicht zu kommen bzw. nur zu dem Preis, dass er dann minutenlang zuschauen muss, wie die Mitspieler eine Aktion nach der anderen machen, kann schnell Frust schieben. Alles in allem also ein eigentlich tolles Spiel, das aber vielleicht noch etwas mehr Entwicklungsarbeit bedurft hätte, um es richtig gut zu machen.

Titel: Kraftwagen – Age of Engineering
Autor: Matthias Cramer
Verlag: Samaruc Games