Dindex

Anfang 2024 hatten wir hier im Blog ja das Strategiespiel ImpeRunde des Spieleverlages AdveRunde vorgestellt. Auf der Spielemesse während des Stuttgarter Messeherbstes Ende 2025 hatten wir nun Gelegenheit, den neuesten Titel des AdveRunde-Chefs und Autors Lars-Micheal Stock kennenzulernen. Es handelt sich dabei um das Politik-Kartenspiel Dindex. Da uns das Spiel nach der kurzen Erklärung auf der Messe mehr als vielversprechend erschien, haben wir uns ein Exemplar besorgt, um dieses in unserer erweiterten Redaktionsrunde einmal in Ruhe zu testen. Als Verpackung dient dem Spiel dabei eine kompakte Rechteckbox mit Covergestaltung von Anna Spies, die auch für das sonstige Artwork verantwortlich zeichnet. Öffnen wir die Box, so finden wir darin 210 Karten, einen Spielblock, vier Kurzübersichten, eine Kurzanleitung und auch das ausführliche Regelheft vor, wobei auf Ordnungselemente wie einen Einleger oder Clipbeutel verzichtet wurde.

Die Demokratie steht auf dem Spiel! Oligarchen versuchen, das politische System von innen zu zerstören und die Demokratie abzuschaffen. Wird es den Demokraten gelingen, sie daran zu hindern und die Demokratie zu bewahren?

Zur Spielvorbereitung werden zunächst die zur Spielerzahl passenden Rollenkarten bereitgelegt, verdeckt gemischt und an die Spieler zufällig verteilt. Diese halten ihre Rolle vor ihren Mitspielern geheim. Einer der Spieler wird nun zum Schriftführer bestimmt, nimmt sich den Spielblock und bewaffnet sich mit einem Stift. Hat sich die Gruppe geeinigt, mit welchen Dindex sie die Partie beginnen will, werden die zugehörigen Karten sortiert und gestapelt in die Tischmitte gelegt. Nun werden die Parteikarten gemischt und an jeden Spieler eine verteilt, die diese offen vor sich ablegen. Anschließend trägt der Schriftführer die Namen der Spieler und ihrer Parteien auf dem Spielblock ein. Darauf ziehen alle Spieler eine Zufallskarte. Wer den höchsten Wert hat, erhält drei Wähler (weiße Schafe) vom Wählerkartenstapel, alle anderen Spieler dagegen zwei. Ebenso erhalten alle Spieler von diesem Stapel drei Stammwähler (braune Schafe), während zwei braune Schafe als Systemgegner in die Tischmitte kommen. Die übrigen Wählerkarten bilden die Nichtwähler, die ebenfalls in der Tischmitte abgelegt werden. Liegen auch noch die Karten für die Regierungsämter bereit und sind die Aktionskarten und Karten mit den Regierungsaufgaben durchgemischt, kann es losgehen. Eine Partie Dindex verläuft über eine unbestimmte Anzahl an Runden (Legislaturperioden), die immer acht Phasen umfassen. In Phase 1 ziehen alle Spieler auf fünf Aktionskarten vom betreffenden Stapel auf die Hand auf. Dann wird in Phase 2 ermittelt, wie viele Wähler und Stammwähler jeder Spieler hat, was auf dem Spielblock notiert wird. Aus der Summe aller dieser Wähler und Stammwähler wird ermittelt, wie viele Wähler es für die absolute Mehrheit braucht. Der Spieler, der die meisten Wähler und Stammwähler hat, muss nun mit seinen Mitspielern verhandeln, um eine Koalition zu bilden. Gelingt ihm dies, verteilt er die Regierungsämter unter sich und seinen Koalitionspartner. Ansonsten ist der Spieler mit den zweitmeisten Wählern und Stammwählern am Zug. Sobald die Regierung steht, folgt Phase 3, in der fünf Karten mit Regierungsaufgaben aufgedeckt werden. Die Spieler der Regierung müssen nun versuchen, diese Aufgaben zu lösen, indem sie die passende Minister- oder die Bundeskanzlerkarte auf die Regierungsaufgaben legen. Ist dies abgeschlossen, legen alle Spieler eine ihrer Aktionskarten verdeckt in die Tischmitte. Diese werden gemischt und beginnend mit dem Bundeskanzler-Spieler reihum an alle Spieler verteilt. Ebenfalls beginnend mit dem Bundeskanzler-Spieler müssen die Spieler diese Geheimaktion nun aufdecken und wenn sie können, durchführen. Dadurch kann sich u.a. der Dindex, die Zahl der Wähler und Stammwähler eines Spielers, oder der Nichtwähler und Systemgegner ändern. In der anschließenden Phase 5 können die Spieler nun wiederum beginnend mit dem Bundeskanzler-Spieler Aktionskarten von ihrer Hand ausspielen und die entsprechenden Aktionen durchführen. Kann oder will ein Spieler dies nicht, kann er passen, oder auch eine seiner Aktionskarten abwerfen und eine neue vom Stapel ziehen. Diese Phase geht so lange, bis alle Spieler reihum gepasst und / oder Aktionskarten abgeworfen haben. In Phase 6 müssen dann ungelöste Regierungsaufgaben abgehandelt werden, was im Regelfall auch wieder zu Verschiebungen bei den Wählern führt. Daran schließt sich in Phase 7 eine Wertung der Regierungsämter an. In Phase 8 wird schließlich der Dindex um eine Karte abgestapelt und bei jedem Spieler wandelt sich ein Stammwähler zum Wähler. Zuletzt können die Spieler noch verbliebene Aktionskarten abwerfen, um entweder selbst pro Karte einen Wähler hinzuzugewinnen oder bei allen Mitspielern einen zu vertreiben. Die Partie endet entweder, wenn die für den Sieg der Demokraten nötigen Regierungspunkte erreicht wurden mit deren Sieg, oder wenn der Dindex auf den Wert 1 sinkt mit dem Sieg der Oligarchen.

Wir hatten ja schon bei der Kurzvorstellung von Dindex auf der Messe das Gefühl, dass wir hier wieder einmal eine kleine Spieleperle vor uns haben und wir haben uns nicht getäuscht. Lars-Michael Stock hat in seinem neuen Kartenspiel eine wirklich topaktuelle Thematik auf eine mehr als erfrischende Art und Weise ins Spieleformat umgesetzt. Das doch recht dicke Regelheft mag einen dabei anfangs zwar gefühlt etwas erschlagen, doch liegt dies in erster Linie daran, dass der Autor die Regeln mehr als detailliert erklärt, so dass während der Partie eigentlich an keiner Stelle jemals Unklarheiten auftreten. Die Grundregeln des Spiels sind nämlich, wenn man sie einmal verstanden hat, wirklich einfach, womit Dindex auch mit Kindern ab 12 Jahren, wie auf der Box angegeben ist, problemlos spielbar ist. Das Spiel per se verläuft dann im Regelfall mehr als flott, wobei es bisweilen erschreckend ist, wie leicht eine Demokratie verschwindet bzw. wie schwer es ist, diese zu erhalten. Hierbei liegt es dann natürlich in erster Linie an den Spielern, die die Demokraten-Rolle innehaben, diese zu verteidigen, was aber bisweilen gar nicht so einfach ist, wenn man dann versucht, sich für die nächste Wahl besser in Stellung zu bringen und hin und wieder doch auch einmal zu etwas unsauberen Mitteln greift. Dann haben es die Oligarchen natürlich recht leicht und müssen sich nur noch sprichwörtlich als Wolf im Schafspelz geben. Wir waren von Dindex jedenfalls mehr als begeistert und werden dieses Spiel in unsere Sammlung aufnehmen. Wer nun neugierig geworden ist, der findet Dindex im Onlineshop auf der Homepage des Verlages:

https://www.adverunde.de/

Titel: Dindex
Autor: Lars-Michael Stock
Verlag: AdveRunde