Während des Stuttgarter Messeherbstes sind wir über den Stand von Spieltrieb gestolpert und dort an der Herbstneuheit 2025 Night Express des Autors Bernd Wustinger, welche aus einer erfolgreichen Kickstarter-Kampagne hervorgegangen ist, hängengeblieben. Da uns dieses Wirtschaftsstrategiespiel mehr als interessant erschien, haben wir uns ein Exemplar besorgt, welches wir heute einmal etwas genauer unter die Lupe nehmen wollen. Als Verpackung dient dem Titel dabei eine quadratische Standardbox, die wirklich randvoll mit Spielmaterial ist. Dieses besteht im Einzelnen aus dem Spielbrett, sieben Tableaus, 158 Karten, 392 Markern, 40 Zügen, 56 Holzfiguren, sechs Sichtschutzen, einem Wertungsblock und den Regelheften in deutscher und englischer Sprache.
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Zur Spielvorbereitung kommt der Spielplan in die Tischmitte und wird mit den benötigten Kartensets bestückt. Das Kartenauslage- bzw. Zugauslagetableau kommt daneben. Ebenfalls neben den Spielplan kommen die Marker der allgemeinen Auslage, die Züge und ihre Upgrades sowie der verdeckte und durchgemischte Stapel mit den Streckenkarten und die Stapel der Spezialistenkarten für die späteren Runden. Jeder Spieler wiederum nimmt sich ein Spielertableau, alle Holzfiguren, Marker, die Bietkarten und den Sichtschutz in der Farbe seiner Wahl, vier Passagierfiguren und ein Blatt vom Block. Zudem erhält jeder 30 Geld als Startkapital und zwei Karten mit geheimen Streckenzielen, von denen er eine auswählt und die andere abwirft. Ist ein Startspieler bestimmt und haben alle ihren Siegpunktmarker auf das Startfeld des Spielplanes gelegt, kann es dann auch schon losgehen. Jede der vier Runden besteht dabei aus sechs Phasen. In Phase 1 deckt der Startspieler zwei Streckenkarten mehr, als Mitspieler vorhanden sind, auf. Beginnend mit ihm wählen die Spieler reihum je eine dieser Karten aus und legen sie auf dem obersten linken freien Platz ihres Tableaus ab. Auf dem Spielplan wiederum markieren sie die Strecke mit ihren Streckenmarkern und stellen auf ihrem Spielertableau eine ihrer Passagierfiguren auf die auf der Karte angegebene Passagierzahl. Sollte ein Streckenabschnitt zusammen mit einem Mitspieler genutzt werden, muss die Passagierzahl ggf. modifiziert werden. Abschließend entscheiden die Spieler, ob sie an einem der Endpunkte der Strecke einen Servicepoint errichten oder einen ev. dort schon vorhandenen eines Mitspielers nutzen wollen. In Phase 2 werden anschließend die für die aktuelle Runde zur Verfügung stehenden Züge mit aufsteigendem Wert auf das Zugauslagetableau gelegt. Die Spieler müssen nun beginnend mit dem teuersten Zug mit ihren Bietkarten Gebote für diese abgeben. Hat ein Spieler den Zuschlag erhalten, muss er den auf der Bietkarte angegebenen Wert zahlen und auch den Preis des Zuges. Oder er entscheidet sich, diesen zu leasen, was er mit einem entsprechenden Marker auf dem Zug anzeigt, der nun weniger Siegpunkte bringt. Den gekauften Zug legt der Spieler auf seinem Tableau rechts neben die neue Streckenkarte ab. Haben so alle Spieler einen Zug erstanden, schließt sich Phase 3, in der die Spieler ihre Strecken optimieren können, an. In einem Workerplacement-Mechanismus platzieren die Spieler beginnend mit dem Startspieler im Uhrzeigersinn eine ihrer Aktionsfiguren auf einem der Aktionsfelder des Spielplanes, zahlen die Kosten und führen die Aktion aus. Dies kann Verbesserungen am Zug, Werbekampagnen, Verbesserungen eines Servicepoints usw. bedeuten. Haben alle Spieler ihre beiden Figuren platziert, folgt Phase 4, in der beginnend mit dem Startspieler für jeden Spieler eine Ereigniskarte gezogen und deren Effekt sofort abgehandelt wird. In der anschließenden Phase 5 werten die Spieler auf dem Blatt des Wertungsblockes ihre Strecken und erhalten gemäß des Ergebnisses Geld aus dem Vorrat. In der abschließenden Phase 6 deckt der Startspieler nun zwei Spezialistenkarten mehr auf, als es Mitspieler gibt, und wählt eine aus. Seine Mitspieler folgen im Uhrzeigersinn. Zur Vorbereitung der nächsten Runde werden die zugehörigen Spezialistenkarten gemischt und bereitgelegt und der Startspielermarker weitergereicht. Nach Ende der vierten Runde addieren alle Spieler die Siegpunkte ihrer Streckenwertungen, zudem erhalten die Spieler mit der lukrativsten Strecke, der größten Zugflotte und der größten Geldreserve noch Zusatzpunkte. Wer so am Ende die meisten Punkte hat, gewinnt.
Night Express ist ein wirklich hochkomplexes Wirtschaftsstrategiespiel, das es in sich hat. Die Regeln erschlagen einen zwar im ersten Moment ein wenig, doch hat man sie eigentlich nach der ersten Runde relativ schnell drauf und stellt dann fest, dass sie so kompliziert, wie man zunächst dachte, nicht sind. Dies liegt aber vielleicht auch ein wenig an der Spielanleitung selbst, die an manchen Stellen etwas umständlich formuliert ist. Dem Spielspaß an sich tut dies aber keinen Abbruch, denn Night Express ist vom Autor Bernd Wustinger, der die Veröffentlichung seines Spiels leider nicht mehr miterleben konnte, mehr als gelungen erdacht und in die Realität umgesetzt worden. Wer anspruchsvolle Wirtschaftsstrategiespiele schätzt und bereit ist, sich in ein Regelwerk erstmal ein wenig einzuarbeiten, für den ist Night Express auf jeden Fall mehr als interessant. Erhältlich ist der Titel über den Shop auf der Website des Verlages:
https://www.spiele-entwickler-spieltrieb.de/
Wobei Leser unseres Blogs, die bei der Bestellung „Brettspielabend“ angeben, den Titel wie auch das Spiel Neustart für 69,– statt der üblichen 75,– erhalten.
Titel: Night Express
Autor: Bernd Wustinger
Verlag: Spieltrieb




















