Cactus Town mit der The Lone Ranger Erweiterung

Ein Spiel, das jetzt zugegeben schon etwas länger auf unserem To-Do-Stapel lag, nämlich seit der SPIEL `22, war das asymmetrische Aktionsplanungsspiel Cactus Town und dessen The Lone Ranger Erweiterung, mit dem der Titel auch für fünf Personen spielbar ist. Geistiger Vater des Titels, der beim spanischen Verlag Second Gate Games erschienen ist, ist Raul Luque. Als Verpackung dienen sowohl dem Grundspiel als auch der Erweiterung kompakte Rechteckboxen, deren Covergestaltung uns auch schon gleich auf die Wild West-Thematik, die hier als Hintergrundstory dient, einstimmen. Das Spielmaterial an sich umfasst dabei beim Grundspiel 82 Karten, neun Figuren mit Standfüßen, 28 Marker, vier Würfel, vier Sichtschirme und Regelfaltblätter in deutscher, englischer, französischer und spanischer Sprache. Die Erweiterung bringt 35 Karten, eine weitere Figur mit Standfuß, einen weiteren Würfel, einen zusätzlichen Sichtschirm und ebenfalls Regelfaltblätter in vier Sprachen.

Cactus Town ist ein gefährliches Pflaster. Gesetzlose versuchen, die Stadt auszurauben, was der Sheriff und seine Hilfssheriffs zu verhindern suchen. Doch es gibt da auch noch die Kopfgeldjäger, die Can-Can-Tänzerin und den einsamen Ranger, die alle ganz eigene Ziele verfolgen.

Zu Beginn einer Partie Cactus Town mit der The Lone Ranger Erweiterung wird zunächst das Büro des Sheriffs in die Tischmitte gelegt und die übrigen Gebäudekarten verdeckt in einem 5×5-Raster darum angeordnet. Dann wählen die Spieler ihre Rollen und setzen sich in Zugreihenfolge an den Tisch, um anschließend ihre Spielfiguren auf die vorgegebenen Startpositionen im Stadtraster zu stellen. Die entsprechenden Karten werden hierbei aufgedeckt. Anschließend werden die Zielgebäudekarten gemischt und als verdeckter Nachziehstapel bereitgelegt, von dem die Spieler, die die Gesetzlosen, die Kopfgeldjäger und die Can-Can-Tänzerin spielen, jeweils eine gewisse Anzahl auf die Hand ziehen. Haben alle Spieler ihren Würfel und ihre Aktionskarten, sowie ggf. noch Marker und spezielle Karten erhalten, kann es losgehen. Jede Runde Cactus Town besteht immer aus zwei Phasen. In der Planungsphase wählen die Spieler aus ihren vier Aktionskarten drei aus, die sie in der Reihenfolge, in der sie sie spielen wollen, verdeckt von links nach rechts vor sich ablegen. Die vierte Karte wird um 90° gedreht ganz rechts ebenfalls verdeckt abgelegt. In der Aktionsphase decken die Spieler dann reihum, beginnend mit dem Startspieler, ihre erste Aktionskarte auf und führen deren Aktion, sofern möglich, aus. Dies kann eine Bewegungsaktion sein oder ein Duell oder eine Spezialaktion wie das Einbuchten von Gesetzlosen, das Befreien derselben, das Ausrauben von Zielgebäuden, usw.. Hierbei haben alle Spieler unterschiedliche Ziele. Der Sheriff gewinnt die Partie, wenn er zwei Gesetzlose ins Gefängnis gebracht hat. Die Gesetzlosen dagegen, wenn sie zwei Zielgebäude ausgeraubt haben und mit der Beute in die Wildnis entkommen sind. Die Kopfgeldjäger wollen einen Gesetzlosen fangen und zwei Pferde stehlen, während die Can-Can-Tänzern drei Duelle gewinnen und es in zwei Zielgebäuden jemandem heimzahlen muss. Und der einsame Ranger schließlich versucht, dass keiner der anderen Spieler gewinnt, bis der Marshall in der Stadt eingetroffen ist. Sobald so einer der Spieler seine Siegbedingungen erfüllt, endet die Partie.

Cactus Town ist ein recht kurzweiliges Aktionsplanungsspiel, das sehr asymmetrisch ist. Die einzelnen Spieler haben nämlich neben unterschiedlichen Aufgaben auch unterschiedliche Fähigkeiten. Die Grundregeln des Spiels sind dabei recht einfach und auch schnell erlernt. Danach kommt es darauf an, aus den gegebenen Möglichkeiten das Beste zu machen, wobei sich hier Glück und Taktik die Waage halten. Einerseits muss man nämlich seine Spielzüge durch die Auswahl der Aktionskarten vorausplanen. Da dies aber andererseits nur geht, indem man versuchen muss, zu erahnen, was die anderen Spieler wohl tun werden, ist der Glücksfaktor natürlich sehr hoch. Durch die The Lone Ranger Erweiterung kommt dabei eigentlich nur noch eine fünfte Person ins Spiel, die, wie alle anderen Charaktere auch, ihre eigenen Ziele und Spielmechanismen mitbringt, aber am Grundspiel an sich sonst nichts ändert. Allerdings ist dies auch nicht nötig, denn schon im Grundspiel ist genug Spielmaterial enthalten, um dieses jederzeit noch anspruchsvoller zu machen, wenn einem danach ist. Was uns zudem sehr gut gefallen hat, ist das wirklich schöne und mit viel Liebe zum Detail gestaltete Spielmaterial.

Titel: Cactus Town, Cactus Town – The Lone Ranger
Autor: Raul Luque
Verlag: Second Gate Games