Klassiker

Klassiker: Junta

In der Rubrik Klassiker soll es heute um das satirische Strategiespiel Junta gehen. Entwickelt von dem Trio Vincent Tsao, Ben Grossman und Eric Goldberg erschien die Erstauflage in den USA bereits 1979. In Deutschland war Junta ab 1986 bei ASS erhältlich. Mittlerweile gibt es eine überarbeitete Version mit neu gestaltetem Spielbrett und Karten von Pegasus Spiele. Unser Exemplar ist die 1986er-Version von ASS, die in einer zeittypisch unhandlichen Schachtel mit ebenfalls im typischen 80er-Jahre Stil gehaltenem Cover daherkommt. Das Spielmaterial umfasst den Spielplan, 160 Marker, 72 Karten, Geldscheine und 2 Würfel.

In Junta nehmen uns die Spieleautoren mit in die Republica de las Bananas, einen fiktiven, hoch korrupten Kleinstaat in Südamerika, den eine skrupellose Militär-Junta regiert. Einziges Ziel der Spieler, die verschiedene Regierungsämter einnehmen, ist es, als Oberhaupt einer der mächtigen Familien des Landes möglichst viel Geld aus dem Staatshaushalt zu veruntreuen und auf ein sicheres Schweizer Bankkonto zu bringen.

Um eine Partie Junta vorzubereiten, an der maximal 7 Spieler teilnehmen können, wählt zunächst jeder Spieler seine „Familie“ und erhält die zugehörigen 8 Marker. Die übrigen Marker werden auf die entsprechenden Felder auf dem Spielplan platziert, neben den auch das Geld und die Karten bereitgelegt werden. Nun wählen die Spieler aus ihrer Mitte einen Präsidenten und die Partie kann beginnen. Im politischen Spiel zieht jeder Spieler zunächst 2 Karten, daraufhin verteilt der Präsident die verschiedenen Regierungsämter unter den Mitspielern. Im nächsten Schritt zieht der Präsident 8 Geldscheine und macht den Vorschlag für einen Staatshaushalt, sprich, er schlägt vor, wie er das Geld unter seinen Mitspielern aufzuteilen gedenkt. Diese stimmen nun darüber ab und legen geheim fest, wo sie sich während der so genannten Terror Phase, in der Attentate aufeinander verübt werden können, aufhalten. Mit der Bankphase, in der Gelder auf das Schweizer Konto transferiert werden können, endet das politische Spiel und eine neue Runde beginnt. Löst allerdings ein Spieler jetzt einen Putsch aus, so kommt es zum Putsch-Spiel, in dem Aufständische und Regierungstreue gegeneinander kämpfen. Nach Ermittlung der Putsch-Folgen startet die nächste Runde mit der Wahl eines neuen Präsidenten. Nach spätestens 11 Runden endet die Partie und derjenige, der die meisten Gelder auf seinem Schweizer Konto hat, gewinnt.

Junta ist wie schon eingangs erwähnt ein satirisches Strategiespiel und Satire ist bekanntermaßen nicht jedermanns Sache. Wer sich auf den schwarzen Humor, der in diesem Klassiker reichlich vorhanden ist, einlässt, hat seinen Spaß mit Junta und dass es nach fast 40 Jahren immer noch auf dem Markt ist, beweist, dass die Spielidee nichts von ihrem Reiz verloren hat. Allerdings sollte man bei einer Partie Junta die Mitspieler sehr bewusst auswählen, denn dieses Spiel hat definitiv das Potential langjährige Freundschaften zu beenden, geht es doch darum, seine Mitspieler bewusst zu betrügen.

Titel: Junta
Autor: Vincent Tsao, Ben Grossman, Eric Goldberg
Verlag: ASS

Klassiker: Diplomacy

Auf eine lange Geschichte kann das Spiel zurückblicken, das wir heute in unserer Rubrik Klassiker betrachten. Schon Ende der 1940er-Jahre hatte der amerikanische Spieleautor Allan B. Calhamer die Idee zu Diplomacy. Doch erst 10 Jahre später brachte er das Strategiespiel im Eigenverlag auf den Markt, da sich zunächst keiner der großen Spieleverlage für den Titel interessierte. Anfang der 1960er-Jahre fand Calhamer schließlich einen Verlag, der die professionelle Vermarktung von Diplomacy, an dem heute Hasbro die Rechte hält, übernahm. Unser Diplomacy-Exemplar stammt aus den späten 1980er-Jahren, als das Spiel unter dem legendären Label der Parker Brothers auch in Deutschland erhältlich war. Die Box präsentiert sich daher in einem zeittypischen, eher schlichten Design und enthält neben dem Regelheft und dem Spielplan die 196 Spielsteine in den 7 Spielerfarben.

Wir befinden uns im Europa des Jahres 1901. Als Anführer der damaligen Großmächte versuchen die Spieler durch Taktik, Intrigen und das Schmieden von Bündnissen, die Vormachtstellung der eigenen Nation auszubauen, um so am Ende den Sieg davonzutragen.

Diplomacy ist für bis zu 7 Spieler konzipiert und schnell aufgebaut. Jeder der Spieler erhält zu Beginn einer Partie je 9 Flotten und 9 Armeen, sowie 10 Marker seiner Farbe. Sobald entschieden ist, wer welche Nation spielt, können die Starteinheiten platziert werden und die erste Runde beginnt. Hierbei gibt es zunächst eine Diplomatiephase, in der die Spieler in geheimen Verhandlungen Bündnisse vereinbaren können. Danach müssen sie für jede ihrer Einheiten festlegen, ob sie die Stellung halten, sich bewegen oder andere Einheiten unterstützen soll, was auf Zetteln notiert wird. Die anschließende Auswertung und das Verschieben der Einheiten auf dem Spielplan erfolgt zeitgleich. Ziel des Spiels ist es, im Laufe einer Partie 18 so genannte Versorgungszentren zu erobern und diese bis zum Herbst-Halbjahr eines Spielzuges zu halten.

Diplomacy ist ein Spiel mit sehr wenigen, sehr einfachen Regeln, die sich sehr schnell erlernen lassen. Mit Papier und Stift Befehle für jede Einheit zu notieren, mag zwar in der heutigen Zeit, in der wir es ja gewohnt sind, für alles eine App zu nutzen, etwas anachronistisch wirken, passt aber zum Setting in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg. Was den namensgebenden Diplomatiefaktor angeht, so hängt es natürlich sehr stark von den Spielern selbst ab, inwieweit sie diesen in das Spiel einbauen, oder versuchen, jeder für sich allein zu agieren. Zumindest für den Autor dieser Zeilen, der in nun bald 40 Jahren schon viele Partien Diplomacy gespielt hat, hat dieser Strategiespielklassiker jedenfalls bis heute nichts von seinem Reiz verloren.

Titel: Diplomacy
Autor: Allan B. Calhamer
Verlag: Parker

Klassiker: Pompeii – Die letzten Tage

In unserer Rubrik Klassiker soll es heute um das Strategiespiel Pompeii – Die letzten Tage des Autorenteams  Simonini und Morgantini gehen, das Mitte der 1990er-Jahre beim belgischen Spieleverlag Challenge erschienen ist. Zum Spielmaterial gehören der Spielplan, 8 Spielfiguren, 2 Würfel, Spielkarten, Spielgeld, Lavaplättchen, sowie das Regelwerk in 6 Sprachen. Dies alles ist in einer zeittypisch großen Box mit schön gestaltetem Cover untergebracht.

Pompeii versetzt uns zurück in das Jahr 79 n. Christus, als die Stadt am Fuße des Vesuvs ihre Glanzzeit hatte. Jeder Spieler verkörpert einen wohlhabenden Bürger, einen Patron, wobei die Autoren besonderen Wert auf den geschichtlichen Hintergrund gelegt haben. So haben alle im Spiel vorkommenden Personen und Gebäude auch wirklich im historischen Pompeii existiert. Hauptziel des Spieles ist es, beim Ausbruch des Vesuvs am 24. August des Jahres 79, sich selbst und möglichst viele andere Bürger zu retten, um am Ende zu siegen. Die zufällig auf die Stadt herabregnenden Lavamassen machen dies aber zu einem schwierigen Unterfangen.

Das Spiel ist für maximal 8 Personen konzipiert, wobei das Startkapital je nach Anzahl der Mitspieler variiert. Nach dem Aufbau des Spielplanes starten zunächst alle Spieler in die erste Spielphase. In dieser werden die 107 Felder am äußeren Rand des Spielplanes durchlaufen, auf denen Gebäude und Personen, die so genannten Klienten um die Gebäude zu füllen, erworben werden können. Hat ein Spieler den äußeren Parcours gemeistert, kann er sich entscheiden, in die zweite Phase einzutreten. Hierzu wechselt er in den inneren Teil des Spielplans, der einen Grundriss des antiken Pompeii darstellt. Man zieht nun Karten vom Stapel Vita Romana, die vorgeben, was innerhalb der Stadt zu tun ist. Dies kann die Aufforderung sein, sich an bestimmte Orte zu begeben, oder der Erhalt von Zahlungen bzw. die Aufforderung, diese zu leisten. Es ist daher klug, nicht sein komplettes Kapital in Phase 1 für den Erwerb von Gebäuden und Klienten auszugeben. Wird die Karte „Ultima Die“ gezogen, bricht der Vesuv aus und Phase 3 beginnt. Hierbei müssen die Spieler zu ihren Gebäuden gelangen, um die dort lebenden Klienten aus einem der Stadttore heraus in Sicherheit zu bringen. Wer zu diesem Zeitpunkt noch nicht in Phase 2 ist, nimmt automatisch nicht an Phase 3 teil. Erschwert wird die Rettungsaktion durch die Vesuvius Karten, die jeder Spieler in seiner Runde ziehen muss und die vorgeben, welcher Stadtbezirk von Lava verschüttet wird. Das Spiel endet, wenn alle Klienten gerettet sind oder alle Spieler ausgeschieden sind oder keine Rettungsaktionen mehr möglich sind. Sieger ist, wessen gerettete Klienten zusammen den höchsten Wert aufweisen.

Pompeii ist ein recht kurzweiliges Spiel, das vor allem auch durch seine einfachen, leicht verständlichen Regeln gefällt. Durch das Zufallsmoment, das sowohl durch die Vita Romana- als auch die Vesuvius-Karten gegeben ist, gleicht zudem keine Partie der anderen, so dass es auch gut mehrmals hintereinander spielbar ist. Dem Spielmaterial sieht man natürlich an, dass es aus den 1990er-Jahren stammt, aber es kann sich durchaus auch heute noch mit aktuellen Spielen messen.

Titel: Pompeii – Die letzten Tage
Autor: S. Simonini und M. Morgantini
Verlag: Challenge sprl

Klassiker: Raumflotte Gothic

In unserer neuen Rubrik Klassiker werden wir in loser Folge Spiele vorstellen, die schon vor längerer Zeit erschienen und teilweise auch nur noch antiquarisch erhältlich sind. Den Auftakt bildet Raumflotte Gothic von Games Workshop. Der englische Spieleverlag ist vor allem für seine Tabletop-Reihen Warhammer und Warhammer 40.000 bekannt. Daneben erscheinen immer wieder Saisonspiele, mit identischem Spielprinzip, die aber nur kurze Zeit offiziell im Verkauf sind. Eines dieser Saisonspiele war Raumflotte Gothic, das in Deutschland 1999 erstmals angeboten wurde. Als Teil der Warhammer 40.000-Reihe war es als Strategiespiel für Raumschlachten konzipiert, wobei die Rahmenhandlung die Invasion des so genannten Gothic-Sektors durch die Mächte des Chaos lieferte.

Die Grundbox enthielt neben einem dicken Regelbuch, Spielmarkern, Würfeln und Messlinealen auch die entsprechenden Raumschiffminiaturen für die imperiale Flotte und die Flotte des Chaos in Bausatzform, mit denen wenigstens zwei Spieler eine Partie starten konnten. In den folgenden Monaten ergänzten weitere Miniaturen dieser beiden Völker und später auch weiterer Fraktionen wie der Space-Orks, der Eldar, der Dark Eldar oder der Tyraniden das Angebot.

Da Battlefleet Gothic wie gesagt von vorneherein als Saisonspiel konzipiert war, verschwand es nach gut einem Jahr auch wieder aus dem offiziellen Programm. Über die Mailorder von Games Workshop blieben die Miniaturen aber eine gewisse Zeit noch weiter erhältlich. Daneben brachten die Games Workshop Töchter Specialist Games Studios und Forge World noch zusätzliche Miniaturen heraus, so dass am Ende für alle Völker des Warhammer 40.000 Universums Raumschiffe und entsprechende Regeln vorhanden waren. Letztere wurden 2004 in einem eigenen Regelbuch namens Battlefleet Gothic Armada zusammengefasst, das als PDF auf der Games Workshop Seite heruntergeladen werden konnte.

Auch wenn die Raumschiffminiaturen aufgrund vieler kleiner Anbauteile sehr heikel für einen wirklichen Einsatz auf dem Spielfeld sind, erfreut sich Raumflotte Gothic bis heute einer großen Fangemeinde. So nutzen einige Spieler mittlerweile die Möglichkeiten des 3D-Drucks, um ihre Flotten um weitere Raumschiffe zu ergänzen. Zudem brachte Tindalos Interactive 2016 das Echtzeitstrategiespiel Battlefleet Gothic Armada heraus. Ob und wann es jemals wieder eine Neuauflage des Tabletops geben wird, war auch auf Nachfrage am Stand von Games Workshop auf der Spielwarenmesse in Nürnberg nicht zu erfahren, doch ausgeschlossen ist es nicht.