1906 San Francisco

Eher zufällig sind wir in Essen über den Stand des Biberstein Spiele Verlages gestolpert, der zusammen mit seinem spanischen Partnerverlag Looping Games seine so genannte Jahrhundertreihe im Angebot hat, die aktuell vier Titel umfasst. Einen davon, und zwar 1906 San Francisco, haben wir uns für unser heutiges Mittwochsspecial einmal etwas genauer angeschaut. Als Verpackung dient dem Spiel dabei eine kompakte Rechteckbox, die randvoll mit Spielmaterial ist. Dieses umfasst im Einzelnen zwei Tafeln, 53 Marker, vier Steine, 32 Gebäude, 99 Karten und das Regelheft.

Am Morgen des 18. April 1906 erschüttert ein schweres Erdbeben San Francisco. Auch wenn die Stadt durch das Beben und ein nachfolgendes Feuer schwer zerstört wird, machen sich die Bewohner sofort an den Wiederaufbau, so dass 1916 dort die Weltausstellung ihre Tore öffnen wird.

Zur Spielvorbereitung werden die zur Spielerzahl passenden Grundstückskarten in die Tischmitte gelegt und mit Schuttmarkern bestückt. Um sie herum werden zufällig die sechs Aktionskarten angeordnet. Oberhalb des Spielfeldes werden hingegen die Jahrestafel und die Fortschrittstafel platziert. Auf ersterer kommen der Jahresmarker, auf die zweite die Fortschrittsmarker der Spieler auf die jeweiligen Startfelder. Zudem werden unter die Fortschrittstafel noch die Stadtentwicklungskarten nach Sorten getrennt abgelegt. Geld und Gebäude der Spieler kommen in den allgemeinen Vorrat. Die Spieler wiederum erhalten den Aktionsstein der Farbe ihrer Wahl. Nun werden die öffentlichen Ausschreibungen gemischt und drei offen ausgelegt. Daneben kommt die Baumeister-Ausschreibung. Die privaten Ausschreibungen werden ebenfalls gemischt und an jeden Spieler zwei verteilt, von denen diese eine wählen und die andere zurückgeben. Von den verblieben Karten werden dann drei aufgedeckt unter den öffentlichen Ausschreibungen abgelegt. Die übrigen bilden den verdeckten Nachziehstapel. Ebenso werden die Baugenehmigungen gemischt, drei aufgedeckt und unterhalb der öffentlichen Ausschreibungen platziert. Auch hier bilden die verbliebenen Karten den verdeckten Nachziehstapel. Ist ein Startspieler bestimmt, kann die erste Runde vorbereitet werden. Beginnend mit dem Startspieler platzieren die Spieler reihum ihren Aktionsstein auf eines der Einkommensfelder der Jahrestafel. Sie erhalten das angegebene Einkommen und den Bonus des entsprechenden Jahres. Wessen Stein nun am weitesten rechts liegt, ist als Erster am Zug und platziert diesen auf einem der Felder der ersten Aktionskarte. Hier kann er entscheiden, ob er das Einkommen haben oder die Aktion ausführen will. Mögliche Aktionen sind hierbei je nach Karte das Versetzen eines eigenen Gebäudes aus dem allgemeinen Vorrat in den persönlichen Vorrat, das Nehmen einer Baugenehmigung oder einer öffentlichen Ausschreibung aus der Auslage, das Bauen eines Gebäudes auf dem Spielfeld oder das Räumen von Schutt. Beim Nehmen von Karten gilt zu beachten, dass die Auslage immer erst wieder aufgefüllt wird, wenn alle Spieler ihren Aktionsstein auf die aktuelle Aktionskarte gesetzt haben. Beim Bauen wiederum muss ein Spieler ein Gebäude in seinem persönlichen Vorrat und die passende Baugenehmigung in seiner Auslage haben. Spielt er zwei Baugenehmigungen aus, die identische Stadtentwicklungssymbole haben, erhält er zusätzlich die entsprechende Stadtentwicklungskarte und bewegt seinen Marker auf der Fortschrittstafel ein Feld nach rechts. Ein Feld nach oben wandert der Marker dort hingegen für das Räumen von Schutt. Haben so alle Spieler ihren Stein auf ein Feld der ersten Aktionskarte gesetzt und ihre Aktion gemacht, beginnt der Spieler, dessen Stein nun am weitesten rechts liegt, wieder als Erster mit dem Setzen auf ein Feld der zweiten Aktionskarte. Nach der sechsten Aktionskarte ist das Jahr zu Ende. Der Jahresmarker wird ein Feld weitergeschoben und die Spieler beginnen das neue Jahr in gewohnter Weise mit dem Setzen ihres Steines auf ein Feld der Einkommensleiste. Die Partie endet entweder sofort in der Runde, in der ein Spieler sein achtes Gebäude baut, oder wenn das Jahr 1916 erreicht wird. Anschließend erfolgt eine Wertung. Wer die meisten Punkte hat, gewinnt.

Wir müssen zugeben, wir waren begeistert von 1906 San Francisco. Ein so spannendes und komplexes aber letztlich einfaches Spiel, welches eine Art Worker-Placement-Mechanismus nutzt, in so einer kleinen Box mit minimalem Spielmaterial und kurzen, leicht verständlichen Regeln unterzubringen, ist wirklich eine Kunst. Uns hat dieser Titel von der ersten bis zur letzten Minute gefesselt, zumal es bis zum Schluss spannend blieb, wer denn nun aus der Wertung als Sieger hervorgehen wird. Von daher wird diese Spieleperle in unsere Sammlung wandern und wir sind schon sehr gespannt, ob Biberstein in Essen nächstes Jahr einen weiteren Vertreter seiner Jahrhundert-Reihe vorstellen wird. Falls nicht, werden wir uns auf jeden Fall ein weiteres Exemplar der schon erhältlichen Spiele sichern.

Titel: 1906 San Francisco
Autor: Perepau Llistosella
Hersteller: Looping Games / Biberstein Spiele